06.12.2017, 09:15 Uhr

Kurios Der Heilige Nikolaus rettete junge Mädchen vor der Prostitution

So sieht ein klassischer Heiliger Nikolaus aus. Foto: BögleSo sieht ein klassischer Heiliger Nikolaus aus. Foto: Bögle

Am 6. Dezember wird der heilige Nikolaus gefeiert – was hat es mit dem Fest auf sich? Der Bischof von Myra hat drei Mädchen von der Prostitution bewahrt.

REGENSBURG Das Christentum kennt viele Heilige. Darunter versteht die Kirche ausgezeichnete Menschen, die ein besonders frommes Leben führten, eine intensive Beziehung zu Gott hatten und dadurch Vorbilder für alle Gläubigen sein können. Einige Heilige sind beinahe vollkommen unbekannt, andere dagegen kennt jedes Kind. Zu ihnen gehört der heilige Nikolaus, der von Christen in aller Welt besonders verehrt wird.

Um Nikolaus ranken sich viele Legenden, historisch gesicherte Erkenntnisse aber gibt es wenige. Sicher ist wohl nur, dass er im vierten Jahrhundert Bischof in der Stadt Myra war. Myra liegt in der heutigen Türkei. Auf die vielen Erzählungen um den heiligen Mann geht ein großer Teil des heutigen Brauchtums zurück. Nikolaus wird in diesen Legenden oft als Retter in ausweglosen Situationen dargestellt. Einmal etwa seien drei Studenten auf der Reise von ihrem Gastwirt umgebracht worden. Nach ihrem Tod zerstückelte der Wirt die Leichen und pökelte sie in einem Salzfass. Nikolaus erfuhr auf wundersame Weise von diesem Mord und erweckte die toten Studenten wieder zum Leben.

Ähnlich hilfreich zeigte sich Nikolaus auch in einem Familiendrama: Ein armer Vater wollte seine drei Töchter verheiraten. Die übliche Mitgift konnte er nicht bezahlen, selbst aber konnte er auch nicht für die Versorgung der Mädchen aufkommen. Daher wollte der Mann seine Töchter zu Prostituierten machen. So hätten sie wenigstens überleben können. Nikolaus aber wollte das nicht hinnehmen. In drei aufeinanderfolgenden Nächten warf er, so die Legende, je einen großen Goldklumpen in das Haus der Familie. Die drohende Not war abgewendet, die Mädchen mussten sich nicht prostituieren.

Der Heilige Nikolaus verhinderte Prostitution

Wohl aufgrund dieser Legende gilt Nikolaus bis heute als Geschenkebringer, in vielen Regionen bringt er neben anderen Süßigkeiten auch Äpfel, die an die goldenen Klumpen erinnern sollen. Das Nikolausfest war lange so populär, dass die eigentliche Bescherung nicht am Heiligen Abend stattfand, sondern am Nikolausfest. Als im Zuge der Reformation unter Martin Luther die Heiligenverehrung abgeschwächt wurde, musste diese Bescherung auf das Weihnachtsfest verschoben werden. Der Geschenkebringer war dann nicht mehr Nikolaus, sondern das Christkind – der kleine, neugeborene Jesus also.

Wo man am Nikolaustag noch heute Geschenke bekommt, befragt der heilige Bischof meist die Kinder, ob sie im vergangenen Jahr brav gewesen seien. Das hat seinen Grund. Die katholische Kirche sieht für jeden Tag bestimmte Texte aus der Bibel vor, die in allen Gottesdiensten weltweit gelesen werden sollen. Für den Nikolaustag war das die Erzählung von einem Herrn und seinen Dienern (Matthäusevangelium 25,14-30). Der Hausherr verreist. Einem Diener gibt er fünf Geldstücke, einem anderen zwei, einem letzten nur ein Geldstück. Alle können mit dem Geld wirtschaften, jeder kann nach der Rückkehr des Herrn mehr Geld zurückgeben, als ihm anvertraut worden war. Nur der letzte Diener nicht: Er hatte Angst, das eine Geldstück zu verlieren. Kurzerhand vergrub er es und konnte folglich dem Herrn nur das wiedergeben, was er bekommen hatte – dafür bestraft ihn der Herr. Bis heute hat sich ausgehend von dieser Erzählung die Redewendung gehalten, man solle seine „Talente“ – eine Bezeichnung für antike Geldstücke – nicht vergraben. Im Kern geht es hier um die guten Eigenschaften des Menschen: Man soll seine Talente nicht verstecken und vergraben, sondern versuchen, das Gute zu mehren. Eine Geschichte, die gut zu Nikolaus passt.

In jüngerer Zeit werden Nikolaus und Christkind von einer weiteren Persönlichkeit verdrängt: dem Weihnachtsmann. Dessen ursprünglicher Name – Santa Claus – zeigt, woher diese Erfindung stammt: vom heiligen Nikolaus. Dabei werden aber unterschiedliche Gedanken miteinander vermischt. Nikolaus bringt Geschenke am 6. Dezember, das Christkind an Weihnachten. Santa Claus verlegt das Wirken von Nikolaus auf den Weihnachtstag und lässt das Christkind verschwinden. Auch wenn über den heiligen Nikolaus also kaum etwas gesichert bekannt ist – ein schönes Fest ist es allemal.


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