18.12.2017, 16:38 Uhr

Landgericht Prozessauftakt gegen pädophilen Ex-Priester

Pater Tomas Maria W. wird am 18. Dezember 2017 von zwei Polizeibeamten zum Landgericht in Deggendorf gebracht. Dort wird ihm der Prozess wegen Kindesmisssbrauchs, sexueller Nötigung Betrug und anderer Straftaten gemacht. (Foto: Robert Piffer)Pater Tomas Maria W. wird am 18. Dezember 2017 von zwei Polizeibeamten zum Landgericht in Deggendorf gebracht. Dort wird ihm der Prozess wegen Kindesmisssbrauchs, sexueller Nötigung Betrug und anderer Straftaten gemacht. (Foto: Robert Piffer)

Kindesmissbrauch, sexuelle Nötigung, Betrug und Urkundenfälschung wirft die Staatanwaltschaft Thomas Maria W. (53) vor. Seit Montag, 18. Dezember, muss er sich deswegen vor dem Landgericht in Deggendorf verantworten.

DEGGENDORF Mit gefälschten Dokumenten hatte sich der Pole einst in seiner Heimat die Priesterweihe gesichert. Mit gefälschten Dokumenten hatte er sich auch das Vertrauen des Dorfpfarrers im niederbayerischen Otzing (Lkr. Deggendorf) erschlichen. Den in Rom ausgestellten Priesterausweis mit drei offiziellen Stempeln, mit dem sich Pater Thomas legitimiert hatte, zweifelte niemand an. Der vermeintlich fromme Ordensmann hielt erst kleinere Andachten, später sogar große Messen in der Ortskirche. Dass mit dem Pater etwas nicht in Ordnung sein könnte, ahnte niemand. Wenn es Kritik an ihm gab, dann höchstens an den meist zu lange gehaltenen Predigten.

Bald schon machte sich der falsche Geistliche aber an Kinder aus der Gemeinde heran. Einen heute zehnjährigen Buben, der wie Thomas W. aus Polen stammt, soll er vielfach missbraucht haben, nicht nur in Niederbayern, sondern auch bei „Pilgerreisen“ auf denen er seine als sehr gläubig eingeschätzten Landsleute begleitet hatte.

Im September 2016 flog alles auf, als die Mutter eines der missbrauchten Buben Anzeige erstattete. Pater Thomas wurde festgenommen und kam in erst in Untersuchungshaft, dann in die psychiatrische Abteilung der JVA in Straubing.

Zum gestrigen Prozess erschien Thomas W. maskiert. Eine schwarze Strickmütze hatte er über das gesamte Gesicht gezogen. Die Vermummung nahm er erst ab, nachdem das Gericht das Verfahren eröffnet hatte und die Kameras aus dem Saal verschwunden waren.

Noch bevor die Anklageschrift verlesen wurde, beantragte eine Anwältin, die die Familie eine zehnjährigen Missbrauchsopfers vertritt, die Öffentlichkeit zum Schutz des Buben auszuschließen. Der Bub habe einerseits extreme Angst vor dem Angeklagten und sei zudem durch den Missbrauch schwer gezeichnet, habe sich sogar in ärztliche Behandlung begeben müssen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft unterstützte den Antrag, weil die Anklage viele Details des Missbrauchs enthält.

Das Gericht vertagte draufhin die Verhandlung auf Mittwoch. Bis dahin soll entschieden werden, ob die Öffentlichkeit im weiteren Verlauf des Prozeses ausgeschlossen wird oder nicht.


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