13.02.2020, 15:26 Uhr

Gesundheitsforum Koronare Herzkrankheiten sind tickende Zeitbomben

Bürgermeister Martin Preuß, PD Dr. Christoph M. Birner und Kulturamtsleiter Reiner Volkert Foto: Klinikum/DietlBürgermeister Martin Preuß, PD Dr. Christoph M. Birner und Kulturamtsleiter Reiner Volkert Foto: Klinikum/Dietl

„Unser Herz ist ein gigantisch leistungsfähiges Organ. 100.000 Mal schlägt es pro Tag, 3.000.000.000 Mal innerhalb unseres ganzen Lebens“, der Einstieg von PD Dr. Christoph M. Birner, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Klinikum St. Marien Amberg, bei seinem Vortrag.

Amberg. Thema des Vortrags im Rahmen des Gesundheitsforums war „Herzkranzgefäßerkrankung und Herzinfarkt – vorbeugen, erkennen, behandeln“ – angesichts der Zahlen ein enorm wichtiges Thema, denn 50.000 bis 60.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen eines Infarkts, die schwerwiegendste Form der koronaren Herzkrankheit (KHK).

Damit unser Herz funktioniert, braucht jede Muskelzelle Blut und dazu wiederum sind die Herzkranzgefäße nötig. Sie sind kranzförmig um das Herz angelegt und verzweigen sich immer weiter. Plaques, sprich Ablagerungen, sind das größte Problem – sie verursachen die koronare Herzkrankheit. Hierbei lagern sich fettbeladene Schaumzellen in den Herzkranzgefäßen ab, was zu Verengungen und im schlimmsten Fall zum Verschluss führt. Letzteres tritt ein, wenn die Hülle der Ablagerungen einreißt und sich dann Blutplättchen ablagern. Man spricht dann von einem akuten Koronarsyndrom. „Kardinalsymptom der koronaren Herzkrankheit ist die Angina Pectoris. Der Patient spürt ein Druck- und Engegefühl in der Brust. Häufig treten diese Beschwerden aber erst auf, wenn das betroffene Herzkranzgefäß schon zu etwa 70 Prozent verengt ist“, so PD Dr. Birner. „Bitte achten Sie auf jedes kleine Symptom. Je früher eine Koronare Herzkrankheit erkannt wird, desto besser ist die Prognose.“ Besonders gefährlich wird es, wenn die Angina pectoris auch in Ruhe oder bei minimaler Belastung auftritt. In solch einem Fall ist sofort die Notaufnahme aufzusuchen.

Um eine KHK zu diagnostizieren gibt es invasive und nicht-invasive Methoden. „Grundsätzlich ist es immer die Aufgabe des behandelnden Arztes, die für seinen Patienten richtige Untersuchungsart zu finden.“ Das Ruhe-EKG, der Herzultraschall sowie das Belastungs-EKG haben zweifelsohne ihre Berechtigung, nicht selten aber sind weitere Untersuchungen wie etwa die Kernspintomographie zur genaueren Beurteilung erforderlich.

„Der Herzkatheter schließlich schafft Klarheit. Während dieser Katheteruntersuchung können wir mit zusätzlichen Tests wie dem Druckdraht klären, ob eine Engstelle auch wirklich relevant ist, also mit einem Stent behandelt werden muss.“ Derartige Stents kommen vor allem bei Herzinfarkten zum Einsatz oder bei chronischen Beschwerden, wenn verordnete Medikamente nicht mehr ausreichen. „Die Behandlung mit modernen Stents gelingt in 95 Prozent der Fälle. Die Sterblichkeit bei solch einem Eingriff liegt bei 0,3 Prozent“, erklärt PD Dr. Birner. Bei einer Bypass-OP, die eine andere Behandlungsform der KHK darstellt, werden stark verengte oder komplett verschlossene Herzkranzgefäße überbrückt, um die ausreichende Blutversorgung des Herzmuskels wiederherzustellen. „Ob Stent oder Bypass ist immer eine Einzelfallentscheidung. Der Zustand der Herzkranzarterien sowie Begleiterkrankungen spielen hier immer eine wichtige Rolle. Generell spricht aber höheres Alter nicht gegen eine OP. 50 Prozent der Patienten sind heute über 70 Jahre alt, zehn Prozent sogar über 80 Jahre“, betont PD Dr. Birner. „Beim Thema Medikamente gilt: Nie einfach vorzeitig absetzen, sondern immer in Rücksprache mit dem Arzt.“

Prävention ist auch beim Thema Koronare Herzkrankheiten das A und O. Nikotin, Übergewicht sowie ein hoher Cholesterinspiegel sind Gift für unser Herz. Stattdessen sind Ausdauersport und eine gesunde Ernährung für unsere Herzgesundheit von besonderer Bedeutung. „Berücksichtigt man diese Dinge, kann jeder das Risiko eines Herzinfarktes senken.“

Weiter geht es beim Gesundheitsforum am Dienstag, 18. Februar, um 19.30 Uhr im Großen Rathaussaal. Thema wird sein: „Lungenkrebs – kein schicksalhaftes Ereignis“. Referenten sind Dr. Hans Wahn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin IV, sowie Dr. Wolfram Schief, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie.


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