18.12.2017, 09:17 Uhr

„Ratgeber Gesundheit“ Schlüsselloch-Chirurgie – kleine Schnitte, kleine Narben, schnellere Genesung

Dr. Thomas Papathemelis, Leitender Oberarzt der Klink für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum St. Marien Amberg, bei einem minimal-invasiven Eingriff im OP. (Foto: Klinikum/Gräß)Dr. Thomas Papathemelis, Leitender Oberarzt der Klink für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum St. Marien Amberg, bei einem minimal-invasiven Eingriff im OP. (Foto: Klinikum/Gräß)

Die Schlüsselloch-Chirurgie bei Frauen, also Operationen mit kleinen Schnitten, sind jetzt Thema beim „Ratgeber Gesundheit“ am Klinikum St. Marien Amberg gewesen.

AMBERG „In den letzten 15 Jahren hat sich in der Frauenheilkunde und auch in der operativen Medizin viel getan“, erklärte Dr. Thomas Papathemelis, der Leitende Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Früher galt oft: ‚Big hole, big surgeon.‘, also: Je größer der Schnitt bei einer Operation, desto größer das Können des Operateurs. Das hat sich mittlerweile völlig umgekehrt.“

Heute können die meisten Erkrankungen in der Frauenheilkunde mit kleinen Schnitten, also minimal-invasiv, operiert werden. Der Zugang erfolgt dann über eine Spezialnadel durch die untere Nabelgrube. Der Bauch des Patienten wird vor der Operation mit CO2 „aufgepumpt“, damit der Operateur während des Eingriffs genügend Platz zum Operieren hat und auch genug sieht. „Die Kamera, die wir zum Operieren brauchen, wird über den Nabel eingebracht, die Instrumente über Arbeitstrokare im Unterbauch“, erläuterte Dr. Papathemelis. „So können wir ganz einfach Gewebeproben entnehmen, den gesamten Bauchraum einsehen und eben auch analog zum offenen Verfahren operieren.“

Auch in Amberg wird die minimal-invasive OP-Methode oft genutzt: „Daten aus dem Krebsregister in Regensburg belegen, dass wir in der Region im Vergleich zu den Häusern der Umgebung inklusive der Uniklinik Regensburg, die höchste Rate von minimal invasiven onkologischen Operationen vorweisen können. Darauf können wir durchaus stolz sein.“ Operiert werden können beispielsweise gutartige Erkrankungen wie Myome. Dabei handelt es sich um gutartige Muskelgeschwulste – die häufigste gutartige gynäkologische Erkrankung bei jungen Frauen. „Eine Operation sollte nur erfolgen, wenn die Frauen Probleme wie zum Beispiel Blutungen haben“, schilderte Dr. Papathemelis. „Sollte eine OP nötig sein, lassen sich Myome sehr elegant minimal-invasiv operieren.“ Auch eine Endometriose kann so sehr gut operiert werden. „Endometriose ist eine gutartige, aber oft schmerzhafte Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle zu finden ist. Warum das so ist, ist noch nicht vollständig wissenschaftlich geklärt.“

Auch bei bösartigen Erkrankungen wie Gebärmutterschleimhaut- oder Gebärmutterhalskrebs können Gynäkologen minimal-invasiv operieren. „Wobei beim Gebärmutterhalskrebs die beste Behandlungsmethode die Prävention ist“, so der Gynäkologe. „Denn Gebärmutterhalskrebs ist eine der wenigen Krebsarten, die nahezu ausschließlich durch Viren verursacht wird. Deshalb ist eine Impfung die beste und wirksamste Maßnahme, diese Erkrankung möglichst auszurotten.“ Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher eine Impfung für Mädchen zwischen neun und 14 Jahren. „Auch später macht eine Impfung durchaus noch Sinn, wenn die Patientin negativ auf die Viren getestet wurde.“

Komplikationen wie Blutungen, Nachblutungen oder verletzte Nachbarorgane sind bei minimal-invasiven Eingriffen nicht auszuschließen aber dennoch sehr selten. Und: Die Methode hat auch Nachteile: Einer davon liegt für den Operateur beispielsweise darin, dass die dreidimensionalen Strukturen im Körper auf dem OP-Monitor nur zweidimensional zu sehen sind. „Das heißt, dass die Tiefenwahrnehmung verloren geht“, erklärte der Experte. „Diese OP-Methode erfordert deshalb eine große Erfahrung des Operateurs. Diese Erfahrung bekommt man bei offenen Operationen viel schneller, die Lernkurve bei minimal-invasiven Eingriffen ist wesentlich länger.“

Für den Chirurgen hat die minimal-invasive Methode aber natürlich auch Vorteile: „Wir sehen auf dem Monitor alles vergrößert, die Bildqualität ist sehr hoch. Somit können wir alles genauer erkennen und auch dementsprechend präziser operieren. Außerdem wird durch die Kamera der Eingriff auch gleich dokumentiert, weil alles, was während der Operation auch aufgenommen wird.“

Die Vorteile für die Patienten liegen klar auf der Hand: „Wir können wesentlich kleinere Schnitte machen. Das bedeutet: Kleinere Wunden, kleinere Narben, geringerer Blutverlust, weniger Schmerzen nach der Operation und schnellere Erholung für die Patienten“, so Dr. Papathemelis. Und die Forschung steht nicht still, um Operationen künftig für die Patienten noch schonender zu machen: „So operieren wir beispielsweise als eine der ersten Kliniken mit einer sogenannten Fluoreszenz-Kamera“, erklärte Dr. Papathemelis. „Diese innovative Technik hilft uns mit großer Präzision Wächterlymphknoten darzustellen und schonend zu operieren.“


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