18.12.2020, 10:19 Uhr

Begleitung am Lebensende 15 Jahre Palliativstation am Klinikum St. Marien Amberg

 Foto: Klinikum/Dietl Foto: Klinikum/Dietl

Patienten die Angst nehmen, ihnen am Ende ihres Weges noch ein Stück Lebensqualität schenken, auch wenn sie unheilbar krank sind und nicht mehr geheilt werden können – die Aufgabe des Teams der Palliativstation am Klinikum St. Marien Amberg. Keine einfache Aufgabe.

Amberg. „Wir haben hier die Möglichkeit einen geschützten Rahmen zu bieten, für Patienten wie auch für ihre Angehörigen“, erklärt Tobias Reif, der Stationsleiter. „Der Name Palliativstation leitet sich her vom lateinischen Wort „pallium“, das Mantel bedeutet. Sinngemäß verstehen wir darin unsere Arbeit. Betroffene sollen sich wie von einem Mantel eingehüllt fühlen.“

Im November wurde die Palliativstation am Klinikum gegründet. 15 Jahre später ist die Palliativstation mittlerweile auf der Station L3 untergebracht und aus anfänglichen sechs wurden neun Betten. „Im Gegensatz zu früher sind unsere Patienten heute schwerer und komplexer erkrankt, was für uns auch einen höheren Pflegeaufwand bedeutet. Der palliativmedizinische Dienst unseres Haus unterstützt uns hier sehr.“ Durch ihn können Patienten im ganzen Haus palliativmedizinisch versorgt werden. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung ermöglicht seit vier Jahren zudem, dass Patienten zu Hause betreut werden können.

Das Besondere an der Palliativstation ist die räumliche und die personelle Ausstattung. Alle Zimmer sind Einzelzimmer. Angehörige haben so die Möglichkeit beim Patienten zu bleiben. „Einzelzimmer bieten die Möglichkeit sich „fallen“ zu lassen und auch die Angehörigen können sich in unserem „Raum der Stille“ zurückziehen und einen Moment für sich sein. Dieses Angebot wird von vielen geschätzt“, erzählt Reif.

Den Patienten und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden hat oberste Priorität bei den Pflegekräften. Die Versorgung an den Rhythmus der schwer kranken Patienten anpassen bedeutet, ausschlafen oder Mahlzeiten individueller einnehmen zu dürfen.

70 Prozent der Patienten sind Krebspatienten im Endstadium. Aber auch neurologische Krankheiten wie ALS, Multiple Sklerose, Parkinson und Demenz gehören dazu. Symptomkontrolle und die Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung der Lebensqualität sind das Ziel. Die Grunderkrankung wird nicht mehr behandelt, sondern deren Folgeerscheinungen. „Unsere Aufgabe als Palliativmediziner ist es, auf den Patienten und dessen Wünsche einzugehen. Eine schwere, unheilbare Krankheit so gut es uns eben möglich ist für den Patienten erträglich zu machen“, erzählt Dr. Jochen Pfirstinger, Palliativmediziner und Oberarzt am Klinikum, im Gespräch. „Oft geht es hier darum, Symptome nicht verschwinden zu lassen, aber deutlich zu verringern. Manche Patienten wünschen sich, so wenig wie möglich bei aktivem Bewusstsein mitzubekommen. Ein Wunsch, den wir akzeptieren. Das anschließend medikamentös zu steuern gehört zu einer unserer Aufgaben.“

2019 wurden 319 Patienten behandelt, 205 sind davon verstorben. Das gehört auch zur Arbeit auf der Palliativstation dazu – die Sterbebegleitung. Patienten belastende Symptome nehmen und die Angehörigen bei ihrer Trauer zu unterstützen.

Doch was macht die Arbeit mit einem selbst? „Diese Frage bekommen wir oft gestellt“, so Tobias Reif. „Für uns als professionell Pflegende ist jedes Sterben anders und man wird auch immer an die eigene Sterblichkeit erinnert, andererseits werden auch die Dinge sichtbar, die wirklich wichtig sind im Leben. Gerade bei jüngeren Patienten kann das aber schon auch belastend sein. Mittels Supervision, durch den Austausch im Team oder mit den Seelsorgern und Psychologen im Haus bekommen wir aber sehr gute Unterstützung.“

Tobias Reif ist von Anfang an dabei - seit 15 Jahren und weiß: „Wovon wir zehren ist die Dankbarkeit der Patienten und der Angehörigen und das Gefühl, doch noch etwas getan zu haben, wo es heißt, da kann man nichts mehr tun.“


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