21.02.2019, 13:53 Uhr

Gesundheitsforum in Amberg Neues Konzept für die Therapie Prostatakrebs

(Foto: Klinikum/Dietl)(Foto: Klinikum/Dietl)

„Über viele Jahre hinweg tat sich beim Prostatakrebs wenig, aber in den letzten zwei bis drei Jahren gab es dann einen Ruck und viele neue Ideen. Es hat sich eine Qualitätsstandardbehandlung etabliert“, so begann Dr. Ralf Weiser seinen Vortrag beim „Gesundheitsforum“ im Großen Rathaussaal, wo es um das Thema Prostatakrebs ging. Seit dem 1. Juli 2008 ist Dr. Weiser Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum St. Marien Amberg. „Prostatakrebs ist immer ein Thema“, kommentiert Dr. Weiser den vollen Rathaussaal.

AMBERG Betrachtet man den Zyklus einer Prostatakrebserkrankung, so steht am Anfang immer erst die Diagnose, dann folgt die Therapie und am Ende die Nachsorge. „In allen drei Bereichen hat sich in den letzten Jahren viel getan“, so Dr. Weiser. Bisher sah die Diagnostik folgenden Ablauf vor: Zunächst folgt ein Tastbefund der Prostata. „Fühlt sich die Prostata hart an, ist die Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms gegeben. Daneben wird noch der PSA-Wert im Blut getestet. Auch hier steigt die Wahrscheinlichkeit eines Krebses mit dem Wert“, erklärt Dr. Weiser den Vorgang. Sind Tastbefund und/oder PSA-Wert auffällig, wird eine Biopsie durchgeführt. Dr. Weiser spricht bewusst immer von Wahrscheinlichkeiten, denn PSA ist kein Tumormarker. Bei PSA handelt es sich um ein Enzym, das sowohl eine gesunde als auch eine kranke Prostata produziert - die kranke Prostatakrebszelle nur etwas mehr. Liegt der PSA-Wert bei etwa zehn ng/ml, so liegt eine Wahrscheinlichkeit von ca. 50 Prozent vor, dass es sich um Krebs handelt.

Als nächster Schritt folgt also die Erstbiopsie. Damit der Krebs auch entdeckt wird, werden zehn bis zwölf Biopsien über die Prostata verteilt entnommen. „Am Klinikum St. Marien Amberg führen wir auch eine Fusionsbiopsie durch. Damit kann die Detektionsrate noch einmal um zehn Prozent gesteigert werden. Hier wird ein multiparametrisches MRT durchgeführt. MRT Bild und Ultraschallbild werden anschließend übereinander gelegt. Und im Ultraschall wird am Ende dann das punktiert, was im MRT auffällig ist“, erklärt Dr. Weiser das Vorgehen. „Bei 80 Fusionsbiopsien haben wir insgesamt bisher in 47 Prozent den Nachweis eines Prostatakarzinoms erhalten.“ Solch eine Fusionsbiopsie wird allerdings erst durchgeführt, wenn die Erstbiopsie negativ war, aber weiterhin Verdacht besteht. Technisch ist die Fusionsbiopise höchst aufwendig. Der Eingriff wird unter Narkose vorgenommen und der Patient muss einen Tag stationär im Klinikum aufgenommen werden. Außerdem liegen oft Wochen zwischen Ultraschall und MRT Aufnahmen. „Aus diesen Gründen wurde die Fusionsbiopsie bisher nur einmal im Monat bei uns angeboten. Zukünftig soll es diese Möglichkeit immer geben“, so Dr. Weiser.

Auch bei der Therapie gibt es ein neues Konzept. Bevor die Therapie beginnt, unterscheidet man zunächst, ob es sich um ein lokal begrenztes und ein bereits metastasiertes Karzinom handelt. Ist es lokal begrenzt, folgen OP, Bestrahlung und Überwachung. Sind bereits Metastasen in Knochen und Lymphknoten sind eine Hormontherapie, eine Chemotherapie und eine Überwachung nötig. „Die Erfahrung zeigt uns, dass die Behandlung des Primärtumors das Gesamtüberleben des Patienten verbessert. Und das trotz bestehender Oligometastasierung. Das bedeutet: Es dürfen höchstens fünf Metastasen sein, die wiederum nur in Knochen und Lymphknoten vorkommen dürfen.“ Falls alle Metastasen operiert und/oder bestrahlt werden können, bietet das Klinikum Amberg eine multimodale Therapie an. Als Erstes wird dabei die Prostata und die Lymphknoten entfernt und dann nachbestrahlt. In der Regel folgt eine lebenslange Hormontherapie. Mit dieser Strategie können Patienten, die bereits oligometastasiert sind, viele Jahre leben, ohne dass ein Prostatakarzinom zurückkehrt. Außerdem kommt es zu keinen Blutungen oder Stauungsnieren.

Nach der Therapie ist vor der Nachsorge, um ein Rezidiv – das Wiederauftreten einer Krankheit – möglichst früh zu erkennen. Die Nachsorge beinhaltet u.a. eine PSA-Bestimmung. Allerdings sind eine Tastuntersuchung, ein CT/Kernspinn und eine Skelettzintigrafie erst ab einem PSA-Wert von mehr als zehn ng/ml positiv. „Problem bisher war, das Rezidiv auch bildtechnisch zu lokalisieren. Ein großer Fortschritt ist hier die PSMA-Bildgebung“, erklärt Dr. Weiser. PSMA, dahinter steckt ein Prostata-spezifisches Membran-Antigen, ein Zelloberflächen-Protein. Dieses kommt auf Prostatakarzinomzellen in höheren Konzentrationen vor als in anderen Organen. PSMA eignet sich deswegen gut für die Bildgebung, weil es bei Prostatakarzinomen in allen Stadien vorkommt. Durch die Kombination der Bildgebung aus Computertomographie und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können PSMA produzierende Herde genau lokalisiert werden. „Doch auch hier gibt es Grenzen. Es sind eben doch nur Bilder, auf denen oft nicht alles zu sehen ist. Trotzdem bedeutet die PSMA-Bildgebung einen großen Fortschritt, um die diagnostische Lücke zu schließen. Bei uns im Klinikum Amberg bieten wir dieses Verfahren in enger Zusammenarbeit mit der Radiologie seit zwei Wochen an“, so Dr. Weiser.

Das Fazit am Ende des Abends: Viel ist im Umbruch bei Behandlung und Diagnostik. Ziel der neuen diagnostischen Hilfen ist es, den Patienten zu helfen, deren Befund behandlungsbedürftig ist. Die aktive Therapie mittels Operation und Bestrahlung wird schrittweise auf bereits metastasierte Patienten ausgeweitet. Durch die PSMA-Bildgebung gelingt es, Rezidive früher zu erkennen und gegebenenfalls auch lokal zu behandeln.

Nächster Termin für das Gesundheitsforum ist Dienstag, 26. Februar. Da geht es im Großen Rathaussaal um das Thema „Anästhesiologie“. Der Vortrag von PD Dr. Andreas Redel, dem Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, beginnt um 19.30 Uhr im Großen Rathaussaal. Der Eintritt ist wie immer frei, alle Interessierten sind herzlich willkommen.


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