01.10.2019, 23:26 Uhr

Medizin „Pate der Stammzelltransplantation“ in Ostbayern geht in den Ruhestand

Professor Dr. Ernst Holler verabschiedete sich zum 1. Oktober 2019 in den Ruhestand. (Foto: UKR/Klaus Völcker)Professor Dr. Ernst Holler verabschiedete sich zum 1. Oktober 2019 in den Ruhestand. (Foto: UKR/Klaus Völcker)

Professor Dr. Ernst Holler hat die Stammzelltransplantation am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) maßgeblich aufgebaut und weiterentwickelt. Zum 30. September 2019 verabschiedete sich der Leiter der Allogenen Transplantation der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III nun in den wohlverdienten Ruhestand.

REGENSBURG „Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich“, sagte einst der deutsche Arzt, Dichter und Philosoph Friedrich Schiller. Das trifft sicher für das Ende der klinischen Tätigkeit von Professor Holler zu, andererseits sieht er auch mit Freude dem Teilruhestand, in dem er sich auf wichtige Forschungsprojekte konzentrieren kann, entgegen. In jedem Fall kann Professor Holler auf eine sehr bewegte Zeit am UKR zurückblicken. Seit 1998 prägte der Arzt und Wissenschaftler mit seinem Wirken die Stammzelltransplantation in Regensburg und im gesamten ostbayerischen Raum. „Durch sein außergewöhnliches persönliches Engagement hat Professor Ernst Holler dazu beigetragen, die Versorgung von Patienten mit Leukämien, Lymphomen und anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems mit Hilfe der allogenen Blutstammzelltransplantation entscheidend zu verbessern“, würdigt Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR, die Leistung des Mediziners. Bei einer allogenen Stammzelltransplantation werden Blutstammzellen eines Familien- oder Fremdspenders auf den Empfänger übertragen, bei vielen Patienten ermöglicht diese Therapie oft die einzige Chance auf Heilung.

Über die Grenzen Deutschlands hinaus im Einsatz für die Stammzelltransplantation

Professor Holler hat mit seinen Mitarbeitern und der Unterstützung von Professor Andreesen seit 1998 ein allogenes Stammzelltransplantationsprogramm aufgebaut, das die ganze Region Ostbayern mit dieser Behandlungsform versorgt. Schritt für Schritt wurde die Patientenversorgung mit dem Aufbau der Brückenpflege (gemeinsam mit der Leukämiehilfe Ostbayern und der AOK Bayern) sowie der Etablierung einer Intermediate Care Einheit am Asklepios Klinikum Bad Abbach in Kooperation mit Professor Fleck verbessert. Diese Strukturen ermöglichten den Patienten einen schrittweisen Übergang von der Isolationsstation am UKR zurück in die häusliche Umgebung und waren in Deutschland wegweisend und beispielgebend für viele andere Transplantationszentren. Gleichzeitig wuchs durch die verbesserte Infrastruktur auch die Transplantationskapazität, so dass derzeit jährlich zwischen 70 und 75 Patienten aus dem gesamten ostbayerischen Raum die oft lebensrettende allogene Stammzelltransplantation erhalten können. Mit der Einrichtung des Graft-versus-Host Disease (GvHD)- Kompetenzzentrums Regensburg, unterstützt durch die Deutsche Jose Carreras Leukämie-Siftung e.V., wurde ein sichtbarer klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt geschaffen, mit dem Regensburg auch international eine führende Rolle in der Bekämpfung dieser Hauptkomplikation der allogenen Stammzellransplantation übernehmen konnte. Professor Holler wurde 2004 mit dem höchsten Preis der Europäischen Fachgesellschaft für Stammzelltransplantation, dem van Bekkum Award, für seine wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet und leitet seither internationale Projekte zu diesem wichtigen Themengebiet.

Das Engagement von Professor Holler machte auch nicht vor Landesgrenzen halt. Da nicht überall in Europa die gleichen medizinischen Voraussetzungen bei der Behandlung von Leukämie herrschten, setzte sich der Mediziner dafür ein, die Stammzelltransplantation nach Rumänien zu bringen. Er baute mit Unterstützung der José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. am Krankenhaus Institut Fundeni in Bukarest ein Stammzelltransplantationsprogramm auf, das auf Basis der Standards des Universitätsklinikums Regensburg arbeitet. „Es war mir in all meinen Tätigkeiten und Funktionen immer wichtig, dass man das große Ganze betrachtet. Nicht die einzelne Person ist wichtig, sondern das Team und ein Endergebnis, welches die Patientenversorgung und Betreuung verbessert“, erklärt Professor Holler seinen Einsatz für die Stammzelltransplantation. Dieser Blick über den eigenen Tellerrand hinaus brachte Professor Holler die Ehrenmitgliedschaft in der Rumänischen Gesellschaft für Hämatologie und der Rumänischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften ein. „Die fachliche Kompetenz von Professor Ernst Holler ist unbestritten. Was ihn darüber hinaus so unglaublich wertvoll für jedes Team macht, ist sein Weitblick im Umgang mit Herausforderungen und seine Menschlichkeit im Umgang mit seinen Kollegen und Mitmenschen“, so Professor Dr. Wolfgang Herr weiter. „Aus diesen Gründen freue ich mich umso mehr, dass Professor Holler seine wissenschaftlichen Arbeiten noch bis voraussichtlich 2022 an unserer Klinik fortsetzen wird.“ Als Nachfolger von Professor Holler übernimmt ab dem 1. Oktober 2019 Professor Dr. Matthias Edinger, Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, die Leitung der Stammzelltransplantation.

Engagement für die Medizin

Ernst Holler, gebürtig aus Freilassing, absolvierte sein Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seine Facharztausbildung und die Weiterbildung im Bereich Hämatologie/Onkologie folgte am Klinikum Großhadern. Dabei erlangte Professor Holler auch seine Expertise im Bereich der allogenen Stammzelltransplantation. Seit 1998 war er dann am Universitätsklinikum Regensburg als Leiter der Allogenen Stammzelltransplantation in der früheren Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie, heute die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, tätig. Darüber hinaus ist Professor Holler Vorstand der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern, war Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Stammzelltransplantation (bis 2014), ist weiter Vorstandsmitglied der Leukämiehilfe Ostbayern e. V. (seit 1998) sowie Leiter des „Zwillingsprojektes“ des UKR und des Krankenhauses Institut Fundeni (2004 bis 2014) sowie Botschafter der Rumänischen Gesellschaft für Stammzelltransplantation.


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