05.12.2019, 00:21 Uhr

Antibiotikaresistenz-Datenbank Neuer Leitfaden für Ärzte – Bayern verstärkt Vorgehen gegen Antibiotikaresistenzen

(Foto: sophiejames/123RF)(Foto: sophiejames/123RF)

Bayern verstärkt das Vorgehen gegen Antibiotikaresistenzen. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte am Mittwoch, 4. Dezember, in München: „Seit heute steht den niedergelassenen Haus- und Fachärzten ein umfassender Leitfaden für die Verordnung von Antibiotika zur Verfügung. Damit wollen wir erreichen, dass künftig Antibiotika rationaler und sparsamer verschrieben werden.“

REGENSBURG Huml fügte hinzu: „Die bereits seit 2008 in Bayern eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenzen und zur Verbesserung der Hygiene in den medizinischen Einrichtungen zeigen bereits Erfolge. Sie müssen aber angesichts der zunehmenden globalen Bedeutung von Antibiotikaresistenzen fortgeführt werden. Gleichzeitig klären wir die Bevölkerung intensiv über das Thema Antibiotika und Resistenzentwicklung auf.“

Die Ministerin unterstrich: „Wir setzen auch auf die neue Bayerische Antibiotikaresistenz-Datenbank (BARDa). Sie liefert belastbare Daten zur Antibiotikaresistenz-Situation in Bayern. Erste Auswertungen liegen nun vor. Diese Daten lassen erkennen, dass die Resistenzraten gegenüber den meisten Wirkstoffen aktuell so sind, dass im Regelfall eine erfolgreiche Therapie entsprechender Infektionen weiterhin möglich ist. Allerdings wurden für einzelne Erreger und einzelne Wirkstoffe durchaus höhere Resistenzraten beobachtet.“

BARDa bezieht ihre Daten aus der Routinediagnostik von Laboren für den ambulanten und stationären Bereich in Bayern. In die Auswertung des ersten Halbjahres 2019 sind die Daten von zehn Krankenhauslaboren und vier niedergelassenen Laboren eingeflossen. Ausgewertet wurden die Resistenzdaten von neun Erregern, die zu den häufigsten und wichtigsten gehören. Das BARDa-Netzwerk wird weiter ausgebaut, so werden ab dem Jahr 2020 bereits sieben weitere bayerische Krankenhauslabore und Untersuchungslaboratorien am Monitoring beteiligt sein.

Antibiotika zählen zu den bedeutendsten Entwicklungen der modernen Medizin, sie sind für die Behandlung von bakteriellen Infektionserkrankungen unverzichtbar. Die Entstehung von Resistenzen schränkt die Behandlungsmöglichkeiten jedoch zunehmend ein und gilt mittlerweile als eine der größten medizinischen Herausforderungen.

Um die niedergelassenen Haus- und Fachärzte beim verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika gezielt zu unterstützen, haben das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) den Leitfaden „Infektionsdiagnostik und orale Antibiotikatherapie bei Erwachsenen“ veröffentlicht und an rund 21.000 Ärzte in Bayern, die Antibiotika verordnen, verschickt. Der Antibiotikaleitfaden ist als Ratgeber für den Praxisalltag gedacht. Dr. Andreas Zapf, Präsident des LGL, erläuterte: „Keines der in Entwicklung befindlichen Antibiotika ist gegen alle resistenten Erreger wirksam, das zwingt zum Umdenken: Wir müssen beim Einsatz von Antibiotika noch genauer hinsehen, noch gezielter behandeln, um die weitere Entwicklung von Resistenzen einzudämmen.“ Der Vorstand der KVB – Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp – ergänzte: „Die Vertragsärzte in Bayern gehen bereits heute bei der Verordnung von Antibiotika sehr sorgsam und verantwortungsbewusst vor. Das neue umfassende Handbuch soll unseren Mitgliedern zusätzliche Orientierungshilfen bei in der Arztpraxis häufigen Infektionskrankheiten bieten und sie damit im Praxisalltag unterstützen.“ Der Leitfaden „Infektionsdiagnostik und orale Antibiotikatherapie bei Erwachsenen“, der von Fachexperten aus der Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft resistente Erreger (LARE) zusammengestellt wurde, ist eine wichtige Säule des „Bayerischen Aktionsplans Antibiotikaresistenzen“ aus dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.

Der neue Antibiotikaleitfaden ist online abrufbar unter www.lgl.bayern.de.


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