14.12.2019, 18:30 Uhr

REBOA-Verfahren am Klinikum etabliert Bei massiven Blutungen zählt jede Sekunde

(Foto: Klinikum/Schlör)(Foto: Klinikum/Schlör)

Ein gesunder Erwachsener besitzt etwa fünf bis sieben Liter Blut im Körper. Blut ist lebenswichtig. Es versorgt alle unsere Zellen mit dem benötigten Sauerstoff und übermittelt Botenstoffe. Verliert ein Mensch aber beispielsweise durch einen Unfall mehr als 1,5 Liter Blut, wird es problematisch. Die Organe werden dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Es kommt zum Kreislaufschock.

AMBERG Bei der Behandlung einer massiven Blutung geht es um Sekunden! Das sogenannte REBOA-Verfahren (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta, übersetzt etwa „Notfallmäßiger Verschluss der Hauptschlagader mittels Ballonkatheter“) setzt hier an. Ein dünner Katheter wird schonend über eine Leistenschlagader eingeführt und in die Hauptschlagader vorgeschoben. An der Spitze des Katheters befindet sich ein Ballon, der mit Flüssigkeit befüllt werden kann und hierdurch die Aorta so lange verschließt, bis die Blutung durch eine Operation endgültig gestoppt werden kann.

Als erstes Traumazentrum innerhalb des Traumnetzwerkes Oberpfalz hat das Klinikum St. Marien Amberg nun das REBOA-Verfahren etabliert. Anfang 2019 hat Jens Schlör, Notfallmediziner und Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum, das Projekt angestoßen. „Erst einmal ging es darum, die Prozedur in der Theorie vorzustellen. Hierzu führten wir Fortbildungsveranstaltungen für alle an der Notfallversorgung von Traumapatienten beteiligten Fachdisziplinen durch“, berichtet Schlör. „Danach sind natürlich praktische Schulungen und Simulationstrainings notwendig, in denen das Einführen des Katheters in die Leiste und die richtige Platzierung in der Hauptschlagader erlernt wird.“ Ein solches Simulationstraining hat es jetzt am Klinikum St. Marien Amberg zusammen mit der Firma AMP aus Österreich gegeben. „Über 22 Kollegen der Anästhesie, Gefäßchirurgie, Radiologie sowie Unfallchirurgie am Klinikum beherrschen seitdem die Durchführung des REBOA-Verfahrens“, so Schlör.

Unfallopfer schnell und optimal zu versorgen ist das Ziel des Traumazentrums am Klinikum St. Marien Amberg. „Ich freue mich sehr über die tolle Resonanz. Unser Ziel ist es, die Versorgung der Patienten stetig zu verbessern und zu optimieren“, so Dr. Robert Bauer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie.

Zum Einsatz kam das REBOA-Verfahren erstmals in den 50er Jahren im Koreakrieg und ist erst in den vergangenen zehn Jahren wieder in den Fokus der Notfallmediziner gerückt. „Grund dafür sind die Konflikte im Irak und in Afghanistan. Mittlerweile wird das REBOA-Verfahren in Amerika, Großbritannien und Asien eingesetzt“, weiß Schlör, der sich innerhalb seines Studiums der Traumawissenschaften an der Queen Mary University of London intensiv mit dem Thema Blutungskontrolle auseinandersetzt. Das Verfahren könnte auch in anderen Bereichen wie der Geburtshilfe oder auch in der Gastroenterologie zum Einsatz kommen.

Geplant sind weitere Schulungen am Klinikum Amberg. „In Zukunft werden alle Anästhesisten, die auf dem Rettungshubschrauber Christoph 80 und in den Notarztfahrzeugen in Amberg und Hirschau für die Erstversorgung zuständig sind, im REBOA-Verfahren geschult, um es bereits am Unfallort anwenden zu können.“, so PD Dr. Redel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin.


0 Kommentare