28.11.2018, 09:43 Uhr

Gesundheit Bewegung im Kampf gegen den Krebs – Studien belegen Wirksamkeit

Dr. Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor Klinikum St. Marien Amberg; Dr. Freerk Baumann, Experte im Bereich der onkologischen Bewegungsmedizin; Doris Kölbl, Koordinatorin der Integrativen Onkologie am Klinikum St. Marien Amberg. (Foto: Klinikum/Kölbl)Dr. Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor Klinikum St. Marien Amberg; Dr. Freerk Baumann, Experte im Bereich der onkologischen Bewegungsmedizin; Doris Kölbl, Koordinatorin der Integrativen Onkologie am Klinikum St. Marien Amberg. (Foto: Klinikum/Kölbl)

Die Onkologische Bewegungs- und Trainingstherapie, kurz OTT, ist am Klinikum St. Marien Amberg im Fokus der Vortragsreihe „Integrative Onkologie“ gestanden.

AMBERG Die OTT ist ein personalisiertes bewegungstherapeutisches Konzept für Krebs-Patienten. Dr. Freerk Baumann, promovierter Sportwissenschaftler und Experte im Bereich der onkologischen Bewegungsmedizin, ist für den Vortrag extra aus Köln angereist. Er hat für seine herausragenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Komplementärmedizin und Naturheilverfahren bereits zahlreiche Preise bekommen.

„Die OTT, wie sie am Klinikum angeboten wird, hat bayernweit Vorbildcharakter und nachgewiesenermaßen in jeder Phase einer Krebserkrankung sehr positive Auswirkungen auf Nebenwirkungen wie beispielsweise Harninkontinenz, Lymphödeme oder das Fatigue-Syndrom“, erklärte der Experte. Zudem seien bei den Patienten auch Verbesserungen im Bereich der Kognition zu beobachten. Zahlreiche Studien bestätigen diese positiven Effekte. „Die Studienlage zeigt auch, dass die Therapie-Erfolge durch die Bewegungstherapie gesteigert werden können, wenn die Bewegung durch geschulte Therapeuten angeleitet und die Patienten gleichzeitig in Sachen Ernährung beratend begleitet werden.“ Ein solches Trainingsprogramm müsse aber immer individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt sein, damit es erfolgreich sein kann. „Wichtig ist auch, dass ausgebildete Fachleute die Therapie durchführen“, so Dr. Baumann. „So wie hier in Amberg, wo mit Martin Weinfurter und Tobias Härtl, zwei speziell für die Arbeit mit onkologischen Patienten ausgebildete Physiotherapeuten, mit den Patienten arbeiten.“

Trotz der Studienlage sei es für viele Kliniken und Krebszentren aber nicht einfach, die OTT anzubieten, kritisierte der Experte. Denn: Qualitätsgesicherte Bewegungsprogramme für Krebspatienten gehören derzeit noch nicht zum Heilmittelkatalog der Krankenkassen und die Kosten werden nicht übernommen. Da ist das Amberger Klinikum schon einen kleinen Schritt weiter: „Wir arbeiten intensiv daran, die Integrative Onkologie am Klinikum zu etablieren, und konnten mit der DAK bereits eine Kasse als Kooperationspartner gewinnen“, freut sich Dr. Harald Hollnberger, der Ärztliche Direktor. „Die Integrative Onkologie ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir möchten unseren onkologischen Patienten zusätzlich zur Schulmedizin komplementäre Angebote aus den Bereichen Bewegung, Ernährung und Entspannung bieten. Das muss allerdings finanziert werden und dafür vertrauen wir auf weitere Krankenkassen, die dem wichtigen Schritt der DAK folgen.“

Am Schluss hatte Dr. Baumann noch eine Überraschung parat: Im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses hat er 4,4 Millionen Euro Fördergelder für die weitere Forschung erhalten. Damit möchte er sich weiter dafür engagieren, dass die OTT in das Leistungsprogramm der Krankenkassen aufgenommen wird, damit sie in Zukunft bundesweit allen interessierten Krebspatienten angeboten werden kann. „Das bestätigt uns darin, mit dem Angebot der Integrativen Onkologie auf dem richtigen Weg zu sein“, so Doris Kölbl, die Koordinatorin der Integrativen Onkologie. „Das macht uns Mut, weiter für eine Kassenzulassung des Programms zu kämpfen. Denn wir wollen unseren Patienten unbedingt auch weiterhin integrative Angebote im Rahmen der schulmedizinischen Behandlung vor Ort anbieten. So habe die Patienten die Sicherheit, dass diese jeweils mit dem behandelnden Onkologen abgestimmt sind.“


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