12.02.2020, 14:11 Uhr

Wanderausstellung im Klinikum Demenz – was ist das?

 Foto: Klinikum/Dietl Foto: Klinikum/Dietl

In Bayern leben über 240.000 Menschen mit Demenz. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege rechnet in den nächsten Jahren mit einem drastischen Anstieg. Eine Ausstellung im Klinikum St. Marien in Amberg will die Bevölkerung dafür sensibilisieren.

Amberg. Demenz – eine Erkrankung, die zum Verlust der geistigen Funktionen führt. Alltägliche Dinge können von den Betroffenen nicht mehr eigenständig erledigt werden. Soweit die Definition. Was aber löst die Diagnose bei Betroffenen und Angehörigen aus, wie verändert sich dadurch das Leben? Der Titel einer Wanderausstellung, initiiert vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, beschreibt es ganz gut: „Was geht. Was bleibt. Leben mit Demenz.“ Häufig betreffen dementielle Erkrankungen das Kurzzeitgedächtnis. Zeitlich kurz zurückliegende Dinge werden häufig vergessen, es kommt zur Desorientierung und Wortfindungsstörungen. „Das Thema Demenz ist nach wie vor eine Herausforderung. Wenn Eltern ihr eigenes Kind irgendwann nicht mehr erkennen, ist das für die Angehörigen nur schwer zu verkraften“, so Verwaltungsratsvorsitzender, Oberbürgermeister Michael Cerny. „Es braucht einen Bewusstseinswandel und viel Unterstützung.“

Sensibilisieren und die Angst nehmen ist Anliegen des Klinikum St. Marien Amberg. Die Wanderausstellung, im Klinikum bis zum 28. Februar zu sehen, ist ein Baustein. Sensibilisieren funktioniert aber nur durch informieren. Diese Möglichkeit gab es jetzt bei einem Vortrag von Dr. Jens Trögner, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation, mit dem Titel „Als Oma seltsam wurde“. „Es gibt über 200 verschiedene Formen von Demenz. Die häufigste Form ist Alzheimer, die besonders in höherem Lebensalter und schleichend beginnt“, so Dr. Trögner. Nach Schätzungen leben aktuell 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen mit einer Demenz in Deutschland, rund 240.000 davon in Bayern.

Weitere Informationen zum Thema gab es auch von Ingrid Eheim und Michaela Neidl von der Arbeitsgruppe für Menschen mit Demenz sowie von Angelika Amann vom Sozialdienst des Klinikums. „Die Krankheit verläuft bei jedem individuell, es gibt dafür keinen Leitfaden. Angehörige sollten Betroffene da abholen, wo sie gerade stehen“, weiß Ingrid Eheim, die Koordinatorin für Menschen mit Demenz. „Oft rufen schon eine Kaffeemühle und der Geruch von Kaffeebohnen gute Erinnerungen wach, die zu schönen Gesprächen führen.“ Auch kleine Rätsel können dazu beitragen, bei dementiell Erkrankten ein Erfolgserlebnis hervorzurufen. „Man sollte Betroffenen die Möglichkeit geben ihren Alltag mitzugestalten. Strukturen und geregelte Abläufe sind besonders wichtig“, so die Tipps für die Angehörigen.

Auch das Thema Pflegeüberleitung ist hier nicht zu unterschätzen. Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsrecht – Themen, die jeder von uns gerne wegschiebt. „Grundsätzlich empfehlen wir sich so früh wie möglich damit zu befassen“, so Frau Amann. Gerade wenn es um Themen wie Betreuung geht, helfen reden und offene Gespräche mit der Familie. Ob 24-Stunden-Pflegekraft, betreutes Wohnen, Unterstützung durch eine Sozialstation oder kurz- beziehungsweise langfristiger Einzug in ein Pflegeheim – der Wunsch des Betroffenen muss im Mittelpunkt stehen. Auch das Ehrenamt spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von pflegenden Angehörigen, weiß Frau Amann.

Am Donnerstag, 27. Februar, findet von 12 bis 15 Uhr ein weiterer Aktionstag in der Eingangshalle des Klinikums statt. Hier werden die Themen Erinnerungspflege, Kinaesthetics, basale Stimulation und Pflegeberatung in den Mittelpunkt gestellt.

Informieren und vorbeugen auch hier wieder der Appell - damit das Loch, in das Betroffene und Angehörige zum Zeitpunkt der Diagnose fallen, vielleicht nicht ganz so groß ist.


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