22.03.2020, 13:54 Uhr

Vierter Fastensonntag Bischof Voderholzer – „nützen wir die uns jetzt geschenkte Zeit und Muße für das Gebet“

 Foto: Jakob Schötz Foto: Jakob Schötz

Am vierten Fastensonntag zelebrierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Heilige Messe im Regensburger Dom St. Peter. Aufgrund der Corona-Epidemie konnte das Pontifikalamt nicht öffentlich gefeiert werden. Mit Bischof Voderholzer feierten lediglich die Mitglieder des Domkapitels.

Regensburg. Über einen Livestream im Internet und das regionale Privatfernsehen konnten sich die Gläubigen jedoch geistlich der Feier anschließen. Pfarrer Christian Burkhardt übersetzte während des Gottesdienstes alle Texte simultan in Gebärdensprache.

Opfer des Verzichts

Der Verzicht auf die leibhaftige Gemeinschaft sei für alle ein großes Opfer, betonte Bischof Voderholzer. Aus zahlreichen Telefongesprächen, wisse er, dass es vor allem den Pfarrern „fast das Herz zerreißt“, dass sie sich nicht mit ihren Schwestern und Brüdern aus den Pfarreien zur Sonntagsmesse versammeln dürfen. „Und mir geht es auch nicht anders“, gestand der Bischof. Wir müssten aber das Opfer des Verzichts auf die öffentliche Versammlung bringen, damit auf diese Weise ein Beitrag geleistet werde zur Verlangsamung der Ausbreitung des so genannten Corona-Virus, so Bischof Voderholzer in seiner Begrüßung.

Vergelt‘s Gott für Initiativen der Sorge füreinander

In seiner Predigt blickte Bischof Rudolf auf das Evangelium des Tages: Jesus sah einen Mann der von Geburt an blind war. Dieser Mann lärmte nicht, machte nicht auf sich aufmerksam. Jesus hätte ihn auch übersehen können. Doch sein Herz ist bei denen, die leiden, die gehandikapt sind. Damit schon einmal spräche dieses Evangelium ganz unmittelbar in die gegenwärtige Situation hinein, da wir stöhnten unter der Corona-Krise. Der Blick Jesu möchte auch sensibel machen für die Not um uns herum. Gerade auch die Not derer, die nicht laut auf sich aufmerksam machen könnten, so der Bischof. Es gäbe nicht nur die unmittelbar vom Corona-Virus betroffenen, diejenigen, die sich infiziert hätten oder diejenigen, die sich in aufopferungsvoller Arbeit ärztlich und pflegerisch um sie kümmerten. Auch gäbe es die mittelbar besonders betroffenen Menschen: zum Beispiel die Blinden, die von sich aus die empfohlene Einhaltung des eineinhalb Meter Abstands nicht ohne weiteres bestimmen könnten. Ebenso wie die auf andere Weise behinderten Menschen, alte, kranke Menschen, Menschen, deren Gedächtnis schwindet und die im nächsten Augenblick schon wieder vergessen haben, wenn man ihnen erklärt hat, warum auf einmal niemand zu Besuch kommen dürfe, erklärte Bischof Rudolf Voderholzer. Und weiter: „Ich danke von Herzen allen, die beruflich und ehrenamtlich dafür sorgen, dass niemand vergessen wird, dass in diesen schweren Zeiten, wo jeder schon genug damit zu tun hat, sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen, alle Regeln einzuhalten und sich nicht selbst anzustecken, dass da so viele Initiativen aufblühen der Sorge füreinander, das bewegt mich tief und ich sage einfach Vergelt‘s Gott dafür.

Zeit nutzen für die Intensivierung der Gottesbeziehung

Mit Blick auf die gegenwärtigen schwierigen Zeiten stellte Bischof Voderholzer die Frage: „Wofür möchte uns diese Prüfung die Augen öffnen? Können wir in dieser so scheinbar sinnlosen Krise, die so viel Leid und wirtschaftliche Not bringt, doch auch einen Sinn sehen? Wie können wir die Zeit, die Muße, die uns jetzt geschenkt ist, nützen?“ Die Situation, in der wir uns befänden, sei einzigartig. Noch nie habe es das gegeben, dass praktisch weltweit die Kirche daran gehindert werde öffentlich die Eucharistie zu feiern! Mit Blick auf die biblische Überlieferung erinnerte der Regensburger Oberhirte an das babylonische Exil, in das das Volk Israel im 6. Vorchristlichen Jahrhundert geführt wurde: Fern der Heimat, fern vom Tempel als dem Ort der Gottesverehrung. Eine Zeit tiefer Erschütterung, der Krise, aber auch des Nachdenkens. Im Nachhinein habe Israel, so Bischof Voderholzer, das Exil als eine Zeit der Läuterung verstanden. Im Zweiten Buch der Chronik stehe: „Das Land bekam seine Sabbate ersetzt“. „Nützen wir die uns jetzt geschenkte Zeit und Muße für das Gebet und die Intensivierung der Gottesbeziehung. Dafür steht der Sabbat!“, so der Appell des Bischofs.


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