18.07.2018, 12:48 Uhr

Patientenforum Diabetologie Diagnose Diabetes – das ist kein Zuckerschlecken

(Foto: Claudia Seitz)(Foto: Claudia Seitz)

Der Diabetologe Dr. Johann Hartl propagiert Ernährung, Bewegung, Schulung, Selbstkontrolle und ärztliche Untersuchungen als wichtige Helfer für ein Leben mit Diabetes und ohne große gesundheitliche Einschränkungen.

SCHWANDORF „Diabetes ist letztendlich eine gefäßschädigende Erkrankung“, bringt Dr. Johann Hartl seine Botschaft beim Patientenforum Diabetologie auf den Punkt. Der Facharzt für Innere Medizin ist nicht nur am Krankenhaus St. Barbara ein gefragter Fachmann für alle, die mit der Diagnose Diabetes leben müssen. Ganz klar sagt er den zahlreichen Zuhörern, dass man gegen das Alter, das Geschlecht und familiäre Veranlagung keine Chance habe. Aber viele andere Faktoren, die das persönliche Diabetes-Risiko erhöhen, könne man beeinflussen. Das bedeutet im Klartext: Eine Ernährung, die zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führt, hohen Blutdruck, Diabetes mellitus, hohe Cholesterinwerte, krankhaftes Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen gilt es zu vermeiden.

Der richtigen Ernährung im Krankheitsfall ließ der in Nittenau niedergelassene Diabetologe besondere Aufmerksamkeit zukommen, wählte gar drastische Worte: „Wer den Kohlenhydratkonsum und hier vor allem die verarbeiteten Kohlenhydrate nicht deutlich auf unter 30 Gramm pro Tag reduziert, begeht langfristig gesehen mit Messer und Gabel Selbstmord auf Raten.“ Seine Empfehlung für Diabetes-Patienten lautet zum Frühstück weder Marmelade noch Honig und kein Weißbrot zu essen. Mittags ist höchstens ein halber Knödel beziehungsweise eine kleine Portion Nudeln, Reis oder Kartoffeln erlaubt. Abends rät er dazu, nach 18 Uhr fast nichts mehr zu essen. Grundsätzlich sind höchstens 100 Gramm Brot – Vollkorn- oder Dinkelbrot – pro Tag erlaubt. Auf Süßigkeiten sollte verzichtet werden.

Menschen mit Diabetes mellitus werden im Idealfall gleichzeitig von ihrem Hausarzt, einem Facharzt und soweit notwendig auch im Krankenhaus betreut. Bei 98 Prozent aller Diabetiker ist eine ambulante medizinische Versorgung ausreichend. Nur zwei Prozent müssen stationär aufgenommen werden. Dies trifft vor allem auf Notfällen oder bei schweren Komplikationen zu. Für diese zwei Prozent der Fälle ist es wichtig, von einem Team aus Diabetologen, Diabetesberatern und speziell geschulten Pflegekräften betreut zu werden. Das ganzheitliche, am Krankenhaus St Barbara umgesetzte Behandlungskonzept sieht zudem die enge Zusammenarbeit mit Kardiologen, Nephrologen, Chirurgen und Radiologen vor.

Die moderne Diabetesbehandlung erfordert laut Dr. Johann Hartl zudem eine intensive Schulung der Patienten sowie eine qualifizierte Fußversorgung. Nicht umsonst gibt es den Befund „Diabetischer Fuß“, der unbehandelt im schlimmsten Fall zur Amputation führen kann. Durch eine intensive und individuelle Betreuung versuche er, diesen endgültigen Schritt zu verhindern. Sein Konzept gibt ihm recht: So liegt die Amputationsrate bei von ihm betreuten Diabetikern bei gerade mal einem Viertel des für Bayern erhobenen Werts.


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