18.02.2019, 06:38 Uhr

Kirche Kardinal Müller hält Homosexualität für „nicht gottgewollt“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Foto: EcklKardinal Gerhard Ludwig Müller. Foto: Eckl

Der frühere Regensburger Bischof und Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Kardinal Müller, hat in Frage gestellt, dass Menschen homosexuell geboren werden. Dem Magazin Der Spiegel sagte Müller im Hinblick auf die Studie der Deutschen Bischofskonferenz über sexuellen Missbrauch in der Kirche: „Wer sich nicht beherrschen kann, ist für das Priesteramt nicht geeignet. Schönreden nützt da nichts. Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird.“

REGENSBURG/ROM In der Tat war die Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zahl an homosexuell orientierter Täter in der Kirche vergleichsweise hoch ist. So seien 19,1 Prozent der Täter als Homosexuelle zu identifizieren, wohingegen die Zahl etwa bei Missbräuchen in der Schule bei 6,4 Prozent liege. Doch anders als Müller haben die Studienleiter nicht die Überzeugung gewonnen, dass die Homosexualität etwa jedes fünften Täters für Missbräuche in der Kirche verantwortlich seien. Zwar sei eine hohe Zahl der Opfer männlich. Doch die Studienmacher erläutern, dass zu den Ursachen unter anderem „die vielfältigen und erhöhten Kontaktmöglichkeiten von Klerikern zu männlichen Kindern oder Jugendlichen zählen“. Die Studie geht zurück in eine Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, als „nur männliche Jugendliche als Ministranten zugelassen“ gewesen seien. „Auch in katholischen Internaten oder Heimen überwog in der Vergangenheit die Aufnahme männlicher Jugendlicher“, so die Studienmacher weiter.

Doch auch die Studie räumt ein: „Dies allein kann jedoch das deutliche Überwiegen männlicher Betroffener nicht erklären.“ Vielmehr kommen sie zu dem Schuss, dass „ambivalente Aussagen und Haltungen der katholischen Sexualmoral zur Homosexualität und die Bedeutung des Zölibats zu diskutieren“ sei. Die Verpflichtung zu einem zölibatären Leben könne Priesteramtskandidaten „mit einer unreifen und abgewehrten homosexuellen Neigung als Lösung innerpsychischer Probleme erscheinen, die zusätzlich die Aussicht auf ein enges Zusammenleben ausschließlich mit Männern zumindest während der Priesterausbildung mit sich bringt.“

Müller indes macht homosexuelle Priester für eine erhebliche Zahl der Missbräuche verantwortlich. „Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher bis zu 18 Jahren waren junge Männer im pubertären oder nachpubertären Alter.“

Müller hat sich auch kürzlich in Rom während einer Buchvorstellung so geäußert, dass er Homosexualität für ein Konstrukt hält statt für eine angeborene Eigenschaft. Er war Festredner bei einer Veranstaltung zum Buch von David Mattson, einem Homosexuellen, dessen Buch den Titel „Why I don’t call myself Gay“ trägt, also warum er sich nicht schwul nenne. Müller lobte die Thesen Mattsons und sagte, Homophobie, also die systematische Ablehnung von Homosexuellen, sei „ein provokativer Begriff, der verwendet wird, um jede Alternative zu der Ideologie von Schwulen- oder Geschlechterbewegungen zu diskreditieren“. Diejenigen, „die unter Problemen der sexuellen Desorientierung leiden, sich jedoch dieser Bewegung nicht anschließen, werden sofort als Verräter gebrandmarkt“, sagte Müller.

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