05.10.2018, 11:43 Uhr

Jazzwoche Burghausen BR hebt einzigartige Musikschätze aus seinem Archiv

Foto: 123rf.com (Foto: 123rf.com)Foto: 123rf.com (Foto: 123rf.com)

Wertvolle Konzertmitschnitte werden digitalisiert und sendefertig gemacht

MÜNCHEN/BURGHAUSEN. Rund 170 Konzertmitschnitte der renommierten Internationalen Jazzwoche Burghausen, die bis vor Kurzem als nicht-sendefertiges Rohmaterial in den Regalen des BR-Archivs standen, werden zurzeit aufwändig im Bayerischen Rundfunk erschlossen und digitalisiert. Pünktlich zum 50-jährigen Bestehen des Festivals im März 2019 werden alle Mitschnitte dieses Sonderbestands verfügbar sein und können dann in den Hörfunkprogrammen des Bayerischen Rundfunks eingesetzt werden.

Bereits seit 1970, als die ersten Festivalsounds in der idyllischen Kleinstadt Burghausen ertönten, schnitt der BR umfangreich mit. In seither fast 50 Jahren sind dabei viele wertvolle Mitschnitte entstanden: darunter Konzerte von Größen wie Dizzy Gillespie, John McLaughlin, Jamie Cullum, Pharoah Sanders, Art Blakey, Jon Hendricks und Tony Williams. Aber auch einzigartige Begegnungen von Musikern hat der BR festgehalten – zum Beispiel das unvergessliche Gastspiel des serbischen Jazztrompeters Dusko Goykovich bei den Franco Ambrosetti All Stars. Wahre Schätze, die einzig in den Archiven des Bayerischen Rundfunks zu finden sind.

Roland Spiegel, Jazzredakteur bei BR Klassik und treuer Festivalbesucher, liegt die Aufbereitung der Mitschnitte aus Burghausen besonders am Herzen: „Für uns als Programm-Macher ist es eine großartige Sache, dass jetzt Aufnahmen aus einigen der frühen und mittleren Jahrgänge des Festivals vollständig digitalisiert und inhaltlich erschlossen werden.“

170 Mitschnitte auf 270 Bändern

Auf 270 Bändern und DAT-Kassetten schlummern etwa 170 Konzertmitschnitte der frühen Jahre, die einst als „nichtsendefähiges Material“ – wie es in der Datenbank heißt – eingestuft wurden und darum zunächst von der bereits abgeschlossenen Digitalisierung des Audio-Hauptbestands ausgeschlossen waren. Bei allen Aufnahmen handelt es sich um Rohmaterial, d.h. für die Sendung nicht geschnitten.

Viele Konzerte brechen am Ende eines Bandes ab, setzen auf dem nächsten Band inmitten eines Titels wieder ein oder haben einen fünfminütigen Vorlauf, in dem die Gespräche einzelner Konzertbesucher zu hören sind. Auch die Metadaten befinden sich in einem ähnlich rohen Zustand. Einzelne Titel sind oft gar nicht vermerkt, in wenigen Fällen ist anhand der Datensätze nicht einmal erkennbar, welches Konzert sich in der Bandschachtel verbirgt.

Digitalisierungsprozess über mehrere Schritte

Für die Mitarbeitenden der BR-Musikdokumentation und des Archivs bedeutet das eine ganze Menge Arbeit. Zur Vorbereitung der Digitalisierung werden einige Bänder aufgelegt, um zu prüfen, ob der Inhalt auch der Beschriftung der Bandschachtel entspricht. Anschließend müssen die Datensätze grob angepasst werden, bevor das Band schließlich zur Digitalisierung auf den Teller gelangt. Den letzten Schliff bekommt das Audiofile dann durch den Tontechniker, wenn überflüssige Vorläufe oder abbrechende Titel herausgeschnitten werden.

Dokumentarische Nachbearbeitung erfordert teils aufwändige Recherchen

Erst wenn das fertige Audiofile vorliegt, beginnt der aufwändigste Teil: Wer hat am 22. März 1987 die Wackerhalle in Burghausen beschallt? Was stand an jenem Abend auf der Setlist? War es tatsächlich Kim Clarke, die bei Joe Henderson den Bass zupfte oder änderte sich die Besetzung kurzfristig? Fragen, die es mit tiefgreifenden Recherchen zu klären gilt. Oft sind die Ansagen auf der Bühne aufschlussreich, nicht immer sind die alten Musikmeldungen verfügbar und letztendlich ist das Ohr des Jazzkenners gefragt, der in bestimmten Akkordfolgen auch die bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Interpretation eines Jazzstandards erkennt. Hier wird in engem Kontakt mit Jazzredakteur Roland Spiegel gearbeitet – denn vier Ohren hören mehr als zwei.

BR-Jazzredakteur Roland Spiegel: „Damit können jetzt, kurz vor dem 50-jährigen Bestehen der Jazzwoche Burghausen, spannende Rückblicksendungen in der Jazztime auf BR-Klassik und der radioJazznacht auf Bayern 2 realisiert werden. Ich bin dem Team des Archivs außerordentlich dankbar für das Heben dieser musikalischen Schätze und freue mich schon darauf, eine ganze Reihe Sendungen daraus zu machen.“

Ausblick: Jedes Konzert und Einzeltitel soll für den BR-Hörfunk verfügbar sein

Bis März 2019, wenn die Jazzliebhaber bereits zum 50. Mal nach Burghausen pilgern, soll der Sonderbestand digitalisiert und jedes Konzert, jeder Einzeltitel recherchierbar und für die Hörfunkprogramme des Bayerischen Rundfunks einfach verfügbar sein. Geplant ist weiterhin, auch die Fernsehmitschnitte aus Burghausen genauer unter die Lupe zu nehmen und dokumentarisch nachzubearbeiten.


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