26.04.2020, 22:01 Uhr

Corona-Pandemie Domkapitular Ammer ruft auf, in der Krise den Blick zu schärfen – Gott betreibt kein „Human Distancing“

 Foto: Bistum Regensburg Foto: Bistum Regensburg

„Es ist der Herr und er ist da – für dich und für mich.“ Wie die Jünger bei der dritten Erscheinung des Herrn am See Genezareth erst wieder neu lernen, den Herrn zu erkennen, so gilt auch für uns: Mitten in der Krise kann der Herr erspürt und gefunden werden, denn er ist da.

Regensburg. Auch der dritte Sonntag in der Osterzeit wurde im Regensburger Dom ohne Öffentlichkeit gefeiert. Medial vermittelt konnten über Internet-Livestream und Fernsehübertragung auf TVA erneut Menschen im ganzen Bistum daran teilnehmen. Der Eucharistiefeier stand Domkapitular Johann Ammer vor. Wie seit Beginn der Corona-Livestreams aus dem Dom übersetzte auch dieses Mal wieder Pfarrer Christian Burkhardt den Gottesdienst simultan in Gebärdensprache.

Jesus im Unscheinbaren finden

„Die Begegnung mit den Mitmenschen, die fehlt mir – und ich bin mir sicher, ich spreche auch Ihnen aus dem Herzen.“ Mit dieser im Moment allgegenwärtigen Erfahrung begann Domkapitular Ammer seine Predigt. In Bezug auf das Tagesevangelium stellte der Domkapitular die Frage: „Können wir die Erfahrung der Jünger machen und mitten im frustrierenden Alltag Jesus begegnen?“ Johann Ammer lud dazu ein, im ganz normalen Alltag auf Spurensuche zu gehen. Auch bei einem Telefongespräch, im ganz schlichten Gebet oder wenn die Glocken läuten, kann jedem von uns der Herr begegnen. „Es sind in Zeiten des Social Distancing solche auf den ersten Blick unspektakulären Erlebnisse, die uns Gott begegnen lassen.“ Um Jesus auch im Unscheinbaren zu finden, ermutigte der Domkapitular, eine offene Haltung einzuüben und den Blick zu schärfen.

Ein neuer Blick auf die Krise

Gerade die Krise sei der richtige Augenblick, verstärkt auf das Unscheinbare, auf den ganz normalen Alltag zu blicken. „Es lohnt sich und tut uns gut, nach der Handschrift Gottes in all dem, was wir als Krise erleben, zu suchen,“ sagte der Domkapitular. Jede Krise habe mindestens zwei Seiten: die rein sachliche Seite und die Seite der persönlichen Betroffenheit. Die Beziehung mit Jesus helfe bei der Bewältigung der persönlichen Betroffenheit und eröffne einen neuen Blick auf das, was sich ereignet. Im Umgang mit der Krise könne die Betrachtung der Heiligen Schrift hilfreich sein. Die Bibel ermögliche einen „Blick von oben“. Dabei könne sie nicht die Krise selbst lösen, aber unseren Umgang mit ihr.

Kein „Human Distancing“ – Gott ist da!

Die Jünger, so bekräftigte Domkapitular Ammer, durften erfahren, wie nahe ihnen der Herr ist. Das gilt auch heute, auch in Zeiten von Corona: „Vertrauen wir darauf, ja seien wir uns gewiss, dass es bei unserem Herrn und Gott kein ‚Human Distancing‘ gibt, dass er uns auch in dieser Zeit um sich versammelt, auch wenn es jetzt nicht in der gewohnten und für uns so wichtigen Form geschehen kann.“


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