29.07.2019, 23:43 Uhr

Europäische Identität Ausstellung zeigt Böhmisch-Bayerische Jakobswege in Santiago de Compostela

Pedro Álvarez Olañeta vom Forschungszentrum Spanien der Universität Regensburg, Joachim Rühl, Präsident der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft, María do Mar Lorenzo, Vizerektorin der Universität von Santiago, Projetkoordinator Gregor Tautz von der KEB im Landkreis Kelheim und Michael Neuberger von der KEB im Landkreis Cham. (Foto: Gregor Tautz)Pedro Álvarez Olañeta vom Forschungszentrum Spanien der Universität Regensburg, Joachim Rühl, Präsident der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft, María do Mar Lorenzo, Vizerektorin der Universität von Santiago, Projetkoordinator Gregor Tautz von der KEB im Landkreis Kelheim und Michael Neuberger von der KEB im Landkreis Cham. (Foto: Gregor Tautz)

Unter dem Motto „Jakobsweg und europäische Identität“ ist am Freitag, 17. Juli, in Santiago de Compostela zu Beginn der Festwoche zu Ehren des Heiligen eine Fotoausstellung zu Tschechischen und Ostbayerischen Jakobswegen von Prag und Pilsen nach Regensburg eröffnet worden.

REGENSBURG Im Renaissancesaal des Colexio Fonseca, der ältesten Universität Santiagos und in unmittelbarer Nähe zur Kathedrale, können Besucher bis 31. August 40 Fotos betrachten, die vor allem auf gemeinsamen Jakobswanderungen von Tschechen, Deutschen und Spaniern entstanden sind, die von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in Kooperation mit zahlreichen Partnern durchgeführt wurden. Bei der Eröffnung konnte María do Mar Lorenzo, die Vizerektorin der Universität von Santiago, die Organisatoren der Ausstellung und der gemeinsamen Wanderungen sowie zahlreicher transnationaler Projekte auf dem Tschechischen und Ostbayerischen Jakobsweg begrüßen: Pedro Álvarez Olañeta vom Forschungszentrum Spanien der Universität Regensburg, Joachim Rühl, den Präsidenten der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft, Michael Neuberger von der KEB im Landkreis Cham und Projektkoordinator Gregor Tautz von der KEB im Landkreis Kelheim.

Jakobsweg und europäische Identität

Vizerektorin María do Mar Lorenzo betonte den Internationalen Charakter der Universität von Santiago, der eng mit der Geschichte der Stadt verbunden sei. Der Jakobsweg habe immer für ein Europa ohne trennende Grenzen gestanden, was in der Ausstellung mit der tschechisch-deutschen Grenze und deren Überwindung eindrucksvoll gezeigt wird. Sie freue sich auch, dass mit dieser Ausstellung ein Teil des Jakobsweges gezeigt wird, der in Spanien sicher noch nicht sehr bekannt sei.

Pedro Álvarez Olañeta hob hervor, dass mit einer gemeinsamen Jakobs-Wanderung von Spaniern, Deutschen und Tschechen von Pilsen nach Regensburg im Jahr 2015 das Motto der Ausstellung, eindrucksvoll lebendig wurde. Er verwies auch auf die dazu erschienene dreisprachige Veröffentlichung mit dem Titel der Ausstellung. In Architektur, Gesprächen und zahlreichen Begegnungen der Pilger untereinander habe sich ein großes gemeinsames Erbe gezeigt. Seit vielen Jahren sei der Jakobsweg für das Forschungszentrum Spanien der Universität Regensburg und insbesondere sein Kulturfestival cinEScultura ein fester Bestandteil. Dabei sei eine enge Zusammenarbeit mit dem Jakobswegprojekt der KEB im Bistum Regensburg und der Fränkischen St.-Jakobus-Gesellschaft entstanden. „Mit der Ausstellung in Santiago de Compostela und insbesondere auch durch den prominenten Ausstellungsort kommt diese Zusammenarbeit zu einem neuen Höhepunkt“, freute er sich über das gelungene Projekt.

