28.08.2020, 09:46 Uhr

Medizin Forschungsteams finden vielversprechenden Ansatz zur Behandlung der familiären Zystennierenerkrankung

 Foto: Arbeitsgruppe Kunzelmann Foto: Arbeitsgruppe Kunzelmann

Die Zystennieren sind eine der häufigsten Erbkrankheiten weltweit, die im fortgeschrittenen Stadium Dialyse erfordern. Ursache hierfür ist das Auftreten von Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) in beiden Nieren, die kontinuierlich an Größe zunehmen und dadurch gesundes Gewebe verdrängen. Die bisherigen therapeutischen Möglichkeiten sind nur sehr begrenzt wirksam und von Nebenwirkungen begleitet.

Regensburg. Forscherinnen und Forscher der Universität Regensburg und des Universitätsklinikums Erlangen zeigen jetzt in einer umfangreichen Untersuchung, dass der Chloridkanal TMEM16A (Anoctamin 1) wesentlich zum Zystenwachstum beiträgt und eine pharmakologische Hemmung von TMEM16A das Zystenwachstum signifikant reduziert. Dies wird unter anderem durch zwei Medikamente erreicht, die in der Humanmedizin bereits zu anderen Zwecken zugelassen sind. Die Ergebnisse sind nun in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Etwa jede tausendste Person leidet an der autosomal dominanten polyzystischen Nierenerkrankung ADPKD, die wiederum in circa 50 Prozent der Fälle ab Mitte des 5. Lebensjahrzehnts in einen unwiederbringlichen Verlust der Nierenfunktion mündet. Dies bedeutet für die Patientinnen und Patienten lebenslange Hämodialyse oder Nierentransplantation und eine Verkürzung der Lebenserwartung. Zudem leiden die Betroffenen durch ihre Nierenerkrankung an Bluthochdruck, Schmerzen und Infektionen. Seit längerer Zeit ist bekannt, dass das kontinuierliche Zystenwachstum maßgeblich zu all diesen Problemen führt. Die bisherigen therapeutischen Möglichkeiten sind nur sehr eingeschränkt wirksam und von relevanten Nebenwirkungen begleitet.

Ein wesentlicher Mechanismus für das Zystenwachstum ist der Transport von Flüssigkeit in das Innere der Zysten. Die Forschungsteams um Professor Dr. Karl Kunzelmann und Professor Dr. Rainer Schreiber vom Institut für Physiologie der Universität Regensburg und um PD Dr. Björn Buchholz am Universitätsklinikum Erlangen vermelden jetzt einen möglichen Durchbruch: Ihre Arbeitsgruppen zeigen, dass genetische Inaktivierung des Chloridkanals TMEM16A in einem ADPKD-Mausmodell zu einer signifikanten Reduktion des Zystenwachstums führte. In einem nächsten Schritt fanden sie heraus, dass der hochspezifische pharmakologische Wirkstoff Ani9 eine vergleichbare Hemmung des Zystenwachstums erzielte. In ihrem Ziel hin zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Nierenzysten identifizierten sie zwei vielversprechende Substanzen, die das Zystenwachstum in der Maus und in Zellexperimenten unterdrückten. Hierbei handelt es sich zum einen um Benzbromaron, das schon lange zur Senkung der Harnsäure eingesetzt wird, sowie um Niclosamid, ebenfalls ein zugelassenes Medikament. In ihrer gemeinsamen Publikation zeigen die Autorinnen und Autoren den genauen Wirkmechanismus auf, der zur Zystenbildung und deren pharmakologischen Hemmung führt: „Nun sind weitere Untersuchungen erforderlich, um auch bei Patienten eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit zeigen zu können.“ Die Forscher verweisen dabei auf den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich 1350 „Tubulussystem und Interstitium der Niere: (Patho-) Physiologie und Crosstalk“, an dem sie mit ihren Arbeitsgruppen beteiligt sind: „Der Sonderforschungsbereich 1350 bietet uns optimale Bedingungen für die Durchführung der Versuche und für unsere enge Zusammenarbeit“, sind sich Karl Kunzelmann und Björn Buchholz einig.


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