28.12.2017, 09:05 Uhr

Kirche Papst Benedikt lobt Müller zum 70. Geburtstag – „ein Kardinal ist nie im Ruhestand“

Gerhard Ludwig Müller 2006 als Bischof von Regensburg mit Papst Benedikt. Foto: StaudingerGerhard Ludwig Müller 2006 als Bischof von Regensburg mit Papst Benedikt. Foto: Staudinger

Der frühere Bischof von Regensburg wird an Silvester 70. Papst Benedikt hat ihm dazu ein Grußwort geschrieben, das auch die Frage aufkommen lässt: Wie steht es mit der Kirche unter Franziskus wirklich?

REGENSBURG/ROM Der frühere Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Kardinal Müller, ist ein Silvesterkind. Am 31. Dezember 1947 erblickte Müller in Mainz-Finthen als Sohn eines Opel-Arbeiters das Licht der Welt. Jetzt feiert der Kardinal seinen 70. Geburtstag – und bekommt von seinem Förderer, dem emeritierten Papst Benedikt XVI., viel Lob, das kirchenpolitischer Sprengstoff ist.

In einer Festschrift anlässlich des Jubiläums hat Benedikt ein Grußwort an den Kardinal geschrieben. Der emeritierte Papst hatte Müller nach zehn Jahren im Amt des Regensburger Bischofs (2002 bis 2012) zum Präfekten der Glaubenskongregation gemacht. Müller folgte also in ein Amt, das Benedikt als Kardinal Joseph Ratzinger selbst viele Jahre unter Papst Johannes Paul II. innehatte – in das Amt des Glaubenshüters, der Kongregation für die Glaubenslehre, einst Heilige Inquisition genannt.

Doch ausgerechnet Benedikts Nachfolger, Papst Franziskus, hatte Müller nach fünf Jahren im Amt Mitte 2017 abberufen.

Seither wird spekuliert, welche Rolle Müller weiter haben kann in der Amtskirche. Er sagte selbst, der Platz für einen Kurienkardinal ist und bleibt Rom. Dort lebt Müller in der Wohnung, die einst Joseph Ratzinger als Glaubenspräfekt bewohnt hatte. Als Kardinal werde Müller, so Benedikt im Grußwort, auch weiterhin „öffentlich dem Glauben dienen.“ Zwar habe Müller „kein bestimmtes Amt mehr inne, aber ein Priester und erst recht ein Bischof und Kardinal ist nie einfach im Ruhestand“, so Benedikt.

„Nicht Details, sondern die Einfachheit erklärt“

Der emeritierte Papst versucht in seinem Grußwort, den Brückenschlag zu seinem eigenen Nachfolger auf dem Stuhl Petris zu schaffen: „Du hast die klaren Überlieferungen des Glaubens verteidigt, aber im Sinn von Papst Franziskus ein Verstehen dafür gesucht, wie sie heute gelebt werden können“, schrieb er Müller ins Stammbuch. Zudem attestierte Benedikt Müller, dass er sich eben nicht an Details aufhänge, sondern als Theologe das Große, Ganze einfach vermitteln will: „Ein großer Theologe wird man meiner Meinung nach nicht dadurch, dass man gescheite und schwierige Details behandeln kann, sondern dadurch dass man imstande ist, die letzte Einheit und Einfachheit des Glaubens darzustellen.“

In der Kirche rätselt man derweil, welche Rolle Müller einnehmen könnte. Papst Franziskus hatte in seiner Weihnachtsansprache diesmal nicht die Gegner seiner Reformen ins Visier genommen, sondern jene, die er eigentlich als Mitstreiter in Amt und Würden gebracht hat. Eine Kurienreform durchzuführen sei in etwas so, „wie die Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen“, so der Pontifex.

Das Tischtuch zwischen Müller und Franziskus war gerissen, als Franziskus drei hochkarätige Theologen aus der Glaubenskongregation kündigte. Sie sollen sich abfällig über Franziskus theologische Kompetenzen geäußert haben. Als Müller das Gespräch suchte und Franziskus fragen wollte, wie die Vorwürfe lauten, soll Franziskus laut geworden sein und ihm „ich bin der Papst“ entgegnet haben. Vatikan-Insider weisen auf den kulturellen Unterschied zwischen Müller und Franziskus hin: „Müller hatte wohl das deutsche Arbeitsrecht im Hinterkopf“, sagt ein Vatikan-Insider dem Wochenblatt. „Aber was interessiert einen Argentinier das deutsche Arbeitsrecht?“


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