24.01.2020, 01:45 Uhr

Erhöhung der Sicherheit Südturm des Regensburger Doms wird eingerüstet

(Foto: Ursula Hildebrand)(Foto: Ursula Hildebrand)

Ab Montag, 27. Januar, wird ein Schutz- und Arbeitsgerüst an der Südwestecke des Regensburger Doms St. Peter durch das Staatliche Bauamt Regensburg aufgestellt. Eingehende Untersuchungen sowie die Erhöhung der Sicherheit am Südturm machen die bis zu 80 Meter hohe Gerüststellung erforderlich.

REGENSBURG Im Juli 2019 kam es bei einem schweren Sturm mit Windstärke 9 zu einem Absturz einer massiven Kreuzblume von der Fialturmspitze an der Südwestecke des Südturms in einer Höhe von 80 Metern. Die Kreuzblume ist vom Hängegerüst auf der Turmhelmgalerie aufgefangen worden. Unmittelbar nach dem Absturz der Kreuzblume hat die Staatliche Dombauhütte Regensburg das Hängegerüst über Ausleger durch ein Schutz- und Arbeitsgerüst als vorbeugende Sicherheitsmaßnahme erweitert. Nach eingehenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass nicht nur die im Steininneren verbauten Eisendübel mit ihrer korrosionsbedingten Materialerweiterung und damit verbundenen Rostsprengung die Ursache für den Absturz der Kreuzblume sind, sondern auch die außenliegenden, aber querschnittsschwächenden Verklammerungen an den gotischen Architekturelementen. Da die um 1907 verwendeten Eisendübel sowie die in 1910er und 1950er Jahren angebrachten Verklammerungen flächendeckend ab dem Oktogongeschoss in 55 Metern Höhe verbaut sind, stellt sich das Schadensbild großflächig für den gesamten Südturm dar. Die notwendige handnahe Untersuchung sämtlicher Bauteile wird aber erst durch ein das Hängegerüst ergänzendes Standgerüst möglich. Aus diesem Grund wird die Süd- und Westseite des Südturms komplett bis zum vorhandenen Hängegerüst hinauf eingerüstet. Generell dient dieses Gerüst vorrangig als Schutzgerüst, das als Arbeitsgerüst je nach Bearbeitungsbedarf ausgebaut werden kann. Die Aufbauzeit wird sich auf vier bis sechs Wochen belaufen.

Eine aufwändige Ablastung des rund 3.000 Quadratmeter großen Gerüsts mit 200 Tonnen Eigengewicht in den inhomogenen Boden um St. Peter ist notwendig. Diese Ablastung wird hinter der seit 2015 bestehenden Einhausung aufgebaut. Weitere dauerhafte Teilsperrungen des Domplatzes werden daher nicht notwendig. Durch mannigfache Rücksprünge und die Verjüngung des Turmverlaufs muss das Gerüst der Turmgeometrie folgen, was nicht durch serielle Konstruktionen, sondern nur durch Spezialgerüstbauteile zu erreichen ist. Neben einem Lastenaufzug wird ein Treppenturm über die gesamte Gerüsthöhe mit Zusatzabsturzsicherungen und Übergangspodesten mitaufgebaut.

Nach Fertigstellung des Gerüstes kann mit der eigentlichen Bearbeitung durch die Dombauhütte (handnahe Untersuchung, Abbau gefährdeter Bauteile, Rekonstruktion, Sanierung, Wiedereinbringung) begonnen werden. Die Bearbeitungszeit des Südturms mit seinen vier Geschossen (Sockelgeschoss, erstes Galeriegeschoss, zweites Galeriegeschoss, Oktogongeschoss) wird sich voraussichtlich auf mehrere Jahre erstrecken. Neben der komplexen Gerüststellung ist mit einer umfangreichen Logistik zu rechnen. Die Firmen können das Gerüstmaterial nicht am Domplatz lagern, sondern werden es über großflächige Zwischenlager, bei denen eine Vorsortierung möglich ist, für den zeitnahen Verbau anliefern. Nach Vorberechnungen sind circa 40 Lkw-Anfahrten nötig, um das zum Teil sehr sperrige Material anzuliefern.


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