28.09.2020, 11:26 Uhr

UKR ECMO-Kurs für Pflegekräfte bisher einzigartig im deutschsprachigen Raum

Die ECMO kann den Ausfall von Herz oder Lunge vorübergehend überbrücken. Foto: UKR/Werner KrüperDie ECMO kann den Ausfall von Herz oder Lunge vorübergehend überbrücken. Foto: UKR/Werner Krüper

Von Montag bis Mittwoch, 21. bis 23. September, fand am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) der erste dreitägige interdisziplinär durchgeführte ECMO-Kurs für Pflegekräfte statt. 33 Teilnehmer aus 14 Kliniken aus Deutschland und Österreich wurden im Umgang mit der extrakorporalen Herz-Lungen-Unterstützung (ECMO) geschult.

Regensburg. Für Patienten mit einer schweren Lungenschädigung oder aufgrund eines Herz-Kreislauf-Versagens, die mit konventionellen intensivmedizinischen Methoden nicht mehr stabilisiert werden können, ist die ECMO oft die einzige Überlebenschance. Diese Behandlungsform gewinnt im Bereich der Intensivmedizin immer mehr an Bedeutung. Die Zahl der Behandlungen steigt weltweit kontinuierlich. Seit über 20 Jahren leistet das UKR Pionierarbeit im Einsatz der extrakorporalen Herz-Lungen-Unterstützung, die den Ausfall von Herz oder Lunge vorübergehend überbrückt, bis sich das betroffene Organ entweder erholt oder weitergehende Therapiemaßnahmen ergriffen werden können. „Unser Kurs richtet sich an Pflegekräfte, die solche Patienten versorgen und ihre Kompetenzen auf diesem Gebiet erweitern möchten“, so Birgit Heinze, Pflegeexpertin für ECMO in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II am UKR und Hauptorganisatorin des Kurses.

Der Kurs wurde „von der Pflege für die Pflege“ entwickelt und ist in dieser Form einzigartig im deutschsprachigen Raum. „Im Klinikalltag und durch den Austausch mit Kollegen aus anderen Krankenhäusern haben wir festgestellt, dass die Nachfrage von Pflegekräften nach vertieften Kenntnissen im Bereich der extrakorporalen Herz-Lungen-Unterstützung außerordentlich groß ist, es aber bisher kein adäquates Fortbildungsangebot gibt. Diese Lücke wollen wir füllen und haben den Pflege-ECMO-Kurs ins Leben gerufen“, berichtet Alfred Stockinger, Pflegedirektor am UKR.

Eine besondere Grundlage für diesen Kurs bildet die interprofessionelle Ausrichtung des ECMO-Zentrums des UKR, in dem Kardiotechniker, Intensivmediziner, Kardiologen, Anästhesisten, Herzchirurgen, Kinder- und Jugendmediziner sowie Pflegekräfte Hand in Hand zusammenarbeiten, um die bestmögliche Versorgung für Patienten zu gewährleisten. Das Zentrum erhielt die höchste Auszeichnung der internationalen Extracorporeal Life Support Organization (ELSO) und zählt damit zu den leistungsfähigsten und kompetentesten Zentren weltweit. „Durch unsere langjährige Erfahrung und unsere ständige Arbeit an ECMO-Therapieverfahren konnten wir die Überlebensraten unserer Patienten in den letzten Jahren stetig verbessern – eine Expertise, die wir im Rahmen dieses Kurses an Pflegekräfte weitergeben möchten, die einen wesentlichen Teil zur Versorgung unserer Patienten beitragen“, ist sich das Ärzteteam der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR rund um Direktor Professor Dr. Lars Maier, Professor Dr. Thomas Müller, der den Kurs von ärztlicher Seite betreute, und PD Dr. Matthias Lubnow einig.

Die Vormittage der drei Kurstage bestanden aus Fachvorträgen zur Funktions- und Wirkungsweise verschiedener ECMO-Geräte und zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Anwendung. Aber auch ethische Fragestellungen wurden diskutiert. „Ein besonderes Highlight war der Vortrag eines ehemaligen Patienten, der über seine Behandlung am UKR berichtete“, erzählt Marc Dittrich, der Birgit Heinze bei der Organisation und Durchführung des Kurses unterstützte und ebenfalls als Pflegeexperte am UKR tätig ist.

An den Nachmittagen wurden die theoretischen Kenntnisse in Form von Workshops und Simulationstrainings in Kleingruppen praktisch angewendet. Dazu zählten beispielsweise Übungen an den Geräten, Mobilisation der Patienten oder „Troubleshooting“ (frühzeitiges Erkennen von Problemen bei der ECMO-Behandlung). „Wir haben die Zahl der Teilnehmer bewusst klein gehalten, um Workshops und den fachlichen Austausch in vertrauter Atmosphäre zu ermöglichen – selbstverständlich unter strenger Einhaltung eines Hygienekonzepts“, erläutert Birgit Heinze. Am Endes des letzten Kurstags absolvierten die Teilnehmer einen schriftlichen Test. Nach bestandenem Test erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat vom ECMO-Zentrum Regenburg.

„Die Resonanz der Teilnehmer war durchweg sehr positiv. Durch eine Feedbackrunde haben wir konstruktiven Input erhalten, um den Kurs in Zukunft noch weiter optimieren zu können“, bestätigt Alfred Stockinger die Fortsetzung des Kurses im kommenden Jahr.


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