04.02.2020, 14:28 Uhr

JVA Regensburg Pfarrer Kilian Saum ist neuer Gefängnisseelsorger

Susanne Hollnberger, Christian Gessenharter, Thomas Pinzer, Pfarrer Kilian Saum, Mario Kunz, Thomas Klier und Johann Kerscher. (Foto: Jakob Schötz)Susanne Hollnberger, Christian Gessenharter, Thomas Pinzer, Pfarrer Kilian Saum, Mario Kunz, Thomas Klier und Johann Kerscher. (Foto: Jakob Schötz)

Rund 40 Häftlinge kommen an diesem Sonntagmorgen, 2. Februar, in den kleinen Speisesaal der Justizvollzugsanstalt Regensburg, um die katholische Morgenmesse zu feiern. Bis die gesamte Sanierungsmaßnahme in der JVA abgeschlossen ist und die Hauskapelle wieder benutzt werden kann, muss improvisiert werden. Domkapitular Thomas Pinzer führte zu Beginn der Feier der Heiligen Messe den neuen Gefangenenseelsorger vor, der zum 1. Februar offiziell seine Tätigkeit angetreten hat: Pfarrer Kilian Saum, Benediktinermönch und Seelsorger in Parkstetten und Oberalteich bei Straubing.

REGENSBURG Er folgt damit Johann Kerscher nach. Der Pastoralreferent begleitete Häftlinge 35 Jahre seelsorglich und damit fast sein ganzes Berufsleben lang. Das hat Spuren hinterlassen: Justin (Name geändert) ist nicht das erste Mal hier und kennt den Seelsorger. „Er ist für mich wie ein Vater. Mein richtiger Vater lebt in den Staaten. Herr Kerscher ist ein ehrlicher Mensch. Er erwartet nichts. Der Seelsorger ist im Gefängnis eine wichtige Bezugsperson. Viele hier haben niemanden, aber er ist für sie da und hilft. Schade, dass er geht!“ Diese Lücke möchte nun Pfarrer Kilian Saum schließen: „Ich möchte den Menschen hier begegnen und zuhören. Nicht nur den Insassen, sondern auch den Angestellten. Der Dienst im Gefängnis ist ein ganz besonderer und eine große Herausforderung. Ich möchte wahrnehmen, was für die Menschen hier wichtig ist und was sie erlitten haben. Seelsorge richtig umgesetzt heißt für mich, an die Seelen der Menschen heranzugehen“, so der neue Gefängnisseelsorger.

Wie wichtig die Seelsorge in einer Justizvollzugsanstalt ist, weiß auch der Leiter der JVA Regensburg, Regierungsdirektor Christian Gessenharter. Selbstverständlich gebe es Sozialarbeiter, eine Psychologin und den allgemeinen Vollzugsdienst, der jederzeit ansprechbar sei. Trotzdem, so der Anstaltsleiter, spiele die Seelsorge eine wichtige Rolle: „Wenn Menschen in einer solchen Situation sind, in der sie nicht genau wissen, was nach der U-Haft auf sie zukommt, dann sind das besondere Umstände, die mit den Menschen auch in ihrem Inneren etwas machen. Dann ist es wichtig, dass die Seelsorger hier im Hause sind. Es gibt Dinge, die Menschen nur mit einem Seelsorger besprechen wollen“.

Derzeit leben 101 Männer und 29 Frauen in der JVA Regensburg. Die Belegungsfähigkeit schwankt wegen der laufenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Die Einrichtung ist auf rund 300 Haftplätze angelegt. 61 Prozent der Insassen befinden sich in Untersuchungshaft. 40 Prozent sind römisch-katholisch getauft, 13 Prozent evangelisch, 18 Prozent muslimisch und elf Prozent orthodox. Der Ausländeranteil beläuft sich auf 44 Prozent.

Mario Kunz, Vorsitzender der Konferenz der katholischen Gefängnisseelsorger Bayern und selbst Seelsorger in der JVA in Nürnberg, betont, dass die Basis für die Arbeit eines jeden Seelsorgers ist, sich auf die Gefangenen einzulassen, für sie da zu sein und jeden anzunehmen, egal was er getan hat. „Jeder bleibt Kind Gottes“, so Kunz. Wichtig sei aber auch, sich auf das System einzustellen. Innerhalb der Möglichkeiten, die die Justiz einräumt, müsse man den Menschen anbieten, was sie brauchen, was man ihnen geben kann – ein Stück Hoffnung, ein Stück Begleitung auf ihrem Weg. Der Glaube gibt Manchem Kraft in dieser schwierigen Situation, erklärt der Vorsitzende der katholischen Gefängnisseelsorger.


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