21.11.2019, 11:04 Uhr

Zehn Jahre Prostatakarzinomzentrum Mit Kaffee dem Prostatakrebs trotzen – Tag der offenen Tür im Klinikum Straubing

Sie feierten zehn Jahre Prostatakarzinomzentrum im Klinikum St. Elisabeth – teilweise mit Schnurrbart im Rahmen der Movember-Aktion für mehr Männergesundheit. (Foto: Ursula Eisenmann)Sie feierten zehn Jahre Prostatakarzinomzentrum im Klinikum St. Elisabeth – teilweise mit Schnurrbart im Rahmen der Movember-Aktion für mehr Männergesundheit. (Foto: Ursula Eisenmann)

Der Andrang war groß beim Tag der offenen Tür am Mittwoch, 20. November, im Prostatakarzinomzentrum am Klinikum St. Elisabeth in Straubing. Über 80 Besucher nahmen aus den Fachvorträgen viele gute Nachrichten mit nach Hause: Sport und ausgewogene Ernährung wirken sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Im von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentrum erhalten Patienten vor Ort eine Spitzenversorgung, wie die aktuelle Focus-Klinikliste pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Einrichtung bestätigt. Und: Es bestehen Chancen auf die Gründung eine Straubinger Prostatakrebs Selbsthilfegruppe.

STRAUBING Prof. Dr. Matthias May, Leitender Oberarzt der Klinik für Urologie, ermunterte Betroffene zu Sport und ausgewogener Ernährung. Nach wissenschaftlichen Studien beugt beides nicht nur der Entstehung von Prostatakrebs vor, sondern wirkt sich auch positiv auf die Sterblichkeit aus. Ganz besonders pries May die Wirkung von Tomaten, Fisch und Kaffee: Vier bis sechs Tassen Kaffee pro Tag würden das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, drastisch senken. Über die Vorzüge der Prostata-MRT-Biopsie im Zuge der Diagnostik sprach Dr. Johannes Moersler, Leitender Oberarzt der Klinik für Diagnostische und interventionelle Radiologie. Nach einer ersten Gewebeprobe mit negativem Ergebnis könne das viel genauere moderne Verfahren auch versteckt liegende Prostatakarzinome diagnostizieren. Die neueste Technik erspare den Patienten unnötige Biopsien.

Dr. Christian Gilfrich, Chefarzt der Klinik für Urologie, erläuterte Fortschritte des Da-Vinci-Operationssystems, mit dem er seit 2004 arbeitet, seit 2008 in Straubing. Prostatakrebs-Operationen mit dem Da-Vinci-System führten nicht zwangsläufig zu besseren Ergebnissen bei Potenz und Kontinenz. Diese seien vielmehr abhängig von der Erfahrung des Operateurs. Die Gesamt-Komplikationsrate nach einem Jahr sei bei roboterassistierten Prostatakrebs-Operationen deutlich geringer als bei offenen Operationen. Der Stellenwert robotischer Chirurgie werde weiter wachsen. Dass Präzisionsstrahlentherapie bei der Behandlung von Prostatakrebs genauso effektiv sein kann wie eine Operation, verdeutlichte Dr. Kilian Koch, Facharzt für Strahlentherapie in der Abteilung Strahlentherapie im MVZ am Klinikum. In der Regel dauere die gesamte Behandlung sieben Wochen mit insgesamt 35 Bestrahlungen, also fünf pro Woche. Im MVZ am Klinikum komme hochmoderne Technik zum Einsatz, die mehr Effektivität mit weniger Nebenwirkungen verbinde.

Bewährte Therapien, Therapiekombinationen sowie neue Substanzen bedeuten für Prostatakrebskranke mit Fernmetastasen eine deutliche Verbesserung des Gesamtüberlebens, betonte Dr. Christopher Haberl, stellvertretender Leiter des Onkologischen Zentrums. Eine große Auswahl an Behandlungswegen ermögliche den Patienten auch in fortgeschrittenen Stadien noch eine gute Lebensqualität. Psychologe Sebastian Nagler von der Psychoonkologie berichtete, dass Männer mit Prostatakrebs auf die Frage, ob sie psychoonkologische Begleitung bräuchten, in der Mehrheit verneinten: „Ich gehe jetzt einfach zu allen Patienten mit Prostatakrebs.“ Bei manchen dauere das Gespräch fünf Minuten, zu anderen komme er mehrmals. Im Unterschied zu Frauen suchten kranke Männer eher Informationen und nicht den sozialen Austausch. Ziel der Psychoonkologie sei es, Verhalten wie Kampfgeist und Aktivität, das sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirke, zu stärken. Die beiden Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen von Deggendorf und Procas Regensburg stellten ihre Arbeit vor. Kurt Imhof, Leiter der Deggendorfer Gruppe, bot an, in Straubing eine Selbsthilfegruppe mitaufzubauen. Sechs Leute müssten mitmachen. Interessenten können sich melden im Sekretariat der Klinik für Urologie bei Susanne Räthe unter der Telefonnummer 09421/ 7101701 oder per Mail an info-urologie@klinikum-straubing.de.

Gesunde Leckereien am Ernährungsstand rundeten die Veranstaltung ab. Beim Operieren von Gummibärchen am Da-Vinci-Operationssystem verlor so mancher die Furcht vor der Technik. Nach den Vorträgen waren die Experten, unter ihnen auch der niedergelassene Urologe Dr. Jürgen Jeßberger, umringt von den Besuchern. Übrigens trugen die Referenten zum Teil Schnurrbärte – wegen der Movember-Aktion von Klinikum und Straubing Tigers für mehr Männergesundheit. Fotos können bis Samstag, 30. November, auf der Facebookseite des Klinikums St. Elisabeth (https://www.facebook.com) unter dem „Movember“-Beitrag in einem Kommentar gepostet oder an das Sekretariat der Klinik für Urologie geschickt werden.


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