30.11.2018, 07:00 Uhr

„Besondere Kinder“ Rund 100 Fachkräfte tagten zum Thema Autismus-Spektrum-Störung im Amberger Rathaus

(Foto: Julia Schötz, Kreisjugendamt)(Foto: Julia Schötz, Kreisjugendamt)

Das Thema „Besondere Kinder – Kennzeichen von Autismus-Spektrum-Störung“ stand im Fokus des mittlerweile 16. Forums „Frühe Hilfen“, einer Kooperationsveranstaltung der Koordinierenden Kinderschutzstellen der Stadt Amberg und des Landkreis Amberg-Sulzbach. Gemeinsam laden sie zwei Mal jährlich Fachkräfte zu Fachvorträgen ein, um regionale Angebote vorzustellen, sich untereinander zu vernetzen und fortzubilden. Rund 100 Personen waren dieses Mal der Einladung in den Großen Rathaussaal gefolgt.

AMBERG Kinder, die an einer Autismus-Spektrum-Störung leiden, fallen meist schneller auf, werden als „anders“ betitelt, können manchmal nicht aus ihrer Haut und erhalten dafür häufig immer noch wenig Verständnis aus ihrem Umfeld. Aber diese Kinder sind nicht einfach „anders“, sondern „besonders“, wie Dr. Franz Hench, Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Amberg, und Daniela Bernschneider, Vorstandsmitglied im Amberger Kinderschutzbund in Amberg und Gründerin der Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern „BeKi- Besondere Kinder“ erläuterten. Beide gaben sowohl fachlichen Input zum Thema und steuerten Praxisberichte aus dem Alltag mit besonderen Kindern bei. Nach einem Grußwort und einer Einführung durch den 2. Bürgermeister der Stadt Amberg Martin J. Preuß informierte zunächst Dr. Hench über die Merkmale von Autismus, die verschiedenen Formen, über Ursachen und Auswirkungen sowie über den aktuellen Forschungsstand.

Der Begriff Autismus hat seinen Darlegungen zufolge seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet im übertragenen Sinne „auf sich selbst bezogen“. Man verstehe darunter eine tiefgreifende Entwicklungsstörung mit durchgehenden und meist schon recht früh auftretenden Auffälligkeiten. Häufig ist die soziale Interaktion und Kommunikation beeinträchtigt. Außerdem kennzeichnen stereotype Verhaltensmuster und Interessen das Störungsbild. Hench warnte aber vor vorschnellen Diagnosen. Schließlich handle es sich um ein komplexes Störungsbild, das mit verschiedensten Kriterien einhergeht und daher einer intensiven klinischen Abklärung bedarf. Was viele Fachkräfte überraschte: Jungen sind drei- bis viermal häufiger betroffen als Mädchen. Die Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Amberg, seit Mitte des Jahres in der Marienstraße zu finden, sei ein kompetenter Ansprechpartner für Familien mit autistischen Kindern und kann unterstützen, die bestmögliche Förderung und Therapie für die Kinder zu gewährleisten.

Im Anschluss berichtete Daniela Bernschneider aus dem Alltag mit autistischen Kindern. In ihrer Selbsthilfegruppe „BeKi“ haben Betroffene die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu beraten. Mit einem autistischen Kind kann ein vermeintlich normaler Gang über den Marktplatz ein kleines Abenteuer werden. Sobald ein kleines Detail nicht in die gewohnte Tagesstruktur eines Autisten passt, kann dies zu einem Ausraster führen. Dann hilft nichts mehr, nur Ruhe bewahren, so Bernschneider. Die Blicke und Kommentare anderer Menschen, die häufig erst einmal wenig Verständnis zeigen, helfen dabei natürlich nicht. Besonders wichtig sei es daher, die feste Struktur möglichst einzuhalten und, wenn möglich, auf Veränderungen früh hinzuweisen. Erste Anzeichen für autistisches Verhalten gebe es meist bereits im Säuglingsalter. Die Babys meiden den Blickkontakt beim Wickeln oder Füttern und können oftmals Körperkontakt nur schwer ertragen. Für die Eltern sei das natürlich hart und deshalb besonders wichtig, sich Hilfe zu suchen – vor allem, weil die Betreuung von Autisten in vielen Fällen eine Lebensaufgabe bleibt.


0 Kommentare