08.01.2021, 09:57 Uhr

Experte gibt Ratschläge Nierenschwäche – oft zu spät erkannt und großes Risiko in der COVID-19-Pandemie

Abteilung für Nephrologie, Prof. Dr. Bernhard Banas, MBA, Visite auf Dialyseabteilung. Foto: UKR/Martin MeyerAbteilung für Nephrologie, Prof. Dr. Bernhard Banas, MBA, Visite auf Dialyseabteilung. Foto: UKR/Martin Meyer

Nierenleiden werden noch immer zu spät diagnostiziert. Dabei ließe sich der Verlust der Nierenfunktion oftmals deutlich verzögern, wenn die Probleme rechtzeitig erkannt würden.

Regensburg. Prof. Dr. Bernhard Banas, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen am Caritas-Krankenhaus St. Josef und Leiter der Abteilung für Nephrologie am Universitätsklinikum Regensburg, rät deshalb: „Nehmen Sie Vorsorgeuntersuchungen auch jetzt wahr, denn Nierenkranke haben ein besonders hohes Risiko, an COVID-19 zu versterben.“

In Deutschland haben Frauen und Männer zwischen 18 und 34 Jahren einen Anspruch auf eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung, auch Gesundheits-Check-up genannt. Ab dem 35. Lebensjahr kann der Check-up sogar alle drei Jahre wiederholt werden. Er hat das Ziel, häufig auftretende Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes und andere persönliche Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen. Auch einen Urintest, der frühzeitig Aufschluss über eine Schädigung der Nieren gibt, beinhaltet die Untersuchung.

Aktuell werden in Deutschland mehr als 90.000 Menschen mit terminaler Nierenerkrankung regelmäßig dialysiert. Jeder zehnte Bundesbürger hat Schätzungen zufolge eine eingeschränkte Nierenfunktion, jeder dreißigste sogar höhergradig. Aber leider wissen viele nichts davon. „Die Nieren leiden leise“, weiß Prof. Banas. „Fast alle Nierenerkrankungen tun nicht weh. Bluthochdruck ist immer ein Grund, die Nieren genau zu untersuchen. Treten körperliche Symptome wie Flüssigkeit in Beinen und Augenlidern, Atemnot oder eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit auf, ist die Erkrankung oft schon weit fortgeschritten.“

Da chronische Nierenerkrankungen meist schleichend kommen, werden sie häufig unterschätzt. Das ist deshalb so gefährlich, da die Nieren lebenswichtige Arbeit leisten: Sie sind „der Filter des Körpers“. 300-mal täglich fließt unser Blut durch die Nieren. Sie sortieren Giftstoffe und überschüssige Flüssigkeiten aus und sorgen dafür, dass sie über den Urin abtransportiert werden. Darüber hinaus reguliert das Organ unter anderem den Wasser- und Salzhaushalt unseres Körpers sowie den Blutdruck. Dort werden auch lebenswichtige Hormone ausgeschüttet, zum Beispiel für die Bildung von roten Blutkörperchen sowie den Knochenstoffwechsel.

Erkranken die Nieren, wird der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen: „Ich sehe oft Patienten, bei denen aufgrund der eingeschränkten Nierenfunktion auch das Herz-Kreislaufsystem nicht mehr richtig funktioniert oder andere Organe erkrankt sind“, berichtet Prof. Banas. Ursachen für eine gestörte Nierenfunktion sind häufig Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Aber auch eine sogenannte Nierenkörperchenentzündung sowie genetisch bedingte Nierenzysten oder wiederkehrende Nierenbeckenentzündungen können Auslöser für eine chronische Niereninsuffizienz sein.

Wie wichtig gesunde Nieren sind, zeigt sich aktuell in der COVID-19-Pandemie. Beatmete Corona-Patienten mit dialysepflichtigem Nierenversagen haben eine Sterblichkeit von über 70 Prozent und gehören damit zu der Gruppe mit dem allerhöchsten Risiko. Auch sind Dialyseeinheiten sehr häufig von schweren COVID-19 Ausbrüchen betroffen. Die Infektionen bedrohen dann Patienten und Personal lebensgefährlich. „Wenig verständlich ist daher, dass weder Dialysepatienten noch dem Dialysepersonal höchste Priorität für Impfungen eingeräumt wurde“, wundert sich Prof. Banas.

Wer seine Niere gesund halten möchte, sollte Bluthochdruck und Diabetes vorbeugen: „Deshalb empfehlen wir, sich regelmäßig zu bewegen, sich gesund und salzarm zu ernähren, Übergewicht zu reduzieren und nicht zu rauchen“, sagt Prof. Banas.


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