11.04.2018, 14:48 Uhr

„Weil Gott das wert ist“ Hubertus Kerscher auf dem Weg zum Priester


Im Juni erhält der jüngste Kleriker des Bistums Passau seine Priesterweihe

TIEFENBACH/NEUREICHENAU Fast sieben Jahre hat er sich auf diesen besonderen Tag vorbereitet, am 30. Juni ist es nun soweit: Hubertus Kerscher wird zum Priester geweiht. Der 25-Jährige ist glücklich, seinen Weg gefunden zu haben. Und er ist sich sicher, es ist der richtige für ihn.

Schon als Zwölfjähriger hat er mit dem Gedanken gespielt, einmal Priester zu werden. „Ich hatte immer mit der Kirche zu tun“, erinnert sich Hubertus Kerscher. Menschen zu helfen, das war schon immer sein Wunsch gewesen.

Als Ministrant und Verbandsleiter eines katholischen Jugendverbands hatte er zunehmend das Gefühl, er werde in der Pfarrei seines Heimatorts Haselbach in der Gemeinde Tiefenbach gebraucht. Viele Priester haben ihn inspiriert, aber auch viele Familien, die ihr Leben nach einem tieferen Sinn richten – dem Glauben an Gott. Diese glücklichen Menschen haben den Haselbacher fasziniert und für den Beruf begeistern können. Nach dem Abitur am Gymnasium Freudenhain fasste er den Entschluss, das Priesterseminar auszuprobieren.

„Der Glaube ist das, worauf ich vertrau“

„Natürlich habe ich auch überlegt, die Bäckerei zu übernehmen, aber das wäre einfach nicht meins“, erzählt Kerscher. „Gott sei Dank wollte meine Schwester Lena die Bäckerei übernehmen. Sie hat definitiv die Leidenschaft für diesen Beruf“, ist Hubertus Kerscher stolz auf seine Schwester.

Nach fast sieben Jahren Priesterseminar steht für den derzeit jüngsten Kleriker des Bistums Passau fest: „Der Glaube ist das, worauf ich vertrau, und was mir die Richtung vorgibt und Halt gibt. Es ist das, was mir Freude bereitet und was ich in der Gemeinschaft nach außen tragen will. Daran möchte ich mein Leben festmachen.“

In der Vorbereitung auf diese Aufgabe ging es zur Bibelschule für einen Monat nach Israel – dort, wo Jesus vor über 2000 Jahren Wunder vollbrachte. Eine unvergessliche Zeit für den Haselbacher, so wie auch sein Auslandsjahr in Sydney, Australien. Rom und die Vatikanstadt besuchte der junge Diakon bereits drei Mal – u. a. an seinem 25. Geburtstag am 26. Januar mit einem Studienfreund aus Sydney.

Während seines Theologiestudiums in Regensburg und im Priesterseminar hat Kerscher auch einige seiner besten Freunde kennengelernt. So versteht er sich gut mit seinen Kurskollegen Dr. Florian Haider, Michael Osterholzer und Simon Steinbauer, die mit ihm –„so Gott will“ – am 30. Juni im Passauer Dom zu Priestern geweiht werden. „Sie brennen genauso für die Sache und wenn ich mal ein Problem habe, kann ich bei ihnen auf ein Bier zum Ausschmatzen vorbeikommen.“ Dafür ist der Haselbacher sehr dankbar.

„Ich war auch mal verliebt“

Zunächst waren seine Eltern zwar enttäuscht über seine Berufswahl. Seine Mutter machte sich Sorgen, dass ihr Sohn keine eigenen Kinder haben werde. Auch seine Schwester war beunruhigt und fragte ihn, ob er damit glücklich werden könnte. Seine Freunde reagierten damals ebenfalls irritiert und meinten, die Institution Kirche hätte keine Zukunft. Auch das Zölibat war natürlich ein großes Thema. Da fragten sich viele, wieso er diesen Weg wählen möchte. Für Hubertus Kerscher war die Antwort darauf ganz klar: „Weil Gott das wert ist“.

„Ich war auch mal verliebt“, gesteht der 25-Jährige. Eine feste Freundin gab es aber nicht in seinem Leben. Im Dezember letzten Jahres legte Kerscher bei seiner Diakonenweihe das Versprechen ab. Für ihn ist der Zölibat nicht zuerst ein Verzicht, „es geht um eine erfüllende Beziehung zum dreifaltigen Gott. Ein Priester ist eben nicht einfach ein Single oder Junggeselle. In seinem Leben als Kleriker will Kerscher, dass die Liebe Gottes durchscheinen kann. Nach vielen Gesprächen konnten auch die Familie und Freunde seine Entscheidung besser verstehen.

Taufzeremonie mit Babyborn-Puppe geübt

Derzeit ist Hubertus Kerscher im Pfarrverband Altreichenau/Neureichenau und wird von Pfarrer Christian Thiel in das Priesterleben eingeführt. Mit seinem Chef verstehe er sich gut, sagt Kerscher, weil er ihm immer wieder die Chance gibt, sich auszuprobieren und ihm dabei vertraue. Er macht Krankenbesuche, gestaltet gemeinsam mit dem Pfarrer oder einem Lehrer den Religionsunterricht an Schulen oder hält Predigten bei Messen. „Wir übten auch die Taufe mit einer Babyborn-Puppe“, lacht Hubertus Kerscher. Nun darf er Taufen selbst durchführen und genießt das. „Die Taufe ist ein ganz schönes Ritual.“ Doch Tod und Trauer gehören ebenfalls zum Leben. So ist Kerscher oft als Seelsorger gefragt. „Diese Aufgabe fordert mich natürlich.“ Im Gespräch mit dem Pfarrer kann der Haselbacher seine Erfahrungen verarbeiten.

Seinen Ausgleich findet er beim Laufen, Schwimmen, einem ausgedehnten Spaziergang in der herrlichen Landschaftskulisse in Neureichenau oder beim Orgelspielen. „Da kriegt man den Kopf frei“, so der 25-Jährige. Auch die täglichen Gebete helfen dem Diakon dabei – morgens, abends und vor dem Schlafengehen. „Aber manchmal klappt‘s zeitlich nicht“, schmunzelt der angehende Priester. Am Montag, seinem freien Tag in der Woche, trifft er sich am liebsten mit seinen Freunden oder besucht die Familie.

In seiner Freizeit liest er gerne theologische Lektüren, einerseits, um abzuschalten und andererseits, um Inspiration für seine Predigten zu finden. Der Diakon liebt auch packende Serien – zurzeit „The Young Pope“ mit Schauspieler Jude Law und „Dein Wille geschehe“ auf Arte, eine Serie über junge Männer, die wie Kerscher ein Priesterseminar absolvieren. Auch auf die finale Staffel von Game of Thrones wartet der 25-Jährige schon sehnsüchtig. „Wenn ich am Abend mit den Serien anfange, höre ich sehr spät damit auf. Deswegen hab ich mir noch keinen Netflix-Account geholt“, scherzt der Kleriker.

Auch soziale Netzwerke sind dem angehenden Priester kein Fremdwort: „Auf Facebook bin ich schon. Da kann man gut Kontakte knüpfen. Aber ich poste nicht viel und mache auch nicht viele Selfies.“ Und wenn der Sommer ansteht, könnte man den 25-Jährigen sogar mit seinen Freunden in einem Shisha-Café antreffen. Soziale Kontakte sind dem Haselbacher sehr wichtig: „Im Nächsten kann ich Gott auch erkennen.“


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