20.03.2018, 13:55 Uhr

Spatenstich für neue Wohngemeinschaft Inklusionsgedanke fällt in Riedenburg auf fruchtbaren Boden

(Foto: Katholische Jugendfürsorge)(Foto: Katholische Jugendfürsorge)

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde informierte Dr. Bernhard Resch, Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums, über das neue Wohnheim. Organisatorisch an das Stammhaus in Offenstetten angegliedert, entstehen in dem neuen Wohnheim vier Einheiten für jeweils sechs Personen. Zwei der Wohneinheiten sind komplett barrierefrei und somit rollstuhltauglich

RIEDENSBURG Riedenburgs Weg zur Inklusion begann lange bevor es die UN-Behindertenrechts-konvention gab. Schon 1999 sorgte Prälat Dr. Josef Schweiger, damals als Direktor der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF), dafür, dass in Riedenburg Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten und wohnen. Das Konzept war innovativ und nahm die Forderungen des Inklusionsgedankens vorweg. Es bewährt sich heute noch und wird mit dem Spatenstich für eine weitere Wohngemeinschaft der KJF fortgeschrieben. Bei diesem Ereignis wollte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller nicht fehlen. Für 24 Bewohnerinnen und Bewohner entsteht im Herzen Riedenburgs auf 1.195 Quadratmeter Wohnfläche ein behindertengerechtes Wohnheim nach modernsten Standards.

Nachhaltig und inklusiv

1999 wurde aus der ehemaligen Molkerei Schweiger eine Werkstätte für Menschen mit Behinderung. Im selben Jahr wurde die erste Wohngemeinschaft der KJF in Riedenburg eingerichtet. Waren es anfangs 28 Beschäftigte in der Werkstätte und 11 Bewohnerinnen und Bewohner in der ersten Wohngemeinschaft, so arbeiten heute 58 Menschen mit Behinderung in der Werkstätte und 18 wohnen und leben bereits dort. Für sie ist Riedenburg beziehungsweise das zugehörige Prunn zum Lebensmittelpunkt geworden. Die KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH und die zum Cabrini-Haus gehörenden Wohngemeinschaften der KJF bieten für sie die passenden Rahmenbedingungen.

Erfolgsgeschichte weiterschreiben

„Wir sind der Stadt Riedenburg, ihren Bürgerinnen und Bürgern, der Pfarrei und allen Mitstreitern sehr dankbar, dass wir hier gemeinsam an der Erfolgsgeschichte für ein inklusives Riedenburg weiterschreiben“, sagte KJF-Direktor Michael Eibl. Besonders freute er sich über die zentrale Lage des neuen Wohnheims, das auf einem 2.447 qm großen Grundstück in der Bergstraße 9 entstehen wird. „Wenn alles nach Plan läuft, feiern wir im Herbst 2019 schon Einweihung“, freute er sich. „Es ist uns eine besondere Ehre, dass unsere Sozialministerin heute bei uns ist“, so Eibl weiter, „wir wissen, dass ein Schwerpunkt ihrer Sozialpolitik die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und die Etablierung inklusiver Wohnformen ist.“ Sozialministerin Müller betonte die Bedeutung des neuen, zentralen Wohnprojekts: „Mittendrin statt nur dabei – das ist mehr als nur ein gängiger Slogan. Es ist unser erklärtes Ziel: Menschen mit Behinderung sollen in der Mitte unserer Gesellschaft leben. Mehr noch: Es soll für uns alle eine Selbstverständlichkeit werden, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben.“

Eibl bedankte sich bei den Fördergebern, dem Bezirk und der Regierung von Niederbayern sowie der Aktion Mensch. Die Regierung von Niederbayern fördert das Bauvorhaben zu 70 Prozent mit 2.711.100 Euro, der Bezirk zu 10 Prozent mit 387.300 Euro und die Aktion Mensch zu 2,84 Prozent mit 110.000 Euro. An Eigenmitteln muss die KJF 664.660 Euro (17,16 Prozent) aufbringen. Der Erwerb des Grundstücks in Höhe von rund 440.000 Euro ist nicht förderfähig. Die reinen Baukosten inklusive Ausstattung belaufen sich auf etwa 3.435.000 Euro.

Das ist geplant

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde informierte Dr. Bernhard Resch, Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums, über das neue Wohnheim. Organisatorisch an das Stammhaus in Offenstetten angegliedert, entstehen in dem neuen Wohnheim vier Einheiten für jeweils sechs Personen. Zwei der Wohneinheiten sind komplett barrierefrei und somit rollstuhltauglich. Sechs Bewohnerinnen und Bewohner teilen sich jeweils einen Bereich zum Wohnen mit Küche. Dort können sie gemeinsam kochen und essen. Sowohl im Erd- als auch im Obergeschoss ist eine Freifläche vorgesehen. Ein gemeinsamer Hobbyraum, ein Therapieraum und ein Pflegebad sowie ein Lager- und ein Hauswirtschaftsraum in beiden Geschossen komplettieren das großzügige Wohnkonzept. „Die beauftragten Architekten Berr und Schindlbeck haben ihre Sache gut gemacht“, freute sich Resch. Er ist überzeugt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner, die in der Region ihre Wurzeln haben, das neue Wohn- und Lebensumfeld schätzen werden. „Alles ist fußläufig erreichbar – Ärzte, Apotheke, Cafés und Geschäfte. So können die Neubürger bestens in das Leben der Gemeinde integriert werden.“

Landrat Martin Neumeyer, Bezirksrätin Hannelore Langwieser und Bürgermeister Siegfried Lösch unterstrichen, welch große Bereicherung das neue Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung mitten im Ort für Riedenburg darstelle. So gelinge Inklusion am besten. Domkapitular Dr. Roland Batz, 1. Vorsitzender der KJF, überbrachte den Dank des Bistums für das neue Projekt und sprach ein Tischgebet.


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