04.02.2018, 13:54 Uhr

Volkskrankheit „Sodbrennen“ Gesundheitsforum informiert über Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung

(Foto: Klinikum/Gräß)(Foto: Klinikum/Gräß)

Informationen rund um Präventionsmöglichkeiten und Behandlungsmethoden von verschiedenen Erkrankungen und der direkte Dialog mit den Experten – darum gehe es beim „Gesundheitsforum“ im Amberger Rathaus. „Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, den Bürgern das breite Leistungsspektrum und die moderne Medizin unseres Klinikums vorzustellen“, so der zweite Bürgermeister Martin Preuß in seiner Begrüßung beim zweiten Vortrag der Veranstaltungsreihe. Thema diesmal war „Sodbrennen“. Informationen dazu gab es von Priv.-Doz. Dr. Marc Dauer, dem Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II am Klinikum St. Marien Amberg.

AMBERG „Sodbrennen ist in unseren Breitengraden eine echte Volkskrankheit. Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran“, so der Referent. „Es ist eine Krankheit der Wohlstandsgesellschaften, die in der sogenannten westlichen Welt mehr und mehr zunimmt.“ Unter anderem die Gründe dafür: Gewohnheiten wie Alkohol- und Nikotinkonsum, umfangreiche und späte Mahlzeiten oder Übergewicht und mangelnde Bewegung. „Sitzen ist das neue Rauchen“, erklärte der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II den Zuhörern. „Viele von uns arbeiten viel im Sitzen und bewegen sich auch in ihrer Freizeit zu wenig.“

Auslöser für Sodbrennen ist der Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. „Normalerweise gibt es einen Verschlussmechanismus, der den Magen nach oben hin geschlossen hält. Funktioniert dieser Verschluss nur noch unzureichend, kann Magensäure zurück in die Speiseröhre fließen. Das nennen wir Ärzte Reflux“, erklärte Priv.-Doz. Dr. Dauer. „Nicht jeder Reflux verursacht automatisch auch Sodbrennen. Von einer Reflux-Erkrankung sprechen wir, wenn der Rückfluss von Mageninhalt Komplikationen oder störende Symptome verursacht.“ Symptome können unter anderem Sodbrennen, Brustschmerzen, Völlegefühl, Brechreiz, Schluckbeschwerden aber auch Husten oder Heiserkeit sein.

Grundsätzlich gibt es zwei Formen der Reflux-Erkrankung: Die erosive und die nicht-erosive. „Bei der erosiven Form entstehen durch den immer wiederkehrenden Rückfluss von Magensäure Schleimhautdefekte in der Speiseröhre“, schilderte der Experte. „Diese Verätzungen entstehen bei der nicht-erosiven Form der Erkrankung nicht, aber auch hier leiden die Betroffenen unter Schmerzen.“ Wie schwer die Erkrankung ist, kann durch eine Magenspiegelung abgeklärt werden. Dabei handelt es sich um eine harmlose Routineuntersuchung, die etwa zehn Minuten dauert. Die Patienten dürfen sechs Stunden vorher nichts essen und bekommen eine Betäubung – so ist der Eingriff in der Regel für sie schmerzfrei.

„Treten Symptome zum ersten Mal auf, sollte auf jeden Fall eine Spiegelung gemacht werden. Das dient der Diagnosesicherung und dem Ausschluss von Komplikationen. Denn bei der Spiegelung sehen wir die Veränderungen der Schleimhaut in der Speiseröhre sehr gut und wir können vor allem deren Ausmaß bestimmen. Je nach Art und Größe der Defekte wird anschließend die weitere Therapie geplant.“ Bei einer bekannten Reflux-Erkrankung muss nur gespiegelt werden, wenn beispielsweise neue Symptome auftreten, die Medikamente nicht mehr wirken oder bekannte Komplikationen überwacht werden müssen.

Behandelt werden kann Sodbrennen auf verschiedene Arten. Eine Möglichkeit: Die nicht-medikamentöse Behandlung. „Dabei gilt es die Auslöser auszuschalten. Das heißt, Übergewicht zu reduzieren, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten und bestimmte Nahrungsmittel wie Kaffee, Weißwein oder Schokolade zu reduzieren“, so Priv.-Doz. Dr. Dauer. „Außerdem kann es helfen, die Ernährungs- und Schlafgewohnheiten zu ändern.“ So sollten Betroffene abends spätestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen essen, dabei auf große Portionen verzichten und beim Schlafen den Oberkörper leicht hochlagern. „Mit diesen Maßnahmen kann man erstaunlich viel erreichen.“

Reicht das nicht aus, gibt es verschiedene Medikamente, um Symptome und Komplikationen zu vermeiden: „Die einen neutralisieren die Magensäure, andere hemmen die Produktion der Magensäure. Je nach Art der Erkrankung werden die passenden Medikamente nach den allgemein geltenden Standards ausgewählt. Wir versuchen, uns bei jedem Patienten individuell so an die richtige Dosierung heranzutasten, dass er oder sie mit möglichst wenig Tabletten auskommt. Es gibt aber auch Patienten, die nie beschwerdefrei sind. Sie brauchen eine Dauertherapie.“ Die Risiken bei der Einnahme der Medikamente sind sehr gering – dennoch müssen Ärzte offen mit den betroffenen Patienten darüber sprechen, dass beispielsweise die Infektionsrate für Lungenentzündungen oder Darminfektionen bei Risikopatienten oder das Frakturrisiko bei Frauen mit Osteoporose durch die dauerhafte Einnahme der Reflux-Medikamente erhöht werden kann.

Der letzte Schritt sei die OP: Die Chirurgen operieren in Schlüsselloch-Technik, also mit sehr kleinen Schnitten. „Bei dem Eingriff wird das Zwerchfell gerafft und mithilfe des Magens eine Manschette gebildet, die den Weg in die Speiseröhre abdichten soll.“ Aber die OP sei nicht unproblematisch und werde deshalb nur bei streng ausgewählten Patienten empfohlen, so der Experte. Diese müssen beispielsweise eine jahrelange Vorgeschichte mit den typischen Beschwerden einer Reflux-Erkrankung, die die Lebensqualität stark einschränken, mitbringen. Außerdem müsse die Undichtigkeit des Verschlussmechanismus‘ nachgewiesen sein. „Es ist extrem wichtig, dass die Voruntersuchungen sorgfältig gemacht werden“, erläuterte Priv.-Doz. Dr. Dauer. „Denn die breite Masse wird nicht von diesem Eingriff profitieren – Patienten, die nicht hundertprozentig für eine OP in Frage kommen, nehmen nur das Risiko in Kauf.“

Am Dienstag, 6. Februar, startet ab 19.30 Uhr der dritte und letzte Vortrag des diesjährigen Gesundheitsforums. Prof. Dr. Hamid Hossain, der Chefarzt für Mikrobiologie in Amberg und Weiden, spricht dann unter anderem über multiresistente Krankheitserreger und gibt wertvolle Tipps, wie man sich bestmöglich vor Infektionen schützen kann. Einlass in den Großen Rathaussaal in Amberg ist ab 19 Uhr.


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