01.11.2019, 14:14 Uhr

Glaube Wolfgangspredigt – Bischof Voderholzer nimmt Stellung zu aktuellen Fragen der Kirche

(Foto: Bistum Regensburg)(Foto: Bistum Regensburg)

Am Hochfest des Heiligen Wolfgang, Patron des Bistums Regensburg, feierte Bischof Rudolf Voderholzer am Donnerstag, 31. Oktober, ein Pontifikalamt in der Basilika Sankt Emmeram. In seiner schon traditionellen Wolfgangspredigt nahm er Stellung zu aktuellen Fragen der Kirche, die im Zusammenhang der Amazonas-Synode und des bevorstehenden Synodalen Prozesses in der Öffentlichkeit debattiert wurden.

REGENSBURG Wie geht das Christentum mit Formen der Frömmigkeit um, denen es in anderen Kulturen begegnet? Konkret bezog sich der Bischof dabei auf die Verehrung naturaler Fruchtbarkeit in Form der personifizierten Mutter Erde, der „Pacha-Mama“, die während der Amazonas-Synode für Irritationen sorgte. Dahinter stehe die Frage, was das Christentum denn an Neuem den Menschen anbiete. Die Antwort habe bereits Irenäus von Lyon im zweiten Jahrhundert gegeben: „Alle Neuheit hat Christus gebracht, indem er sich selbst brachte.“ In seiner Neuheit komme Christus den Fragen, der oft unausdrücklichen Sehnsucht aller Menschen und ihrer „natürlichen“ Religiosität entgegen, reinige sie zugleich, erhöhe sie und gebe ihnen die unüberbietbar göttliche Antwort. In Christus seien alle Religionen „aufgehoben“ in einem dreifachen Sinn: außer Kraft gesetzt, erhöht und bewahrt. Der heilige Bonifatius, Apostel der Deutschen, „hat die Donar-Eiche, den Kultbaum der germanischen Götterwelt, nicht umtanzt und nicht umarmt, sondern er hat sie gefällt und aus ihrem Holz ein Kreuz gezimmert und eine Petruskapelle gebaut.“ Allein schon mit Blick auf die Ökumene, sei es wichtig, heidnische Skulpturen nur nach geistig-geistlicher Umschmelzung in den Raum der Kirche zu tragen. Die Reformatoren hatten die katholische Kirche heftig kritisiert, heidnische Bräuche und Frömmigkeitsformen unkritisch übernommen zu haben.

Zur Forderung, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen

Bischof Voderholzer: „Jesus selbst wurde als „Eunuch“ beschimpft und verspottet (vgl. Mt. 19). Und doch ist gerade (die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen) Ausdruck der Neuheit Christi, lebendiges Glaubenszeugnis für den Anbruch des Gottesreiches, Ausdruck des Vertrauens auf die Kraft geistlicher Fruchtbarkeit, Zeichen der Hoffnung auf eine größere, alles Innerweltliche übersteigende Erfüllung.“ Bischof Rudolf rief allen jungen Männern zu, die sich in den priesterlichen Dienst gerufen sehen: „Lasst Euch nicht verwirren!“ Die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils stehe und sei gültig: Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen sei als die Lebensform Jesu und der Apostel dem Priesteramt in vielfacher Hinsicht angemessen. Sie sei ein Kriterium auch der Ernsthaftigkeit der Nachfolgebereitschaft und – gelebt in brüderlicher Kollegialität in der Gemeinschaft des Presbyteriums – eine vielfach bewährte Quelle geistlicher Fruchtbarkeit.

Bischof Rudolf: „Ich bin der festen Überzeugung: Wo die Sehnsucht nach der Eucharistie, Hunger nach der „geistlichen Speise“, nach dem „Brot vom Himmel“ wirklich groß ist, dort wird auch die Bereitschaft wachsen, dem Ruf in die Ganzhingabe im Priesteramt zu folgen – sei es in Amazonien, sei es in Mitteleuropa.“

Zur gleichen Würde von Mann und Frau und ihrer unterschiedlichen Sendung und Berufung

Zur Neuheit des Christlichen gehöre auch eine vertiefte Sicht der Einheit und Unterschiedenheit von Mann und Frau bei gleicher Würde und unterschiedlicher Sendung und Berufung.

Bischof Voderholzer: „So war es doch einigermaßen verwunderlich, in diesem Zusammenhang von einer namhaften kirchlichen Stimme in der Bild-Zeitung zu hören, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau einzig und allein in einem Y-Chromosom bestehe.“ Immerhin, so sei zu entgegnen, lasse Gott aus dem „kleinen Unterschied“ im genetischen Ursprung die Geschlechterdifferenz entstehen, die unser Menschsein zutiefst bestimme und präge. Gott habe auf der gegenseitigen Anziehung von Mann und Frau die Weitergabe des Lebens und damit nichts weniger als die Zukunft der Geschichte begründet. Bischof Voderholzer: „Sollte mit dem genannten biologistischen Argument das Argumentations-Niveau des bevorstehenden Synodalen Weges vorgezeichnet sein, dann sehe ich ehrlich gesagt wenig Sinn darin, dabei mitzumachen.“

Evangelisieren und Verkünden

Abschließend zitierte Bischof Voderholzer Papst Franziskus, der in seinem Brief an die Deutschen vom Juni dieses Jahres schrieb: „Pastorale Bekehrung ruft uns in Erinnerung, dass die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss, unter dem wir alle Schritte erkennen können, die wir als kirchliche Gemeinschaft gerufen sind in Gang zu setzen; Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche.“

Bischof Rudolf: „Das war das Programm der Apostel, das war das Programm des heiligen Bonifatius, des heiligen Wolfgang und all der vielen Glaubenszeuginnen und -zeugen bis herauf in unsere Tage. Und es ist auch das einzig sinnvolle und zielführende Programm für die Gegenwart und die Zukunft der Kirche. Heiliger Wolfgang, bitte für uns!“


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