22.04.2020, 20:11 Uhr

Patienten haben Verständnis Physiotherapie in Zeiten von Corona – wer mit der Therapie aussetzt, kann der Gesundheit schaden

Bei Marion Stenrüter und Andreas Florian wird in der Praxis nur noch mit Maske gearbeitet. Foto: Ursula HildebrandBei Marion Stenrüter und Andreas Florian wird in der Praxis nur noch mit Maske gearbeitet. Foto: Ursula Hildebrand

Die Bitte, eine Maske zu tragen, Desinfektionsmittel am Eingang, Spuckschutz am Empfangstresen – Marion Stenrüter und Andreas Florian haben in ihrer Physiotherapiepraxis in Falkenstein im Landkreis Cham vorgesorgt. Denn: Das Coronavirus hat auch hier den Alltag ordentlich durcheinandergewirbelt.

Falkenstein/Landkreis Cham. Darf ich noch zum Physiotherapeuten? Das war eine der Fragen, die im Zuge der Ausgangsbeschränkung in Bayern immer wieder aufkam. Ja, sagte Ministerpräsident Markus Söder – und schränkte dann auf Notfälle ein. Der Berufsverband sieht Notfälle dann gegeben, wenn frisch operierte Patientinnen oder Patienten eine Behandlung benötigen, „bei denen ein bleibender Schaden durch Nichtbehandlung entstehen könnte“, berichten Stenrüter und Florian. Auf dieser Grundlage musste es schnell gehen. Die beiden Physiotherapeuten und Heilpraktiker haben zwei Praxen – einmal die Kassenpraxis für Physiotherapie in Falkenstein, zum zweiten eine Privatpraxis für Physiotherapie mit Heilpraktikerleistungen im Ortsteil Roßbach der Gemeinde Wald. Sie sind für fünf angestellte Physiotherapeuten, drei Anmeldedamen und zwei Putzfrauen verantwortlich. Nach der Ankündigung der Ausgangsbeschränkung ab Samstag, 21. März, war ab Montag Kurzarbeit angesagt, die Praxis in Wald wurde geschlossen, in Falkenstein waren nur noch die beiden Inhaber selbst im Einsatz. Dann kam die Nachricht, dass jedes Rezept, das ein Arzt ausstellt, unter die Regelung „medizinisch notwendig“ fällt, damit konnten die beiden den Betrieb zumindest wieder ein Stück weit hochfahren, eine weitere Kollegin unterstützt die beiden nun in der Falkensteier Praxis. „Jetzt arbeiten wir im Moment mit drei Physios bei einer 50-Prozent-Auslastung“, berichten die beiden.

Wichtig ist nun, dass noch mehr als sonst auch schon auf die Hygiene geachtet wird. Patienten dürfen nur mit Mundschutz in die Praxis, Desinfektionsmittel stehen bereit, am Empfang trennt eine Scheibe Patient und Personal. Auch der Wartebereich wurde vorübergehend abgeschafft, jeder Patient wird sofort in eine Kabine geschickt, um so den Kontakt untereinander zu minimieren. Die Therapeuten tragen alle ebenfalls Masken – hier hatten Stenrüter und Florin Glück, sie haben von einer befreundeten Kieferorthopädiepraxis einige Masken bekommen. Über das Gesundheitsamt gab es FFP2-Masken und Desinfektionsmittel. Ein Patient, der aktuell seinen Betrieb nicht öffnen darf, steuerte ebenfalls FFP2-Masken bei. „Wir hoffen, auch weiterhin Nachschub an notwendigen Masken zu bekommen. Wir haben eine Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter“, sagt Sternrüter. Die Schutzausrüstung sei daher sehr wichtig.

Die Patientinnen und Patienten zeigen sich bislang sehr verständnisvoll. „Manche Behandlungen kann man zeitlich etwas schieben“, sagt Stenrüter, doch vielen Patienten gehe es ohne die Therapien eben schnell nicht mehr so gut. Wenn man eine Woche aussetzt, so habe das meist noch keine großen Auswirkungen, aber bei einer Pause von zwei oder drei Wochen werde die Beweglichkeit schlechter, ein schon erzielter Therapieerfolg könne verloren gehen. Viele Patientinnen und Patienten haben dann auch wieder Schmerzen. Aktuell sei es auch wichtig, Personen, die eigentlich jetzt eine Reha antreten wollten, zu behandeln. Die meisten Reha-Kliniken seien geschlossen und werden als Reserve-Krankenhäuser für Corona-Patienten freigehalten, dort könne keine Therapie stattfinden, das müsse man nun in den Praxen abfangen.

Marion Stenrüter und Andreas Florian machen sich auch Gedanken ums Geld. Die Praxis in Falkenstein gibt es seit zwölf Jahren, die in Wald seit drei. „Wir haben die letzten Jahre gut gewirtschaftet und einige Rücklagen gebildet“, sagen beide. Aber: „Sollte das länger als drei Monate so gehen, wird es schwierig.“ Beim derzeitige Umsatz bleibe nichts übrig, was sie sich selbst auszahlen könnten. Doch beide wollen nicht jammern, sie wissen, dass es viele Kolleginnen und Kollegen, die weniger Rücklagen haben oder höhere Mieten zahlen müssen, noch schwerer haben. Trotzdem hoffen beide, dass es auch für Physiotherapeuten einen wirksamen Rettungsschirm geben wird. Trotz Corona und der heftigen Folgen blicken beide zuversichtlich in die Zukunft. „Die Patienten sagen oft, dass sie sehr froh sind, dass wir für sie da sind: Es ist schön, gebraucht zu werden.“


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