11.04.2018, 16:14 Uhr

Gruppenzahl begrenzt Die Katholische Kirche ist auch in Regensburg auf dem Rückzug – diesmal aus dem Kindergarten

Der Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer. Foto: Moosburger (Foto: Uwe Moosburger)Der Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer. Foto: Moosburger (Foto: Uwe Moosburger)

Weil das Personal an allen Ecken und Enden fehlt und weil Pfarrer Mangelware sind, hat das Bistum Regensburg die Zahl der Kindergartengruppen beschränkt. Das wiederum alarmiert zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis, aber auch in der Stadt suchte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer bereits das Gespräch mit Bischof Rudolf.

REGENSBURG Landauf, landab wird diskutiert, ob der Brandbrief des Regensburger Bischofs und sechs seiner Amtskollegen an den Vatikan richtig oder falsch war. Die sieben Hirten finden das Votum einer Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz falsch, dass in Ehen mit Katholiken lebende Protestanten zur Kommunion zugelassen werden könnten. Viele Katholiken verstehen die Haltung der konservativen Bischöfe nicht – dabei hat die Kirche derzeit ein ganz anderes Problem. Und das geht viel tiefer in das, was gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmacht – und einen nie da gewesenen Rückzug der katholischen Kirche bedeuten könnte.

Bereits seit 2016 gilt eine bischöfliche Anweisung, wonach Pfarreien nur noch eine bestimmte Zahl an Kindergartengruppen betreiben dürfen. Der faktische Personalmangel, die Zusammenlegungen von Pfarreien und die Tatsache, dass die Kirche zwar Geld und Einfluss, aber immer seltener Personal findet, bringt immer mehr Kommunen in Stadt und Landkreis Regensburg in Bedrängnis.

Alarmiert ist auch die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Die Bürgermeisterin war zwischenzeitlich beim Bischof. „Die Stadt Regensburg befürchtet, dass das Bistum sein Engagement im Bereich der Versorgung mit Kindertageseinrichtungen teilweise reduzieren wird“, heißt es von Seiten der Stadt. Mehrere Treffen zwischen Vertretern der Stadt und der Diözese haben zu dem Thema zwischenzeitlich stattgefunden. Bei einem ersten Treffen zwischen Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Generalvikar Michael Fuchs „wurde vereinbart, eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern der Stadt und der Diözese ins Leben zu rufen, um Lösungsvorschläge zu diskutieren“, so eine Stadtsprecherin. Aktuell werden Vorschläge gemeinsam und in sehr konstruktiver Atmosphäre erarbeitet. „Anschließend werden sie der Bürgermeisterin und dem Bischof zur Entscheidung vorgelegt“, heißt es weiter.

„Immer weniger Getaufte in den Kindergärten“

Offenbar sind auch Bürgermeister aus dem Landkreis beunruhigt. Und auch einigen Pfarrern stößt die Begrenzung der Kirche sauer auf. Denn der Andrang an kirchlichen Kindergärten ist im Landkreis nach wie vor hoch. Die Begrenzung, die der Bischof über seinen Generalvikar verkünden ließ, wirkt wie ein Korsett in Gemeinden, in denen junge Familien dringend einen Kindertagesstätten-Platz suchen. Das Bistum hat in den Baurichtlinien festgeschrieben, dass für eine Pfarrei in der Regel vier Gruppen ausreichen müssen. Verwaltet der Pfarrer zwei Pfarreien, dürfen es höchstens sechs und bei drei Pfarreien höchstens acht Gruppen sein.

„Man hat den Eindruck, die Kirche sagt: Wenn immer weniger getaufte Kinder in die Kindergärten gehen, müssen wir schauen, wenigstens die Kosten im Rahmen zu halten“, sagt ein ranghoher Landkreis-Politiker unserer Zeitung. Ist all dies ein Rückzug aus der Welt, wie sie einst Papst Benedikt XVI. gefordert hatte? „Keinesfalls“, sagt demgegenüber Clemens Neck, Sprecher des Bischofs. Er verweist darauf, dass mehr als 400 Kindertagesstätten im ganzen Bistum in kirchlicher Trägerschaft sind. Allein im Bistum Regensburg gehen 1.517 Kinder in 23 Einrichtungen in der Stadt und knapp 3.500 Kinder in 77 Einrichtungen im Landkreis in eine katholische Kindertagesstätte. Doch gerade dort, wo Gemeinden stark wachsen, ist die Einschränkung brandgefährlich: „In vielen Pfarreien müssen Einrichtungen erweitert werden“, so Neck. „Neue Gruppen entstehen, weil junge Familien zuziehen oder weil der Betreuungsbedarf steigt“, so Neck. „Das bedeutet für Pfarreien, ihre Kräfte richtig einzuschätzen.“

Es sind auch Ausnahmen möglich, in der Satzung des Bistums hat man das auch klar reingeschrieben. „Steht in einer Kommune – bei anerkanntem Bedarf – kein anderer Träger als die Katholische Kirchenstiftung zur Verfügung, ist es möglich, eine zusätzliche Gruppe über den Regelfall hinaus zu etablieren.“ Dann wären es je Pfarrei fünf Gruppen. Aber dann ist wirklich Schluss.