29.11.2018, 10:16 Uhr

Ungewünschte Schwangerschaften verhindern Gynäkologen-Verbände plädieren für eine Kostenübernahme bei Verhütungsmitteln

Prof. Dr. Anton Scharl, Chefarzt der Frauenkliniken Amberg, Tirschenreuth und Weiden. (Foto: Klinikum/Gräß)Prof. Dr. Anton Scharl, Chefarzt der Frauenkliniken Amberg, Tirschenreuth und Weiden. (Foto: Klinikum/Gräß)

Bereits im Jahr 2014 hatte der Berufsverband der Frauenärzte e. V. gefordert, hormonelle Verhütungsmittel für Frauen bis 25 Jahre kostenlos abzugeben, um die Zahl der unerwünschten Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche zu reduzieren. Ein Vorgehen, das von Prof. Dr. Anton Scharl, Direktor der Frauenkliniken Amberg, Tirschenreuth und Weiden sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG e. V.), erneut bekräftigt wird.

AMBERG Anlässlich der Öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages erneuerte das German Board and College of Obstetrics and Gynecology (GBCOG), in dem beide Verbände zusammengefasst sind, diese Forderung. „In den vergangenen Jahren ist die Rate der Schwangerschaftsabbrüche wieder angestiegen, obwohl sich der Verbrauch der ,Pille danach# seit dem Wegfall der Rezeptpflicht beinahe verdoppelt hat“, erklärt Prof. Scharl, für den die damaligen Forderungen aus dem Jahr 2014 aus heutiger Sicht noch drängender seien.

Problematisch sei dabei aber eine Verknüpfung der kostenlosen Abgabe von Verhütungsmitteln – unter Beibehaltung der ärztlichen Verordnungspflicht – mit dem Empfang von Sozialleistungen. Dies habe zwei Nachteile, so Prof. Scharl. Zum einen sei es für finanziell benachteiligte Frauen beschämend, eine Kostenübernahme mit dem Nachweis ihrer Bedürftigkeit zu beantragen; zum anderen würden durch dieses Konzept Frauen in Ausbildung und Studium sowie Frauen in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen nicht erfasst.

Die Vorteile eines kostenlosen Zugangs zu Verhütungsmitteln für alle Frauen unter Beibehaltung der frauenärztlichen Beratung und Verordnung und einer möglichen Altersgrenze von 25 Jahren würden deutlich überwiegen. „Frauen in finanziell angespannter Situation werden nicht mehr durch Kosten belastet, die Entscheidung für ein optimal geeignetes Verhütungsmittel ist nicht mehr abhängig von finanziellen Erwägungen und ungewünschte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche können so verhindert werden“, so Prof. Scharl.


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