28.09.2020, 11:33 Uhr

„Notanker“ Fast 100.000 Übernachtungen in zehn Jahren – Elternhaus des VKKK Ostbayern feiert Jubiläum

Andrea Rein, Liliana Pugliese, Helga Neukirchinger und Brigitte Lenz waren im September 2010 als erstes zu Gast. Die 2. Vorsitzende, Irmgard Scherübl, (links) und der 1. Vorsitzende, Prof. Franz-Josef Helmig, (rechts) begrüßten sie im neuen Elternhaus. Foto: Theresia BuhlAndrea Rein, Liliana Pugliese, Helga Neukirchinger und Brigitte Lenz waren im September 2010 als erstes zu Gast. Die 2. Vorsitzende, Irmgard Scherübl, (links) und der 1. Vorsitzende, Prof. Franz-Josef Helmig, (rechts) begrüßten sie im neuen Elternhaus. Foto: Theresia Buhl

Fast 100.000 Mal haben Eltern und Angehörige von jungen Krebspatienten seit der Eröffnung vor zehn Jahren im Elternhaus des VKKK übernachtet. „Wir betreiben eine Art Notanker für Familien, deren Kinder am Regensburger Uniklinikum behandelt werden“, sagt Prof. Dr. Franz-Josef Helmig, erster Vorsitzender des Vereins zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder Ostbayern e.V.. Nur ein paar Schritte von der Kinder-Uniklinik entfernt finden die Angehörigen ein bequemes Bett und können mit einem guten Frühstück in den neuen Tag starten.

Regensburg. Für viele Eltern wird das Elternhaus notgedrungen zu einem Zuhause auf Zeit. Der Einzugsbereich der Kinder-Uniklinik erstreckt sich über ganz Niederbayern und die Oberpfalz. „Üblicherweise bleibt mindestens ein Elternteil während der Behandlung ständig bei seinem Kind – und braucht dafür eine Übernachtungsmöglichkeit“, so Prof. Helmig. Das Haus bietet 43 Betten und vier Familienappartements mit je fünf Betten. Zwei der Appartements eignen sich für Rollstuhlfahrer. Das größte bietet als Familienappartement mit eigener Küchenzeile Platz für bis zu fünf Personen. „Wenn das Kind länger im Klinikum bleibt, können gerade an den Wochenenden beide Elternteile und die Geschwisterkinder bei uns übernachten“, erklärt Prof. Helmig.

Durchschnittlich übernachtet eine Familie bei der ersten Krebsbehandlung des Kindes 14 Tage im Elternhaus, bei folgenden Behandlungen vier Tage. „Dabei ist die Spanne aber groß“, sagt der VKKK-Vorsitzende. Sie reicht von einer Übernachtung – wenn Kinder von weiter weg nur zu einer speziellen Untersuchung oder einer kurzen Behandlung kommen – bis zu über einem Jahr bei schweren Krankheitsverläufen.

Die ersten Eltern sind am 1. September 2010 ins VKKK-Elternhaus eingezogen. Offiziell eröffnet wurde es am 8. Oktober 2010. Die Übernachtungszahlen schwanken seit 2014 zwischen 10.000 und 12.000 pro Jahr. „Wegen der verschärften Besuchsregelungen am Klinikum während der Corona-Krise werden sie 2020 wohl etwas niedriger liegen“, so Prof. Helmig. Von September 2010 bis September 2020 zählte das Haus insgesamt 96.300 Übernachtungen. Im Schnitt der letzten Jahre hat das Elternhaus seine Auslastungsgrenze erreicht. Deswegen hat der VKKK seit Herbst 2018 dauerhaft vier zusätzliche Elternappartements im damals neu eröffneten Patientenhaus der Leukämiehilfe Ostbayern angemietet.

Doch das Haus ist weit mehr als eine gut gelegene Übernachtungsmöglichkeit. Mit seiner Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsräumen bietet es Platz für Begegnungen der Eltern untereinander und für die vielen Angebote des VKKK. Insgesamt zwölf Voll- und Teilzeitkräfte kümmern sich im Büro, bei Frühstück und Zimmerreinigung um das Wohl der Familien. „Dabei sind wir immer auch Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Eltern“, sagt Prof. Helmig. Seit 2013 unterstützt eine Teilzeitkraft die Familien bei der Nachsorge nach überstandener Akutphase der Krebserkrankung.

Die Gemeinschaft im VKKK-Elternhaus stützt die Familien und gibt ihnen Mut während der Behandlungsphase. Das Haus bietet Heimat für Sommer- und Herbstfeste, für gemeinsames Ostereiersuchen und nicht zuletzt für die Hick-Ex-Feiern. Dabei sind alle Kinder eingeladen, denen im Lauf des Jahres der zentrale Hickman-Katheter entnommen wurde. Er dient vor allem zur Gabe von Chemotherapie-Medikamenten. „Die Explantation markiert einen wichtigen Erfolg beim Kampf gegen den Krebs – deswegen feiern wir das Ereignis mit den Familien“, erklärt Prof. Helmig.

Auch das Gebäude selbst hilft durch seine Architektur dabei, Ruhe zu finden und Kraft zu tanken. Der Regensburger Architekt Manfred Blasch hat für das Gelände am Südhang hinter dem Uniklinikum ein luftiges, leichtes und sonnendurchflutetes Haus geschaffen. Alle Elternappartements haben große Fenster nach Süden mit einem unverbaubaren Blick in die Landschaft. Von der Ringstraße ums Uniklinikum führt eine markante, zwölf Meter lange Brücke ins oberste Geschoss. Die beiden weiteren liegen am Hang unterhalb. Ein Jahr und fünf Monate wurde bis zur Eröffnung gebaut. Die Baukosten von 3,5 Millionen Euro hat der VKKK ausschließlich durch Spenden von Privatpersonen, Firmen und Institutionen aufgebracht. Das heutige Elternhaus hatte einen Vorgänger, eine alte Stadtvilla im Regensburger Stadtwesten neben der Kinderklinik St. Hedwig. Mit dem Neubau der Kinder-Uniklinik und der Verlagerung der Kinderonkologie- und Hämatologie von St. Hedwig ans Uniklinikum erweiterte der VKKK seine Übernachtungskapazitäten im jetzigen Elternhaus am neuen Ort.

Eine der vielen positiven Rückmeldungen, die im VKKK-Büro eingehen: „Liebes VKKK Team, wir könnten einen Roman über unsere Zeit im VKKK Elternhaus schreiben! Familie, Freundschaften, und ganz viel Liebe und Verständnis, Hilfsbereitschaft zu jeder Zeit, kurz gesagt unser zweites Zuhause. Danke für alles, ihr seid die besten, Eure Familie Ernstberger.“


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