26.01.2018, 18:30 Uhr

Gesundheitsforum Was die moderne Neurochirurgie heute alles kann ...

Thomas Boss, Leiter Volkshochschule Amberg; Priv.-Doz. Dr. Hischam Bassiouni, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie Amberg/Weiden; Michael Cerny, Oberbürgermeister Amberg. (Foto: Klinikum/Gräß)Thomas Boss, Leiter Volkshochschule Amberg; Priv.-Doz. Dr. Hischam Bassiouni, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie Amberg/Weiden; Michael Cerny, Oberbürgermeister Amberg. (Foto: Klinikum/Gräß)

Es ist unsere „Schaltzentrale“: das Gehirn. Und genau das ist jetzt beim Gesundheitsforum 2018, das von der VHS Amberg und dem Klinikum St. Marien Amberg jedes Jahr organisiert wird, Thema gewesen.

AMBERG „Zieht man einen Vergleich zur IT, dann würden Fachleute sagen, dass es kein Problem ist, die Festplatte auszutauschen“, so Oberbürgermeister Michael Cerny bei der Begrüßung. „Aber am Prozessor zu arbeiten – davon würde Ihnen jeder abraten. Deshalb bin ich sehr gespannt auf den heutigen Vortrag.“ Referent war Priv.-Doz. Dr. Hischam Bassiouni, der neue Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie in Amberg und Weiden. „Ich bin froh, dass wir als Schwerpunktkrankenhaus mit Dr. Bassiouni und seinem Team auch in dem Bereich Neurochirurgie eine gute Expertise vorweisen können“, so Cerny weiter. „Die Gesundheitsversorgung ist in Amberg extrem leistungsfähig – wenn Notfälle eingeliefert werden, sind viele Spezialisten vor Ort. So können wir weite Wege für die Patienten verhindern.“

Seit 2017 ist Priv.-Doz. Dr. Bassiouni als Chefarzt tätig. Seine Spezialgebiete sind unter anderem Hirntumore oder Tumore an der Wirbelsäule, die Schädelbasischirurgie, Gefäßmissbildungen, Bandscheibenchirurgie und die Neurochirurgie bei Neugeborenen und Kindern. Mit seinem Vortrag beim Gesundheitsforum wollte er vor allem Eines: Angst abbauen. „Denn in der ‚Schaltzentrale‘ lässt sich sehr effektiv operieren“, erklärte er. „Wir haben in der Klinik ein hochmodernes Navigationssystem, mit dem wir den Tumor sehr genau lokalisieren können. Deshalb müssen wir bei einer Operation am Gehirn beispielsweise wegen eines Tumors auch nicht mehr den kompletten Kopf kahl rasieren.“ Es müsse nur sehr begrenzt rasiert und auch geschnitten werden – auch im Hinblick auf das kosmetische Ergebnis, das für die Patienten sehr wichtig sei. „Wir achten sehr auf die Kosmetik. Wir überlegen uns genau, wie wir zum eigentlichen Operationsort kommen, wählen sehr kleine Zugänge und können so oft große, sichtbare Narben vermeiden“, so Priv.-Doz. Dr. Bassiouni. Bei allen Tumorerkrankten müsse der Verlauf nach einer Operation immer wieder kontrolliert werden. Deshalb sei eine jahrelange Nachsorge extrem wichtig.

Auch Aneurysmen operieren Priv.-Doz. Dr. Bassiouni und sein Team. Dabei handelt es sich um krankhafte Gefäß-Aussackungen, die, wenn sie zu spät erkannt werden, zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen können. „Solche Fälle besprechen wir im NeuroRadiologischen Zentrum Nordostbayern, in dem die Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie aus Amberg und Weiden sowie die Neuroradiologie in Weiden eng zusammenarbeiten.“ Die Ärzte aller nötigen Fachrichtungen legen dort gemeinsam fest, welche Behandlung die bestmögliche für den jeweiligen Patienten ist. „Ist eine Operation notwendig, ist das Sache der Neurochirurgie. Wir versuchen dann, das Aneurysma vom normalen Gefäßkreislauf abzuklemmen, damit es nicht weiter wachsen und irgendwann vielleicht platzen kann.“ Hilfe bei diesem Eingriff bietet die sogenannte Fluoreszenz-Angiographie: „Dabei bekommt der Patient einen fluoreszierenden Farbstoff intravenös verabreicht. Durch Vorschalten eines Filters kann der Operateur das in der Blutzirkulation sehen“, erklärte der Experte. „So können wir gleich während der OP sehen, ob die Durchblutung der Gefäßmissbildung schon voll ausgeschaltet ist und ob die übrigen Gefäße weiter gut durchblutet werden.“

Egal ob Bandscheibe, Schmerzsyndrom, Zyste oder Tumor – die moderne Neurochirurgie kann mithilfe neuester Technologien Vieles: „Für die Operationen steht uns hochmoderne Technik zur Verfügung“, erläuterte Priv.-Doz. Dr. Bassiouni. „Sie erlaubt uns punktgenaues Arbeiten. Und auch während der Operationen haben wir bestimmte Überwachungsmöglichkeiten, die uns dabei helfen, so genau wie möglich zu operieren.“ Das alles diene der Vermeidung neurologischer Spätfolgen, der Erhaltung der Lebensqualität und damit der Sicherheit der Patienten. „Wir können viele Patienten tatsächlich komplett heilen. Es ist immer wieder schön, zu sehen, wenn Patienten, die mit Halbseitenlähmungen, Gangstörungen oder schwerwiegenden Sehstörungen zu uns gekommen sind, nach der Operation sich wieder wesentlich besser bewegen oder sehen können. Das funktioniert natürlich nicht in jedem Fall, aber es ist faszinierend, was heute alles möglich ist.“

Allerdings komme es nicht immer nur auf die Technologie an, so der Neurochirurg. „Sie ist nur Hilfsmittel für die Durchführung der Operation. Vor allem die Fertigkeiten des Chirurgen sind ausschlaggebend dafür, dass der Eingriff bestmöglich gemacht werden kann.“ Das Wichtigste seien immer die Gespräche mit den betroffenen Patienten und deren Angehörigen, die genaue Untersuchung und Planung sowie Durchführung der Operation und das Verantwortungsgefühl der Ärzte vor, während und nach dem stationären Aufenthalt. „Wir müssen immer als Ansprechpartner für unsere Patienten zur Verfügung stehen. Das halte ich für die optimale Behandlung mindestens genauso wichtig wie alle technischen Neuerungen“, so Priv.-Doz. Dr. Bassiouni.

„Es ist beeindruckend, was man mit der modernen Neurochirurgie alles wieder herstellen kann“, schloss Thomas Boss, der Leiter der Amberger Volkshochschule, den Abend. Abschließend wies er noch auf den nächsten Termin beim Gesundheitsforum 2018 hin: Da geht es am Dienstag, den 30. Januar 2018, um das Thema „Sodbrennen“. Der Vortrag von PD Dr. Marc Dauer, dem neuen Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II, beginnt um 19:30 Uhr im Großen Rathaussaal. Der Eintritt ist wie immer frei, alle Interessierten sind herzlich willkommen.


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