22.08.2018, 10:40 Uhr

Einweihung Mit „Gwand am Blotz“ gegen den Wegwerftrend

(Foto: Mühlbauer)(Foto: Mühlbauer)

„Gwand am Blotz“ ist eine neue Einrichtung am Marktplatz in Bodenmais, deren Trägerschaft die Pfarrkirchenstiftung Mariä Himmelfahrt übernommen hat.

BODENMAIS Wie oft schon wurde er kritisiert, der Leerstand von den ehemaligen Geschäften, die auch Glanzzeiten erlebten, das ausgestorbene Zentrum von Bodenmais, welches an ganz stillen Tagen einem militärischen Exerzierplatz gleicht, wäre da nicht bescheidener Blumenschmuck zu finden. Und aus wie viel Mündern ist schon gekommen, dass am Marktplatz „tote Hose“ herrscht. Kluge Ratschläge gab es in der Vergangenheit viele, umsetzbar waren kaum welche. Nicht nur der Markt Bodenmais und die Bodenmais Tourismus und Marketing (BTM) GmbH haben sich die Belebung des Ortskerns auf die Fahnen geschrieben. Nun möchte auch die Pfarrei Mariä Himmelfahrt mit „Gwand am Blotz“ dazu beitragen. Mit der kirchlichen Segnung wurde die Einrichtung nun offiziell eröffnet. Die „Biei Blech Blosa“ hatten die Feierstunde instrumental umrahmt.

Ganz bewusst handelt es sich bei „Gwand am Blotz“ um keinen Verkaufsladen oder ein Geschäft, da ja nichts verkauft wird, vielmehr soll es eine Begegnungsstätte sein. Dafür sprachen sich auch die Redner aus, die bei der Einweihung das Wort ergriffen. „Der Marktplatz soll lebens- und liebenswert erhalten bleiben“, lautete der allgemeine Tenor. Nach einem kurzen Wortgottesdienst, den auch das ehrenamtliche „Gwand am Blotz“-Team mitgestaltete, hatte Pfarrer Alexander Kohl die Räume im ehemaligen Bekleidungshaus Kopp unmittelbar neben dem Pfarrhof gesegnet und mit Weihwasser besprengt. Der Ortsgeistliche ging in seinen Ausführungen auf den Sinn und Zweck von „Gwand am Blotz“ ein. Dabei stellte er fest: „Wir leben, wenn wir ehrlich sind, im Überfluss, Kleidung ist zum Wegwerfartikel geworden“. Viele würden das gestern Gekaufte und was heute nicht mehr gefällt, zurückschicken, weglegen oder entsorgen. „Die anonyme Wegwerfgesellschaft, so denke ich, hat auch bei uns schon Einzug gehalten“, befand Pfarrer Alexander Kohl. „Gwand am Blotz“ möchte dazu einen Gegenentwurf bieten und dies in mehrfacher Hinsicht: Zum einen sollte gute Kleidung nicht im Müll landen, sondern kann vielleicht auch anderen Menschen nützlich und hilfreich sein. „Jede und jeder ist wollkommen, Kleidung abzugeben und vielleicht findet der eine oder andere etwas“, lud der Ortsgeistliche ein, zwanglos einfach vorbeizuschauen. Denn: „Es wird damit auch ein Raum geschaffen, wo man sich treffen, miteinander ratschen und einen Kaffee trinken kann, ganz im Gegensatz zur anonymen Online-Bestellung auf dem Handy“.

Alles funktioniert auf Spendenbasis. Die saubere und fleckenlose Kleidung wird als Spende abgegeben und gegen eine freiwillige Spende kann Kleidung mit nach Hause genommen werden. Neben Abgabe von Oberbekleidung sind auch Kinderkleidung und Spielzeug möglich. Pfarrer Alexander Kohl klammerte nicht aus, dass es auch Menschen gibt, „die den Euro dreimal umdrehen müssen, bevor sie sich neue Kleidung kaufen können“. Wer in einer solchen Situation lebt, findet hier gute Kleidung, die sich der- oder diejenige leisten kann. Ein Zeichen erkannte der Priester in der Nähe von „Gwand am Blotz“ zur Pfarrkirche: „Gemeinschaft mit Gott und untereinander, das kann hier konkret erfahrbar und erlebt werden“. Die Erlöse kommen über die Caritas-Sozialstation St. Elisabeth den Alten und Pflegebedürftigen der Pfarrei Bodenmais zugute. „Damit Menschen auch im Alter menschenwürdig versorgt und gepflegt werden können – auch über den Zeittakt der Pflegekassen hinaus“. Dankend wandte sich Pfarrer Alexander Kohl an die Familie Kopp, die diese Idee von Anfang an mitgetragen und unterstützt hat, an alle, die mitgeholfen haben, dass das „Gwand am Blotz“ entstehen konnte sowie an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Einrichtung.

Nicht auf Kosten anderer zu leben, daran appellierte Bürgermeister Joachim Haller in seinem Grußwort. „Second-Hand“ sei gerade auch für finanziell eingeschränkte Menschen ideal. Bei „Gwand am Blotz“ gehe es zwar erstrangig um Kleidung, aber auch um den Austausch von Nettigkeiten, es rentiere sich schon „auf einen Schmatz oder Schnoderer“ vorbeizukommen. Der Rathauschef zeigte sich davon überzeugt, dass die Einrichtung ihre Bestimmung erfüllt und wünschte alles Gute für die Zukunft. Gratuliert zur neuen Einrichtung hatte der Pfarrkirchenstiftung in Bodenmais auch Johann Forster, Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation St. Elisabeth, der betonte, dass diese zusätzlichen Mittel vor allem für solche Aufgaben eingesetzt werden, deren Finanzierung nicht oder nur ausreichend gesichert ist. Mit der Eröffnung von „Gwand am Blotz“ in Bodenmais schließe sich gewissermaßen ein Kreis: Im Jahr 2000 ist die Bodenmaiser Krankenpflegstation auf Bitte der damaligen Kirchenstiftung von Böbrach übernommen worden und seit 2016 existiert nun die Caritas-Sozialstation St. Elisabeth, welche als Fusion der Böbracher und Teisnacher Krankenpflegstationen entstanden sind. „Und so wie Böbrach der Bodenmaiser Kirchenstiftung im Jahr 2000 geholfen hat, so lässt jetzt Bodenmais der Caritas-Sozialstation St. Elisabeth, die ja rechtlich von der Kirchenstiftung Böbrach vertreten wird, wiederum Hilfe zukommen“, freute sich Johann Forster. Dass diese Hilfe nicht möglich wäre, wenn es in Bodenmais nicht so viele ehrenamtlich Engagierte gebe, unterstrich er ebenso. Verena Kopp trug den Weihwasserkessel bei der Segnung. Pflegedienstleiterin Anita Dietze überreichte allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen eine Sonnenblume und auch für Emmi Kopp, deren Räumlichkeiten die Pfarrei Bodenmais für „Gwand am Blotz“ gemietet hat, wurde durch Pfarrer Alexander Kohl ein Blumengeschenk zuteil.

Öffnungszeiten von „Gwand am Blotz“

Montags und mittwochs: 9.30 Uhr bis 12 Uhr und 15 Uhr bis 17.30 Uhr

Donnerstags: 16 Uhr bis 20 Uhr

Abgabe nur während der Öffnungszeiten!


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