30.04.2020, 15:40 Uhr

Corona-Pandemie Caritas fordert Lockerung der strengen Besucherregeln in Alten- und Pflegeheimen

Michael Weißmann, Diözesan-Caritasdirektor. Foto: Agentur Burcom/RegensburgMichael Weißmann, Diözesan-Caritasdirektor. Foto: Agentur Burcom/Regensburg

Die strengen Besucherregeln in Alten- und Pflegeheimen müssen gelockert werden, fordert der Caritasverband für die Diözese Regensburg. Spezielle Schutzmasken für Pflegende, Bewohner und Angehörige seien dringend erforderlich.

Regensburg. In Bayern gelten seit über einem Monat weitreichende Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen, auch in den Alten- und Pflegeheimen der Caritas in der Diözese Regensburg. Alte Menschen gehören zur Hochrisikogruppe für einen schweren Verlauf der Covid-19-Krankheit – gerade sie müssen wir schützen. Wir begrüßen, dass die Politik diesen Schutz ernst nimmt. Und doch treffen die Verordnungen die Bewohner der Alten- und Pflegeheime hart.

„Ich habe wirklich Verständnis für diese strengen Maßnahmen. Sie sollen uns ja schützen. Aber wenn ich meine Tochter nicht mehr sehen darf, möchte ich nicht mehr leben“, sagte kürzlich eine Bewohnerin des Caritas Alten- und Pflegeheims St. Vinzenz in Wallersdorf. Ein drastisches Beispiel, natürlich. Doch die Gefühlslage, die dahinter steckt, ist der neue Allgemeinzustand, der derzeit in unseren Heimen herrscht.

Die Mitarbeiter der Caritas-Heime beobachten eine nie dagewesene Vereinsamung ihrer Schützlinge. Sie erleben deren körperlichen und seelischen Abbau und berichten von „lebensmüden“ Bewohnerinnen und Bewohnern. Die alten Menschen erfahren derzeit hautnah, was wir alle intuitiv wissen: Alleinsein macht krank.„Manche suchen daher kreative Wege, der Einsamkeit zu entkommen: In unserem Alten- und Pflegeheim Schloss Furth bei Landshut begegneten sich einige mit dem nötigen Abstand am Grundstückszaun, andernorts winkten Angehörige aus Nachbars Garten oder von der Straße aus ihrem Vater oder der Mutter im Pflegeheim zu, die am Fenster auf Begegnung warteten. Jene, die noch ausreichend gut hören, telefonieren; Videokonferenzen meistern die wenigsten“, so Michael Weißmann, Diözesan-Caritasdirektor.

Die Verantwortlichen in den Einrichtungen und im Caritasverband setzen ebenfalls auf neue Ideen: Kinder des Kindergartens St. Anton schickten zu Ostern Bilder ins Regensburger Elisabethinum: blühende Wiesen, Osterhasen, bunte Eier. Die Social-Media-Aktion „Hoffnungsbrief“ gewann Leute, die Briefe an Menschen in sozialer Isolation schrieben. „Warme Worte wirken. Und doch ersetzen sie niemals die Nähe zu einem geliebten Menschen. Die Bundes- und Landesregierungen haben das Problem erkannt. Im Zuge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen will der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder auch die Alten- und Pflegeheime berücksichtigen. Die strengen Besucherregeln abzumildern, wäre für unsere Schützlinge ein Riesengewinn. Doch wie lassen sich Begegnungen ermöglichen und das Ansteckungsrisiko zugleich gering halten? Wir benötigen hochqualitative Schutzausrüstung. Wir müssen sicherstellen, dass sowohl die Pflegenden als auch die Heimbewohner und deren Angehörige mit speziellen Schutzmasken ausgestattet werden. Natürlich müssen weiterhin die Abstands- und Hygieneregelungen eingehalten werden – sie schützen vor Corona. Soziale Kontakte hingegen schützen vor einem weiteren Gesundheitsrisiko: der Einsamkeit.“


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