02.12.2017, 14:21 Uhr

Kirche Der Kardinal, die Päpste und seine alte und neue Heimat Regensburg


Gerhard Ludwig wirkt angekommen, trotz Entlassung durch den Papst. Jetzt war er in seiner alten und neuen Heimat Regensburg zu Gast.

REGENSBURG Ein wenig liegt der Hauch von BR Alpha im Raum, als Professor Helmut Hopping seine Analyse beginnt. Der Raum im Priesterseminar ist brechend voll, viele Priester und Ordensschwestern sind gekommen. Eine Nonne macht eifrig Notizen. Natürlich, Albert Schmid ist da, der frühere oberste bayerische Laie. Ein Freund ist er von dem Autor, um den sich alles dreht: Gerhard Ludwig Kardinal Müller.

Der hat ein sehr persönliches Buch geschrieben, das viele in und außerhalb der Kirche aufhorchen ließ: „Der Papst“.

Müller schrieb über die sieben Päpste seiner bisherigen Lebensspanne. Das ist spannend, weil einer, Benedikt XVI., ihn zum Glaubenspräfekten machte, während ihn der andere, Franziskus, entließ.

Der Kardinal wirkt ganz und gar nicht gebrochen

Umso mehr verwundert es, dass Müller ganz und gar nicht gebrochen wirkt. Und so wirft er kluge, aber wie immer zu lange Sätze in den Raum, in dem Kirchenmänner, weltliche und geistliche, sitzen. Caritas-Direktor Roland Batz, der qua Amt die Untiefen der normalsterblichen Probleme kennt, wird sie anders aufnehmen als Brauereidirektor Hermann Goß, dem Benedikt, aber auch Müller viele Türen im Vatikan für das Bischofshof-Bier öffnete. Die Schachtelsätze hüllt Müller in seinen liebenswerten pfälzer Dialekt, sodass sie nicht mehr so scharf sind wie einst, als er Bischof von Regensburg war.

Man spürt, die Kirchenkämpfe in seiner Zeit als Bischof, sie sind Vergangenheit. Müller wirkt darüber erleichtert. So, als wäre er heimgekommen. Das Bistum hat ihm eine Karte gemacht, darauf ist ein Bild, das zeigt Müller in Kardinalsrot, er lächelt. Gewürdigt werden gleich mehrere Jubiläen: Vor 40 Jahren wurde er zum Priester geweiht, das war kurz vor dem Drei-Päpste-Jahr. Am 31. Dezember wird er 70, zehn Jahre bleiben ihm noch, um einen neuen Papst zu wählen, sollte Franziskus sterben – oder, wie sein Vorgänger, zurücktreten. Dass Müller nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation ist, das scheint er verschmerzt zu haben. Nicht jedoch, dass im Vatikan der Kardinalstaatssekretär über dem höchsten Glaubenshüter steht. „Das ist ein ganz großer Fehler“, sagt Müller, ausnahmsweise kurz und prägnant. Indirekt spricht er sogar die Spenden-Affäre in Regensburg an. Müller, der ein enger Vertrauter Albert Schmids ist, der die Ermittlungen gegen Joachim Wolbergs politisch einordnet, sagt, die Gewaltenteilung in einer Demokratie sei elementar. „Aber auch die geteilten Gewalten können irren. Hier ist der Maßstab immer die Moral.“ Für die aber sei die Kirche zuständig, findet der Kardinal. Müller blüht auf, als viele sich sein Buch signieren lassen. Jetzt ist er Kardinal und Professor. Wer weiß, was kommt? Im Konklave entscheidet schließlich der Heilige Geist.


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