14.02.2019, 11:05 Uhr

Das Herz im Fokus Gesundheitsforum informierte über die Möglichkeiten der modernen Kardiologie

(Foto: nexusplexus/123RF)(Foto: nexusplexus/123RF)

Mehr als 70 Mal schlägt es pro Minute und mehr als 7.000 Liter Blut pumpt es pro Tag – unser Herz. Es ist der wichtigste Muskel in unserem Körper, denn es schlägt unablässig. Und um genau diesen Muskel ist es jetzt beim Gesundheitsforum 2019, das von der VHS Amberg und dem Klinikum St. Marien Amberg jedes Jahr organisiert wird, gegangen.

AMBERG „So voll, wenn der Saal auch bei allen Stadtratssitzungen wäre, wären wir glücklich.“, so Bürgermeister Martin Preuß bei der Begrüßung angesichts des wegen Überfüllung geschlossenen Rathaussaals. Referent war Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Christoph M. Birner. Er ist seit Juli 2018 Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Klinikum St. Marien Amberg. „Mit dieser gigantischen Resonanz hätte ich nicht gerechnet, aber schließlich ist unser Herz wichtig- und extrem leistungsfähig. Nach 50 Jahren erbringt es so viel Energie, um ein ganzes Kreuzfahrtschiff aus dem Wasser zu heben.“

Die moderne Kardiologie hat in den vergangenen Jahren extreme Fortschritte gemacht. „Am Klinikum St. Marien Amberg bieten wir kardiologische Spitzenmedizin an“, so PD Dr. Birner. Zuletzt war der gebürtige Amberger am Uni-Klinikum Regensburg Leiter der interventionellen Mitral- und Trikuspidalklappentherapie. Ziel seines Vortrags: Aufklärung und der direkte Dialog mit Betroffenen. Herzkrankheiten gehören zur häufigsten Todesursache. Sie sind hochgefährlich und deshalb sehr ernst zu nehmen. Doch was kann am Herz alles erkranken? Zur Sprache kamen die vier wichtigsten Krankheitsbilder: Die Erkrankung der Herzkranzgefäße, die Herzpumpschwäche, Herzklappenfehler und Herzrhythmusstörungen.

Drückende oder brennende Schmerzen im Brustkorb, Ausstrahlung in Arme, Kiefer, Schultern und Rücken, Atemnot oder Schwindel. Solche Beschwerden können alarmierende Symptome sein, die man unbedingt ernst nehmen sollte. Schnell reagieren heißt es dann beim Herzinfarkt. Hier zählt jede Minute, warnt PD Dr. Birner. In den Arterien können sich sogenannte Plaques bilden, Ablagerungen. Bei einem Infarkt reißt die dünne Haut, die die Plaques überzieht, ein. Blutplättchen lagern sich ab und verschließen das Herzkrankgefäß. Die bewährteste Methode, um festzustellen, ob eine Durchblutungsstörung vorliegt, ist ein EKG. Daneben gibt es aber auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten wie die Bestimmung sogenannter Herzenzyme im Blut. „Beim Herzinfarkt reduziert sich allerdings der diagnostische Aufwand“, so PD Dr. Birner. Sein Appell: Bei Beschwerden nicht warten! „Das Klinikum in Amberg ist speziell auf Herzinfarktpatienten ausgerichtet. Die zertifizierte Chest Pain Unit des Klinikums ist eine spezialisierte Diagnostik- und Therapieeinheit zur Betreuung von Patienten mit akuten und unklaren Brustschmerzen.

„Jeder fünfte 70- bis 80-Jährige leidet an einer Herzpumpschwäche. Wir haben es hier fast schon mit einer Epidemie zu tun.“, so PD Dr. Birner. Auch hier können Atemnot, Wassereinlagerungen, verminderte Leistungsfähigkeit oder Herzrhythmusstörungen Anzeichen sein. Diagnostiziert wird sie über einen Herzultraschall. Behandelt wird sie mit Medikamenten. Helfen sie nicht mehr, dann werden sogenannten Devices, Geräte, implantiert. Und wenn das auch nicht mehr hilft, steht am Ende der chirurgische Eingriff. „Ich bin sehr stolz, dass das Klinikum St. Marien über eine speziell ausgebildete Herzinsuffizienz-Schwester verfügt – dies ist durchaus ein Alleinstellungsmerkmal unserer Klinik.“ Weiterhin sei es ganz wichtig, Netzwerke mit Hausärzten, anderen Fachärzten, Internisten und Kardiologen zu bilden. „Auch hier wollen wir in Amberg ganz vorne mit dabei sein.“

„Eine große Errungenschaft haben wir bei der Behandlung einer Aortenklappenverengung oder der Mitralklappenundichtigkeit gemacht. Die moderne Kardiologie hat hier eine Revolution geschafft“, betont PD Dr. Birner. Die bisherige Standardtherapie war der operative Klappenersatz. Die sog. TAVI-Prozedur ist dagegen ein minimal-invasives Katheterverfahren. Derartige Eingriffe dürfen in Deutschland nur an Kliniken mit angeschlossener Herzchirurgie durchgeführt werden. „Durch die Kooperation mit dem Uniklinikum Regensburg erfolgen sämtliche Voruntersuchungen zunächst in Amberg. Der Eingriff wird dann von mir zusammen mit dem Team des Uniklinikums in Regensburg durchgeführt.“ Die sog. MitraClip-Therapie wurde von PD Dr. Birner bereits in Regensburg verantwortet. Auch hier handelt es sich um ein Katheterverfahren, bei dem die Leistenvene punktiert wird und mit einem Clip die undichte Stelle abgedichtet wird. Die beiden großen Vorteile für die Patienten: Der Brustkorb muss nicht geöffnet werden und es ist eine sehr schonende und effektive Methode. Gerade für ältere Patienten, bei denen ein herzchirurgischer Eingriff nicht mehr in Frage kommt. „Außerdem können wir am Klinikum Amberg nun durch unsere Kooperation mit der Uniklinik auch die Verödungstherapie des sog. Vorhofflimmerns, einer der häufigsten Rhythmusstörungen überhaupt, anbieten. Diese Katheterablation wird allerdings nur bei Patienten durchgeführt, die trotz der Behandlung mit Rhythmusmedikamenten unter deutlichen Beschwerden leiden.“ Das Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung. 1,8 Millionen Menschen sind davon betroffen.

Am Ende appellierte PD Dr. Birner noch einmal zur Prävention. „Man kann selbst die Risikofaktoren beeinflussen und sich selbst etwas Gutes tun. Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung reduzieren das Risiko für einen weiteren Infarkt um bis zu 70 Prozent. Die Mittelmeerküche, also viel Gemüse, Vollkornprodukte und eher Fisch statt Fleisch, eignet sich hier besonders.“ Außerdem sollte man auf seinen Cholesterin-Wert achten und auf das Rauchen verzichten. Ein Nikotin-Stopp gehört nach einem Herzinfarkt zu den mit Abstand wichtigsten Maßnahmen und reduziert nach einem Herzinfarkt das Risiko zu versterben um 36 Prozent.

Nächster Termin für das Gesundheitsforum ist Dienstag, 19. Februar 2019. Da geht im Großen Rathaussaal um das Thema „Prostatakrebs“. Der Vortrag von Dr. Ralf Weiser, dem Chefarzt der Klinik Urologie, beginnt um 19:30 Uhr im Großen Rathaussaal. Der Eintritt ist wie immer frei, alle Interessierten sind herzlich willkommen.


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