11.04.2019, 18:31 Uhr

Gesundheit Damit jeder Handgriff sitzt – Schockraumtraining am Klinikum St. Marien Amberg

(Foto: Klinikum/Sier)(Foto: Klinikum/Sier)

Mehr als 307.000 Menschen sind allein im Jahr 2018 bei Verkehrsunfällen verletzt worden. Rund 3.200 Menschen sind infolge dessen verstorben. Ein schwerer Verkehrsunfall – eine Situation, in der jede Minute zählt! Ganz besonders, wenn Personen schwer oder sogar lebensgefährlich verletzt werden. Ist Letzteres der Fall, spricht man von so genannten Polytrauma-Patienten.

AMBERG Die Erstversorgung übernehmen die Rettungskräfte bereits an der Unfallstelle mit dem Ziel eines schnellstmöglichen Transportes in das Traumzentrum. Der Polytrauma-Patient wird dann meist mit dem Rettungsdienst ins Klinikum gebracht. Die Rettungsleitstelle meldet dem Klinikum, dass der Patient auf dem Weg ist. So hat das Team des Klinikums die Möglichkeit sich vorzubereiten. Das mindestens 15-köpfige Team umfasst Ärzte und Pflegekräfte der Zentralen Notaufnahme, Unfallchirurgen, Anästhesisten, Radiologen, Neurochirurgen sowie das Labor und das OP-Team.

Sofort nach dem Eintreffen des Patienten beginnt dessen Behandlung. Dafür stehen zwei Schockräume in der neuen Notaufnahme des Klinikums zur Verfügung. Geprüft werden dort die Vitalfunktionen, also die Atmung, Herz- und Organfunktionen. Außerdem folgen ein Ultraschall des Bauchraums und eine Untersuchung des ganzen Körpers. Nur so kann das Team feststellen, ob innere Verletzungen oder Knochenbrüche vorliegen, ob eine Notoperation oder Bluttransfusionen gebraucht werden. Am besten ist es, alle Untersuchungen geschehen zeitgleich.

Jeder Handgriff muss im Ernstfall sitzen und um das zu gewährleisten, gibt es Schockraumtrainings. Das 20. Training hat jetzt im Rahmen der Fortbildung für das Traumazentrum am Amberger Klinikum stattgefunden. „Unser Ziel ist es, die Versorgung der Patienten stetig zu verbessern und zu optimieren“, so Dr. Robert Bauer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Zweimal im Jahr findet solch ein Training statt. Es besteht immer aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Mit Laiendarstellern werden Übungsszenarien durchgespielt, die danach in einem Debriefing besprochen werden. „Was die Zusammensetzung der Teams betrifft, so gibt es unzählige Konstellationen. Ein wichtiges Ziel ist für uns die interprofessionelle Kommunikation zu optimieren. Mit solchen Trainings schaffen wir es, dass jeder weiß, was er zu tun hat“, so Jens Schlör, Oberarzt der Klinik für Anästhesiolgie, Notfallmedizin und Intensivmedizin am Klinikum. Ein standardisiertes Vorgehen soll erreicht werden. Heißt: Verletzungen sollen nicht übersehen und Fehler verhindert werden. Denn nicht nur die schweren sondern auch die kleinen Verletzungen sind von Bedeutung.

„Meistens haben wir bei solchen Trainings ein Hauptthema zum Beispiel kindliches oder schwangeres Polytrauma. Bevor es aber ins Praktische geht, gibt es noch Fachvorträge zum Thema, um gerade den jüngeren Kollegen einen roten Faden mitzugeben. Im Debriefing sollen dann die Dinge reflektiert werden, die gut verlaufen sind, aber auch die Situationen, die ratlos gemacht haben“, so Schlör. Durch Selbstreflektion und gezieltes Nachfragen sollen die Teilnehmer dann ihren eigenen Leitfaden finden.

Das Klinikum St. Marien verfügt über einen Hubschrauberdachlandeplatz, zwei Schockräume und einen Eingriffsraum. „Rettungsleitstelle, Rettungsdienst und Klinikum arbeiten eng zusammen“, betont Anke Wanninger, Oberärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum St. Marien. „Dadurch gelingt es dem Amberger Klinikum sehr gute Resultate für schwer verletzte Unfallopfer zu erzielen. Was die Verletzungsschwere von Patienten und deren Behandlung betrifft, so liegen wir deutlich über dem Durchschnitt. 676 polytraumatisierte Patienten sind in den vergangenen zehn Jahren in Amberg behandelt und im zentralen Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie dokumentiert worden.“


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