25.12.2019, 18:07 Uhr

Letzter Vortrag des Jahres im Klinikum „Wenn das Knie schmerzt“ stieß auf großes Interesse – nächste Vorträge im Februar und März

Dr. Robert Bauer bei der Untersuchung eines Patienten. (Foto: Klinikum/Dietl)Dr. Robert Bauer bei der Untersuchung eines Patienten. (Foto: Klinikum/Dietl)

Knieschmerzen, ein Thema, das kürzlich auf sehr großes Interesse stieß, beim letzten Vortrag des Jahres der Reihe „Ratgeber Gesundheit“ im Klinikum St. Marien Amberg. Etwa die Hälfte der Menschen über 65 leiden an Knieschmerzen, was auch kein Wunder ist, denn das Knie steht immer unter Belastung. Bei jedem normalen Schritt wirkt das 3,5-fache des Körpergewichts auf das Knie, beim Stolpern sogar das achtfache. Die Folge: Gelenkverschleiß (Arthrose), der zu Anlaufschmerzen, Belastungsschmerzen oder auch Ruheschmerzen führen kann.

AMBERG Warum schmerzt das Knie? „Das kann mehrere Gründe haben“, erklärt Dr. Robert Bauer, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie. „Es kann am natürlichen Alterungsprozess liegen, an Überbelastung, Übergewicht oder einer Verletzung. Hier liegt dann eine mechanische Schädigung vor, wie Abrieb, Fehlstellung, Instabilität oder Gelenkreiben“, so Dr. Bauer weiter. Auch chemische Schädigungen, hervorgerufen durch Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten, können Ursachen sein. Egal was der Grund ist, das Knie schmerzt und es sollte etwas getan werden. In jedem Fall sollte der Patient einen Orthopäden aufsuchen.

Die Therapie sollte zwei Ziele verfolgen. Zum einen die Stabilisierung der mechanischen Veränderungen, dies ist nur bis zu einem bestimmten Stadium möglich mit dem Ziel, das Fortschreiten der Veränderung zu verlangsamen. Eine Rückbildung ist so gut wie nie möglich. Und zum Zweiten soll die Entzündungsreaktion gelindert werden. Bevor jetzt allerdings von einer Operation gesprochen wird, sollten erst einmal sämtliche konservative Therapiemöglichkeiten genutzt werden. Dazu gehören Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente, Wärme- und Kälteanwendungen, Physiotherapie, aber auch Einlegesohlen zur Verlagerung der Belastungszonen. Eine weitere Möglichkeit ist die Bestrahlung. Zu diesem Bereich klärte der Chefarzt der Strahlentherapie Dr. Matthias Hipp die zahlreichen Interessierten auf. Sind alle nicht-operativen Maßnahmen ohne Erfolg und eine operative Therapie nicht möglich oder nicht erwünscht, wird der Patient in der Strahlentherapie vorstellig. Hier wird noch einmal untersucht, die Beschwerden dokumentiert und der Patient über die Therapie aufgeklärt. Eine Bestrahlungsserie dauert drei Wochen, innerhalb dieser Bestrahlung wird das Knie sechs Mal bestrahlt. Nach acht bis zwölf Wochen wird dann eine Erfolgskontrolle durchgeführt und über eine weitere Serie entschieden.

Ängste vor Nebenwirkungen und Röntgenstrahlung und das damit verbundene erhöhte Krebsrisiko konnte Chefarzt Dr. Hipp beseitigen. „Es kommt zu keinerlei Effekten auf der Haut, in Muskulatur, Sehen und Weichteilgewebe und es kommt auch zu keiner Schädigung des Knochens. Das Risiko, durch diese Röntgenstrahlen einen Krebs zu bekommen, ist sehr gering. Die Erhöhung des Lebenszeitrisikos liegt bei 0,1 Prozent“, erklärte Dr. Hipp. In der Regel profitieren alle Patienten durch eine Bestrahlung. Wenn noch nicht nach der ersten Serie, dann spätestens nach der zweiten. Nach zwölf Monaten dieser Re-Bestrahlung sind 25 Prozent der Geplagten sogar schmerzfrei oder nahezu schmerzfrei. Eingeschränkt kommt die Strahlentherapie bei sehr jungen Menschen und ohne den vorausgehenden Versuch konservativer Therapiemöglichkeiten zum Einsatz sowie bei Menschen mit schwerem Gelenkschaden mit Instabilität oder Menschen mit Herzschrittmacher oder Defibrillator.

Eines gab Dr. Hipp noch zu bedenken: Die Entzündungsbestrahlung ist gut wirksam und kann eine erforderliche Operation hinauszögern, jedoch nicht ersetzen. Muss schließlich doch operiert werden, kommt der Patient ins Endoprothetikzentrum am Klinikum zu Chefarzt Dr. Robert Bauer. Hier erfolgt die operative Therapie stadiengerecht und patientenindividuell. Das Endoprothetikzentrum unterliegt strengen Indikationsstellungen entsprechend der Qualitätskriterien wie Beschwerden, Gehstrecke, bisherige Therapie und so weiter. Ob nun Teilprothese oder Vollprothese, hier wird beraten, das Beste empfohlen, natürlich immer in Absprache mit dem Patienten. Um ins Endoprothetikzentrum zu gelangen, benötigen Patienten zwingend eine Überweisung des Orthopäden.

Nach den Vorträgen der Ärzte wurde noch reichlich diskutiert und die Hörer konnten ihre Fragen loswerden. Der nächste „Ratgeber Gesundheit“ findet wieder im März 2020 statt, zuvor kann das Gesundheitsforum am Dienstag, 4. Februar 2020, besucht werden. Thema von Chefarzt Dr. Thomas Papathemelis ist dann „Was tun bei chronischen Regelschmerzen? Neues aus dem Endometriosezentrum“. Beginn ist um 19.30 Uhr im Großen Rathaussaal.


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