30.10.2020, 13:47 Uhr

Akutversorgung Zahntraumazentrum des UKR versorgt 1.000. Patienten

Das Team des Zahntraumazentrums der Uniklinik. Foto: UKR/Klaus VölDas Team des Zahntraumazentrums der Uniklinik. Foto: UKR/Klaus Völ

Das Zahntraumazentrum (ZTZ) des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) versorgte vor kurzem den 1.000. Patienten. Dieses in Ost- und Südbayern einzigartige Notfallzentrum bietet darüber hinaus weit mehr als nur eine schnelle und zielführende Zahnbehandlung: Neben der Patientenversorgung bilden Wissenschaft, Fortbildung, Aufklärung und Prävention die Bandbreite des 2016 gegründeten interdisziplinären Zentrums ab.

Regensburg. Eine kleine Unachtsamkeit beim Treppensteigen, eine Rangelei unter Freunden oder ein Sturz mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Zahnunfälle sind schnell passiert, kommen völlig überraschend und meist sind die ästhetisch wichtigen Frontzähne verletzt. „Ein Großteil der Zahnschäden im Milch- sowie bleibenden Gebiss betrifft die Schneidezähne des Oberkiefers“, erklärt Professor Dr. Wolfgang Buchalla, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des UKR. In einem solchen Fall spielt – wie so häufig in der Medizin – der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle über Wohl und Weh des Patienten. „Bei einem Zahntrauma kann eine schnelle, professionelle zahnmedizinische Behandlung wesentlich zur Erhaltung der traumatisierten Zähne beitragen. Um Patienten genau diese benötigte Sofortbehandlung auf höchstem Niveau anbieten zu können, haben wir uns vor vier Jahren entschlossen, das Zahntraumazentrum Regensburg zu gründen.“

Zahnerhaltung als oberstes Behandlungsziel

„Im ZTZ bieten wir unseren Patienten eine optimale interdisziplinäre Sofortbehandlung. Diagnostik, Dokumentation und Therapie von Zahntraumata und Verletzungen im Gesichtsbereich erfolgen dabei nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen“, ergänzt Professor Dr. Dr. Torsten E. Reichert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des UKR. Zum Behandlungsspektrum gehören neben den klassischen Zahnschäden auch die Behandlung von Knochen- und Weichgewebsverletzungen. Um eine individuelle Behandlungsplanung zu erstellen und ein optimales Komplikationsmanagement zu betreiben, wurde zudem eine wöchentliche Spezialsprechstunde eingerichtet.

Ob ein verschobener oder ausgeschlagener Zahn oder der Verlust von Zahnfragmenten – die Notwendigkeit der Einrichtung einer solchen 24-Stunden-Notfallambulanz wird mit der Behandlung des nunmehr schon eintausendsten Patienten in vier Jahren unterstrichen. Dabei lässt sich aus den Statistiken der ersten Jahre eine klare Tendenz ablesen. „Anhand der Zahlen kann man sagen, dass mehr Männer als Frauen mit Zahnunfällen in die Notfallambulanz kommen, ihr Anteil liegt bei über 60 Prozent. Zudem sind die allermeisten Patienten jünger als 20 Jahre“, weiß PD Dr. Matthias Widbiller, Oberarzt der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie. „Außerdem ist zu beobachten, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Patienten leicht anstieg, und das Angebot von den Betroffenen dankbar angenommen wird.“ Auch in puncto Nachsorge von Zahntraumata unterstützt das ZTZ seine Patienten. „Wir arbeiten eng und engagiert mit den Hauszahnärzten in der Region zusammen und stimmen die Weiterversorgung mit diesen ab“, so PD Dr. Widbiller weiter.

Zusammenarbeit der Disziplinen am Universitätsklinikum Regensburg

Die interdisziplinäre Versorgung der Patienten im ZTZ übernehmen federführend die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie sowie die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Je nach Fallschwere oder Fallanforderung stehen dem Team bei Therapie und Diagnostik die Spezialisten der Poliklinik für Kieferorthopädie, der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik, der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie mit Anbindung an das Traumanetzwerk Ostbayern und der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin zu Seite.

Prävention, Fortbildung und Forschung

Außerhalb der Akutversorgung und der Nachsorge von Zahn- und Kieferverletzungen spielt für die Experten des Zahntraumazentrums die Prävention eine wichtige Rolle. So konnten in den vergangenen Jahren im Rahmen des Projektes „Rettet die Zähne“ mehr als 100 Schulen in Stadt und Landkreis Regensburg sowie alle Rettungsdienste in der Oberpfalz mit sogenannten „Zahnrettungsboxen“ ausgestattet werden. Wird ein ausgeschlagener Zahn schnellstmöglich darin gelagert, kann er mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in das Zahnfach zurückgesetzt werden und dort festwachsen. Wie man dabei am besten vorgeht und bei Zahnunfällen Erste Hilfe leistet, erklärten die Mitarbeiter des Zentrums unter anderem den Schulsanitätsgruppen der St.-Marien-Schulen in Regensburg sowie des Gymnasiums Neutraubling. Prominente Unterstützung fand das ZTZ in Landrätin Tanja Schweiger, der die zahnmedizinische Versorgung im Zuge der Gesundheitsregionplus besonders am Herzen liegt.

„Uns ist es wichtig, dass wir Kinder und Jugendliche für einen sorgsamen und bewussten Umgang mit ihren Zähnen sensibilisieren. Denn neben ästhetischen Gründen haben die Zähne ein Leben lang viele wichtige Funktionen, beispielsweise für das Kauen und Sprechen, die es zu erhalten gilt“, sind sich Professor Buchalla und Professor Reichert einig.

Neben der Ausbildung von Studierenden im Bereich der Zahntraumatologie finden auch interne Weiterbildungen für die Mitarbeiter der Zahn-, Mund- und Kieferklinik statt. Zudem werden regelmäßig Fortbildungen für externe Zahnärzte angeboten, um das Know-how universitärer Zahnmedizin weiterzugeben und interessierte Zahnärzte über neueste Behandlungsverfahren zu informieren.

Auch zur Forschung trägt das Zahntraumazentrum maßgeblich bei. Die Erfahrungen aus der Versorgung von nunmehr 1.000 Patienten werden in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Klinische Studien des UKR wissenschaftlich bewertet und analysiert. „Dadurch können viele wichtige und spannende Fragen beantwortet werden: Wo und wann geschehen die meisten Zahnunfälle? Wie kommt es zum Zahntrauma? oder Welche Personen sind besonders gefährdet?“, erläutert Professor Dr. Michael Koller, Leiter des Zentrums für klinische Studien am UKR. Ableitend von den Erkenntnissen lassen sich Strategien entwickeln, um weitere Unfälle zu vermeiden, die Erstversorgung vieler Patienten zu verbessern und Folgekosten für Kranken- bzw. Unfallversicherungen zu minimieren.


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