28.02.2020, 15:02 Uhr

„Tag der Hand“ am 1. März (K)ein Tag ohne Hände – schweren Handverletzungen vorbeugen

Am Zentrum für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie von UKR und Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg werden Patienten mit Handverletzungen rund um die Uhr versorgt. Foto: UKR/Klaus VölckerAm Zentrum für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie von UKR und Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg werden Patienten mit Handverletzungen rund um die Uhr versorgt. Foto: UKR/Klaus Völcker

Die Hand ist ein komplex-funktionierender Körperteil, ohne den der Mensch in der Bewältigung des Alltags sehr stark eingeschränkt wäre. Zum „Tag der Hand“ am 1. März möchte die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie e.V. (DGH) darauf aufmerksam machen, dass schwere Handverletzungen weitreichende Folgen haben können.

Regensburg. Um diesen vorzubeugen wurde die 24-Stunden-Notfallambulanz des Hochschulzentrums für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie gemeinsam von Universitätsklinikum Regensburg (UKR) und Caritas-Krankenhaus St. Josef gegründet.

Aufstehen, Duschen, Frühstücken, sich Anziehen, Arbeiten, nach Hause fahren, Abendessen kochen und so weiter. Wie würde wohl unser Tagesablauf aussehen beziehungsweise wie lange würde es wohl dauern, all das zu erledigen, ohne funktionierende Hände? Da wir aber nun einmal viel mit unseren Händen tun, steigt auch die Verletzungsmöglichkeit an. Im Falle eines Bruchs, des Verlustes von Fingern oder gar der ganzen Hand, spielt, wie bei allen medizinischen Notfällen, der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. „Je eher der Betroffene medizinisch versorgt wird, desto besser ist es für den Erhalt und die Funktionalität der Hand. Daher haben wir ein Notfallzentrum für Handverletzungen am UKR eingerichtet, wo rund um die Uhr handchirurgische Experten parat stehen, um abgetrennte Finger oder sogar ganze Hände zu replantieren“, erklärt Professor Dr. Dr. Lukas Prantl, Leiter der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKR sowie Leiter des Zentrums für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie von UKR und Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg.

„Wir freuen uns auch, dass wir durch die europäische Kommission für Handchirurgie kürzlich (FESSH) als wohl größtes Zentrum in Deutschland erfolgreich rezertifiziert worden sind und in Bayern das einzige Zentrum sind, das die Zulassung im Schwerstverletztenartenverfahren für die Versorgung von Handverletzungen durch die Berufsgenossenschaft hat“, so Professor Prantl weiter. Die Gesellschaft für Handchirurgie e.V. möchte am „Tag der Hand“ darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, selbst bei kleinsten Handverletzungen zu überprüfen, ob ärztlicher Rat notwendig ist, um die Funktionalität nicht zu gefährden.

Schaut man sich die etymologische Bedeutung des griechischen „cheirourgos“ an, stellt man fest, dass ein Chirurg im ursprünglichen Sinn ein Handwerker ist. Ein Handchirurg ist demzufolge jemand, der mit der Hand die Hände behandelt. Die Hand-Spezialisten führen jedoch nicht nur chirurgische Eingriffe durch, sondern sie versorgen alle Arten von Verletzungen an den Händen. „Wir wollen den ‚Tag der Hand‘ zum Anlass nehmen und darauf aufmerksam machen, dass die menschliche Hand ein komplexes anatomisches Wunderwerk ist, auf das man unbedingt aufpassen sollte“, so PD Dr. Sebastian Geis, Stellvertretender Leiter der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKR. Es sei wichtig nicht nur im Falle einer Verletzung schnell zu reagieren, sondern auch präventiv, sei es zum Beispiel durch das Tragen von Handschuhen bei der Arbeit, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Handverletzungen zu vermeiden.

Die menschliche Hand besteht aus 27 Einzelknochen, zahlreichen Sehnen, Bändern, Nerven und Muskeln. Das Zusammenspiel aller Teile ist äußerst komplex, sodass kleine Verletzungen oft weitreichende Folgen haben können. Ist die Hand einmal verletzt, können Handchirurgen heute viel erreichen, bis hin zur kompletten Rekonstruktion von Knochen, Sehnen, Nerven und Gefäßen. In den meisten Fällen geht man bei einer Handverletzung wohl von einem Bruch aus, der konservativ durch Ruhigstellung oder operativ, etwa durch das Einsetzen von Schrauben, therapiert wird. Dabei behandelt die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie bei weitem nicht nur Brüche, Quetschungen oder abgetrennte Finger. „Zu unserem Behandlungsspektrum gehören auch Erkrankungen der Hand, wie Rheuma oder Arthrose sowie Fehlbildungen und Fehlstellungen. Unsere Expertise erlaubt es uns, in allen Fällen auf das gesamte Leistungsspektrum moderner und konservativer Diagnose- und Therapieoptionen zurückzugreifen“, sagt Dr. Geis.

Das gilt natürlich auch für die Replantation einzelner Finger bis hin zu ganzen Extremitäten, Arthrosebehandlung durch endoprothetische Verfahren und Arthroseprävention durch Stammzelltransplantation mit Eigenfett. Zu den besonderen Behandlungsmöglichkeiten des Zentrums für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie gehört auch die Behandlung spezieller Krankheitsbilder. So können die Experten beispielsweise auch den Riss des Handgelenk-Bandes, des skapholunären Bandes, oder die Rekonstruktion von nicht vollständig verheilten Kahnbeinfrakturen mittels Knochentransplantaten aus dem Kniegelenk, behandeln. Selbst ausweglos erscheinende Krankheitsverläufe können so behandelt und ein massiver Funktionsverlust der Hand verhindert werden.


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