27.11.2018, 08:56 Uhr

PNP-Interview Kardinal Müller greift Papst Franziskus für Personalentscheidungen an

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Vatikan. Foto: ce (Foto: ce)Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Vatikan. Foto: ce (Foto: ce)

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, hat Papst Franziskus wegen der Rehabilitierung eines Hochschulrektors wegen dessen Aussagen zur Homosexualität kritisiert. Zudem sprach er in der Passauer Neuen Presse vom Einfluss einer angeblichen Homosexuellen-Lobby im Vatikan.

REGENSBURG Der frühere Glaubenspräfekt und Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat im Interview mit der Passauer Neuen Presse (Ausgabe vom Dienstag) Papst Franziskus scharf für seine Rehabilitierung des Hochschulrektors Ansgar Wucherpfennig kritisiert. Wucherpfennig hat liberale Einstellungen der Kirche zum Thema Homosexualität gefordert, zunächst hatte man ihm die Lehrerlaubnis entzogen. Müller sagte der PNP wörtlich: „Die Position dieses Mannes zur Homosexualität widerspricht dem Wort Gottes in der Heiligen Schrift und ist im Kontext der verbindlichen Glaubens- und Sittenlehre der Kirche als häretisch zu qualifizieren“, so Müller. Und weiter: „Sie liegt aber im Mainstream der ,LGBT-Agenda‘ von sich selbst so nennenden Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern, die ich selbst so nie bezeichnen würde, und findet in einer verweltlichten Kirche ihre Anhänger. Mit faulen Kompromissen untergräbt das Lehramt nur seine von Christus gegebene Autorität. Der Beifall von vermeintlich progressistischer Seite macht diesen Verfall der Autorität nicht wett und hält nur solange an, wie die Verantwortlichen sich zeitgeistkonform verhalten.“

Müller kritisierte zudem Gespräche mit dem Papst scharf, die anschließend dazu führten, dass die Prozeduren im Vatikan übergangen würden – der frühere Glaubenspräfekt kritisierte damit auch, dass die von ihm bis vor kurzem geleitete Glaubenskongregation ausgehebelt werden würde: „Es ist eine Schwachstelle in der Wahrnehmung des päpstlichen Primates, wenn die festgelegten Prozeduren der Prüfung und Entscheidungsfindung, hier in der Glaubenskongregation, übersprungen werden und anstatt dessen Privatgespräche mit dem Papst en passant den Ausschlag geben“, so der Kardinal. So setze der Kommunionempfang „die volle Gliedschaft mit der katholischen Kirche voraus, und doch hat man sich, um die Interkommunion zu fördern, einen Zettel mit theologisch verwaschenen Thesen vom Papst signieren lassen, die der katholischen Glaubenslehre und der klaren Weisung der Glaubenskongregation widersprechen und zum großen Schaden der Kirche in eine chaotische Praxis führen.“

Müller bekräftigte gegenüber der Passauer Neuen Presse erneut, dass es Homosexuelle in den Reihen der Kirche seien, die auch den Missbrauchskandal mit verursacht hätten: „Es ist Tatsache, dass etwas über 80 Prozent der Opfer des Missbrauchs Jugendliche männlichen Geschlechts nach der Pubertät sind, so dass auf die Art der sexuellen Unordnung bei diesen Klerikern zu schließen ist.“ Gleichzeitig wies er aber auch jene in die Schranken, die nun Homosexualität für Missbrauch verantwortlich machen würden: „Daraus folgt nicht, dass jeder, der homosexuell aktiv ist, sich möglicherweise an unter 18-jährigen Jungen vergreifen muss, oder dass man deswegen auf einen hohen Anteil homosexuell empfindender Priester schließen könnte. Der Fehlschluss besteht immer in der Hochrechnung der Taten von Individuen zu der Berufs- oder Menschengruppe, der sie angehören“, sagte Müller weiter. „Auch ist es nicht akzeptabel, dass der Missbrauch von jungen Männern über 18 Jahren durch Kleriker im Hinblick auf die weltliche Gesetzgebung in der Kirche relativiert wird. Das Menschenbild der LGBT-Verbände kann für uns nicht maßgebend sein. Es könnte nur mit Gewalt der ganzen Gesellschaft aufgedrängt werden bei der Zerstörung der Religions- und Gewissensfreiheit. Dem widersprechen wir, auch wenn die Strafe sozialer Ächtung und wüster medialer Beschimpfung droht.“ Müller indes entwirft das katholische Weltbild als festgefahrenes Bild, dass allein die Ehe von Mann und Frau legitimiere: „Der christlichen Auffassung nach hat Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen und der ausgeübten Sexualität den Raum der Ehe zugewiesen.“