30.09.2019, 20:52 Uhr

Elterntreff der Caritas Wenn Mama oder Papa ein Handicap haben ...

Goldenes Jubiläum: Der Elterntreff „Mama oder Papa mit Behinderung“ feierte sein 50. Treffen. Auch Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann und die Landrätin Tanja Schweiger feierten mit. (Foto: Burcom/Schophoff)Goldenes Jubiläum: Der Elterntreff „Mama oder Papa mit Behinderung“ feierte sein 50. Treffen. Auch Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann und die Landrätin Tanja Schweiger feierten mit. (Foto: Burcom/Schophoff)

Die Schwangerschaftsberatung der Caritas Regensburg unterstützt Eltern, die beeinträchtigt sind. Kürzlich feierte der Elterntreff „Mama oder Papa mit Behinderung“ goldenes Jubiläum.

REGENSBURG Es ist ein Geschenk: diese Gruppe, diese Gemeinschaft, diese Gespräche. Das weiß Michaela Lautenschlager, sie hat es erlebt. Sie ist Mutter zweier Kinder, eines sechs und eines vierzehn Jahre alt. Und sie ist blind. Wo andere hinsehen, ist sie auf Hilfe angewiesen. Sie hat gelernt, die besonderen Herausforderungen ihres Alltags zu meistern, gemeinsam mit ihrer Elternassistentin und im Austausch mit anderen Eltern, die ebenfalls ein Handicap haben; die beispielsweise im Rollstuhl sitzen oder nichts hören. Seit seinen Anfängen besucht Michaela Lautenschlager den Elterntreff „Mama oder Papa mit Behinderung“ der Caritas-Schwangerschaftsberatung Regensburg. „Ich bin innerlich gewachsen, reifer geworden“, sagt sie. Kürzlich feierte der Elterntreff doppeltes Jubiläum: seinen fünften Geburtstag und zugleich das 50. Treffen. Mit dabei waren als Ehrengäste die Landrätin Tanja Schweiger und Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann. Der Regensburger Singer und Songwriter Michael Lex, bekannt als der „Ed Sheeran der Oberpfalz“, gestaltete das Fest musikalisch.

„Eltern sein ist das Normalste der Welt, aber auch unsere größte Herausforderung“, sagte die Landrätin Tanja Schweiger. „Wenn man gehandicapt ist, ist die Herausforderung umso größer.“ Sie, die den Elterntreff durch Spenden immer wieder finanziell unterstützt, fand wertschätzende Worte, einerseits für die Eltern, andererseits für die Verantwortlichen des Elterntreffs. Die Expertinnen der Caritas wüssten, wo es überall Hilfen gebe, würden diese weiter vermitteln und bei Anträgen helfen. Nicht zuletzt stärkten sich die Teilnehmer des Elterntreffs gegenseitig. Schweiger sagte: „Vielleicht hilft es, einfach nur zu sehen: dem anderen geht es genauso.“

Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann hob die Bedeutung des Angebots hervor, und zwar weit über die Stadtgrenzen hinaus: „Der Elterntreff ist ein Leuchtturm und in hervorragender Zusammenarbeit der Caritas-Schwangerschaftsberatung und der Offenen Behindertenarbeit entstanden. Einmalig in ganz Bayern ist er Anlaufstelle für Betroffene aus dem ganzen Land.“

Hauptverantwortlich für die Umsetzung sind die beiden Diplom-Sozialpädagoginnen und Caritas-Schwangerschaftsberaterinnen Irene Hau und Elisabeth Fink. Die beiden Beraterinnen bringen nicht nur Professionalität in ihre Arbeit ein, sondern auch eigene Erfahrung: Elisabeth Fink, dreifache Mutter, sitzt wie viele ihrer Klientinnen im Rollstuhl. Gemeinsam mit Irene Hau blickte sie beim Jubiläumsfest auf fünf Jahre Elterntreff „Mama oder Papa mit Behinderung“ zurück. „Bei unseren Treffen können sich die Eltern austauschen und voneinander profitieren“, sagte Irene Hau.

Am 23. September 2014 war das erste Treffen, damals noch im Gruppenraum der Schwangerschaftsberatung mit einer Handvoll Leuten. Heute treffen sich die Teilnehmer in den Räumen der Offenen Behindertenarbeit (OBA) der Caritas in der Plato-Wild-Straße. Dort fand auch das Jubiläumsfest statt. Der weitläufige Raum war bis zum letzten Platz gefüllt, manch einer saß im Rollstuhl, eine andere hatte einen Rollator dabei, wieder andere sprachen mit den Händen. Kinder kuschelten sich an ihre Eltern und klatschten zu den Lex-Songs. Die Atmosphäre war gelöst, vertrauensvoll, ja, heiter. Schließlich sind die meisten seit langem über den Elterntreff verbunden.

Los ging es vor fünf Jahren, als die Regensburger Caritas-Schwangerschaftsberatung das Projekt „Mama oder Papa mit Behinderung“ etablierte, hauptsächlich finanziert wurde es damals von der Aktion Mensch. Das Projekt lief bis 2016. Der Caritasverband, der Bezirk Oberpfalz und auch das Bistum Regensburg finanzieren das Angebot seither weiter.

Anlässlich des zehnten Elterntreffs titelte die Mittelbayerische Zeitung: „Behinderte brauchen Mut für Kinder“. Diesen Mut und auch die dafür notwendige Kraft holen sich die Teilnehmer bis heute im Elterntreff – beim Frühstück, in der Gesprächsrunde oder auch mal bei einem Ausflug zur Regensburger Kinder- und Jugendfarm, in den Tiergarten Straubing oder bei einem Picknick im Villapark. Und während die Kinder im Sand buddeln, graben sie vielleicht Freundschaften fürs Leben aus.


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