08.07.2019, 22:59 Uhr

Lizenzen sind versteigert Zukunft der modernen Gesundheitsversorgung – die nördliche Oberpfalz wird 5G-Modellregion

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Simplefoto/123rf.com)(Foto: T. Olson Simplefoto/123rf.com)

Die Lizenzen sind versteigert, der 5G-Standard, die fünfte Generation der Mobilfunknetze, steht vor dem Start. In sechs Modellregionen in Deutschland wird die neue Technologie besonders gefördert, um die Potentiale praxisnah zu entwickeln, erproben und demonstrieren zu können. Eine dieser Modellregionen liegt in der Nordoberpfalz und bildet somit den Vorreiter in diesem Programm für ganz Bayern.

LANDKREIS NEUSTADT AN DER WALDNAAB Eine Projektskizze des Landkreises Neustadt an der Waldnaab überzeugte den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, einen höheren einstelligen Millionenbetrag zur Förderung bereitzustellen. Ziel der zukünftigen Projektpartner ist es, innovative Strukturen und Verfahren für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu entwickeln.

Konsequent vorangetrieben hat die Bewerbung um die 5G-Förderung Landrat Andreas Meier, der sich deshalb auch sehr über die Entscheidung freut: „Damit würdigt das Parlament unsere jahrelange Arbeit in einer Region, die gerade in der Gesundheitsversorgung vor großen Herausforderungen steht!“ In der nördlichen Oberpfalz arbeiten seit Jahren verschiedene Akteure daran, die ländliche Gesundheitsversorgung auf die Erfordernisse der Zukunft vorzubereiten. Denn angesichts der des demograf ischen Wandels, dem Anspruchsdenken der Bevölkerung, der Kostensteigerung durch den medizinisch-technischen Fortschritt und anderer Parameter falle es schwerer, eine bedarfsgerechte wohnortnahe medizinische Versorgung sicherzustellen. „Nun werden wir einen großen Schritt nach vorne machen“, ist Meier überzeugt. Dabei ist es ihm wichtig, dass die neuen Technologien keineswegs den Hausarzt vor Ort ersetzen oder gar überflüssig machen sollen. Vielmehr geht es um eine Ergänzung und Bereicherung des medizinischen Angebots gerade in einer Flächenregion und einem Flächenlandkreis.

„Die Daten, nicht die Patienten müssen mobil sein!“, betont Landrat Meier. Durch den Ausbau des Gigabitnetzes können Mobilgeräte wie Smartphones über Patientenüberwachungsgeräte und andere drahtlos angebundene Geräte aller Leistungserbringer und -empfänger vernetzt werden. So werden viele E-Health-Anwendungen wie Fernüberwachung und -analyse der Vitalfunktionen gerade chronisch kranker Patienten oder auf häusliche Pflege angewiesener Menschen erst ermöglicht oder können ihr volles Potenzial entfalten. Erhebung, Auswertung und Austausch von Daten auf allen Feldern der Gesundheitsversorgung trage dazu bei, drohende Versorgungslücken zu schließen.

Die Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung seien dabei nahezu „perfekt“, wie der Landrat unterstreicht: „Der Gesundheits- und Medizintechnikcampus am OTH-Standort Weiden, die Meier als „idealer Wunschpartner in diesem Projekt“ nennt, bietet hierzu ein großartiges Netzwerk verschiedenster Kompetenzen. Ergänzt werden könnte dies durch Akteure aus Gesundheitswirtschaft, Versorgung, Wissenschaft und Politik“. Mit der Förderung können in den kommenden drei Jahren neue Wege der telemedizinischen Versorgung und der Unterstützung der häuslichen Pflege gegangen werden.“ Die Erkenntnisse würden den Menschen in der ganzen Oberpfalz zu Gute kommen. Weitere starke Partner wie die Kliniken Nordoberpfalz AG und noch zahlreiche weitere Akteure in der Region könnten die, so der Landrat „schlagkräftige Truppe“ komplettieren.

Wer sich jetzt aber schon auf flächendeckendes 5G-Netz im Landkreis freue, der freue sich leider zu früh. Denn zunächst sollen nur sogenannte „Living Labs“ eingerichtet, in denen der moderne Standard verfügbar sein wird. Dort werden beispielsweise telemedizinische Therapie und Diagnostik erprobt – wobei es darauf ankommt, die Patientendaten ortsungebunden zur Verfügung zu stellen. Weiterhin könnten diegesamte Logistik und alle Dienstleistungen rund um einen zu Hause gepflegten Patienten digital unterstützt und verbessert werden. Hier wären zahlreiche Einsatzfelder auch im Landkreis Neustadt an der Waldnaab denkbar.

Auch der nachhaltige, wirtschaftliche Effekt für die gesamte Nordoberpfalz sei nicht zu unterschätzen, betont Meier: „Mit dem 5G-Modellprojekt schaffen wir nicht nur bessere Versorgung, sondern auch neue Jobchancen.“ Gerade im ländlichen Raum sei diese Chance jetzt wegweisend für die wirtschaftliche Entwicklung und Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen.


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