22.02.2019, 10:12 Uhr

Kirche „Ein schäbiges Verhalten“ – Bruderzwist im Deutschen Orden

Am Regensburger Ägidienplatz betreibt der Deutsche Orden ein Altersheim. Foto: ceAm Regensburger Ägidienplatz betreibt der Deutsche Orden ein Altersheim. Foto: ce

Ein Streit über ein an den Deutschen Orden gespendetes Haus beschäftigte nicht nur die Gerichte. Die Vorgänge in Regensburg beschäftigen zwischenzeitlich sogar den Hochmeister des Ordens in Wien.

REGENSBURG Der Deutsche Orden sollte einst Jerusalem „befreien“, herrschte einst auf dem Baltikum über einen eigenen Staat: Heute betreibt der Orden Altenheime, auch in Regensburg. Dort ist nun Streit ausgebrochen. Die „Confratres“, denen auch weltliche Mitglieder angehören, sprechen von „schäbigem Verhalten.“

Persönlich und vertraulich wandte sich im Januar 2019 der Unternehmer Karlheinz Götz an den Generalabt des Ordens, Frank Bayard in Wien. Der Hochmeister sollte von Vorgängen Kenntnis erhalten, die Götz, selbst Familiare des Deutschordens, offenbar erzürnen: Seine „Confratres“ in Regensburg möchte er so eigentlich gar nicht mehr nennen. „Schäbiges Verhalten“ nennt Götz in seinem Brief den Vorgang rund um ein Haus, das dem lange von ihm geleiteten Verein „Deutschordenshaus Regensburg“ vermacht wurde. Denn das Haus wurde verkauft – gegen den Willen der Spenderin.

Die ist hoch angesehene Akademikerin in Regensburg und hatte 2012 ihr Elternhaus in einer bayerischen Ferienregion an den Deutschorden vermacht. Einzige Bedingung: Vier Wochen lang sollte das Haus als Ferienwohnung Mitarbeitern und Schwestern des Deutschordens zur Verfügung stehen.

Doch die Nachfolger von Götz verkauften es. Seither hängt der Haussegen schief im Orden.

Die Akademikerin klagte sogar. In erster Instanz verlor sie, in zweiter Instanz einigte man sich außergerichtlich.

Die Klägerin will heute nichts mehr von ihrem Elternhaus und der Sache wissen – sie schweigt. Doch Götz hat dem Hochmeister noch ganz andere Dinge geschrieben. Angeblich gebe es Überlegungen, die Klausur zu schließen, in denen polnische Schwestern lebten. „Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass die erst später aufgestockte Klausur nur unter großen Anstrengungen und aufgrund der Kontakte zu den zuständigen Ämtern der Stadt Regensburg durchzusetzen war“, schreibt Götz nach Wien. Und mehr noch: Leitende Mitarbeiter würden hinausgeekelt. „Sie sehen, es ist nicht alles Gold, was glänzt“, fasst Götz für den Großmeister zusammen.

„Das sind nur Versuche, Unruhe zu stiften“

Götz‘ Confratre Johannes Reuß indes verteidigt den Verkauf des Hauses. Zum einen habe die Spenderin eine Quittung über 141.500 Euro erhalten. Zum anderen sei das Betreiben eines Ferienhauses nicht im Satzungszweck des Vereins vorgesehen. „das übertragene Haus befand sich bei Übernahme in einem äußerst desolaten Zustand. Es musste entrümpelt und komplett saniert werden“, so Reuß. „Herr Götz muss sich dieses Umstandes bewusst sein, da die Entrümpelung von einer seiner Zweigniederlassungen in Regen durchgeführt worden ist.“ Zudem besuchten die Schwestern des Deutschordens im Urlaub ihre Familien zuhause in Polen oder ihr Mutterhaus. „Ferienwohnungen mit Gemeinschaftsbad, Gemeinschaftstoiletten und Gemeinschaftsküche sind nicht vermittelbar“, so Reuß weiter.

Zu den Personal-Fluktuationen im Altersheim äußert sich Reuß so: „Dass es in Unternehmen eine Personalfluktuation gibt ist systemimmanent und arbeitsmarktabhängig. Dies gilt bekannterweise zurzeit in der Altenfürsorge in besonderer Weise.“ Fachkräfte seien knapp, Kündigungen aber müsse man hinnehmen. . Sachlich unverständlich ist allerdings, dass Mitarbeiter, die aus freiem Willen ihr Arbeitsverhältnis kündigen, längst nicht mehr zuständige Personen über diese internen Angelegenheiten in Kenntnis setzen und versuchen über diese Unruhe zu stiften“, so Reuß weiter. Zudem könne er versichern, „dass unsere Altenheime mit den erforderlichen Leitungs- und Fachkräften besetzt sind und zu unseren Ordensschwestern ein vertrauensvolles Verhältnis besteht. Sie können sich gerne davon überzeugen, dass diese nach wie vor in der eigens für sie errichteten Klausur untergebracht sind.“