Gute Zusammenarbeit zwischen Bayern und Böhmen

Präsident Joachim Rühl von der Fränkischen St.-Jakobus-Gesellschaft blickte auf die jüngste Geschichte des Ostbayerischen und des Tschechischen Jakobsweges zurück. 2004 konnte der von Dr. Hans Kolbinger mit Unterstützung der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft markierte Ostbayerische Jakobsweg in Regensburg von den Bischöfen von Regensburg und Eichstätt eingeweiht werden. Schon zuvor hatte es lebendige Kontakte zur tschechischen Jakobsvereinigung „ultreia“ gegeben. Inzwischen sei auch der Weg von Prag bis zur Grenze in Všeruby/Eschlkam als Jakobsweg markiert und es gebe zahlreiche lebendige Pilgerkontakte zu den östlichen Nachbarn.

Europa ohne trennende Grenzen

Michael Neuberger, der mit der KEB im Landkreis Cham auch in enger Kooperation mit der auf dem Jakobsweg sehr aktiven Gemeinde Eschlkam Jakobswanderungen diesseits und jenseits der Grenze organisiert, begann mit der persönlichen Erinnerung. Er sei als Sohn eines Zollbeamten mit Blick auf die „Nato-Türme“ auf dem Hohen Bogen und die damals undurchdringliche und auch tödliche Grenze aufgewachsen. Heute als Jakobspilger in Tschechien oder zusammen mit den tschechischen Nachbarn unterwegs zu sein sei für ihn deshalb ein besonderes Erlebnis. Er erinnerte an Papst Johannes Paul II., der bei seinem ersten Besuch in Santiago noch vor der Grenzöffnung den Traum von einem Europa ohne trennende Grenzen auf der Basis einer gemeinsamen christlich geprägten Werteordnung gehabt habe. Die lange Trennung habe sicher auch Spuren und gegenseitige Fremdheit hinterlassen. Welche positive Wirkung der Jakobsweg dabei habe illustrierte er mit einem Zitat von Thomas Morus: „Es ist niemals ein Pilger nach Hause gekommen ohne ein Vorurteil weniger und eine Idee mehr zu haben.“

Gregor Tautz, der zweite Vorsitzende der KEB im Bistum Regensburg und einer der Fotografen dankte im Namen der KEB und des Bistums Vizerektorin María do Mar Lorenzo dafür in diesem besonderen Saal Gast sein zu dürfen: „Es ist uns eine Ehre, mit Bildern vom Jakobsweg aus unserer Heimat hier am Ziel aller Jakobspilger angekommen zu sein.“ Sein Dank galt auch den Fotografen Michael Jaumann, Thomas P. Widmann und Gerald Richter für die Überlassung der Fotos. Ein besonderer Dank ging an die Regensburger Firma „fokus digital“ für die perfekte Produktion der Bilder und Grafikerin Barbara Stefan für die Gestaltung von Banner und Flyer. Dass diese Ausstellung in Santiago de Compostela und anschließend noch an weiteren Orten ins Spanien möglich geworden ist, sei vor allem auch dem unermüdlichen Engagement von Pedro Álvarez Olañeta und cinEScultura zu verdanken.

Jakobswegausstellung kommt auch ins Bistum

Nach weiteren Stationen in Spanien kommt die Ausstellung im kommenden Jahr zurück ins Bistum. Insbesondere 2021, wenn das Jakobsfest auf einen Sonntag fällt und somit ein „Heiliges Jahr“ in Santiago de Compostela gefeiert wird, werden verschiedene regionale KEBs, die Ausstellung mit Veranstaltungsangeboten in Orte mit Jakobskirchen bringen. Dazu zählen zum Beispiels Straubing, Cham, Regensburg, Ensdorf, Schwandorf, Frontenhausen Kelheim oder Mitterteich. Auch Orte entlang des Ostbayerischen Jakobsweges können die Ausstellung buchen. Darüber hinaus sind Präsentationen zusammen mit Partnern in Tschechien angedacht, zum Beispiel in Prag und Klatovy.

Im Herbst wieder begleitete Tageswanderungen

Im Herbst bieten verschiedene KEBs, wieder begleitete Jakobswanderungen auf dem Ostbayerischen Jakobsweg an. Infos dazu gibt es im Internet unter www.keb-regensburg.de.


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