14.09.2019, 22:51 Uhr

Keine Hemmung vor dem Helfen

An einer solchen Reanimationspuppe lernen die Schüler, wie man eine Herzdruckmassage macht. (Foto: UKR/Klaus Völcker )An einer solchen Reanimationspuppe lernen die Schüler, wie man eine Herzdruckmassage macht. (Foto: UKR/Klaus Völcker )

Erste Hilfe betrifft jeden. Darum ist es wichtig, dass die Grundhandgriffe von Kindesbeinen an erlernt werden. Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) und das Rettungszentrum Regensburg haben daher vor zwei Jahren das Projekt „Schüler retten Leben“ angestoßen. Zum Welt-Erste-Hilfe-Tag am 14. September zieht das UKR Bilanz.

REGENSBURG Gerade noch hat der Enkel mit dem geliebten Opa gesprochen. Nun aber kommt plötzlich keine Antwort mehr. Opa ist auf dem Sofa zusammengesackt, es ist keine Regung zu erkennen, die Atmung hat ausgesetzt. Jetzt kommt es auf die richtige Reaktion an, um sein Leben zu retten. Vor solch einer Situation ist niemand gefeit, ob alt oder jung, sie kann jederzeit und überall eintreten. „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Im Optimalfall weiß jeder, wie eine Reanimation durchzuführen ist“, erklärt Richard Leberle, Facharzt der Klinik für Anästhesiologie des UKR. „Bei vielen Menschen fehlt im Notfall aber leider das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Zum einen, weil der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon zu lange her ist oder zum anderen, weil die Angst, etwas falsch zu machen, zu groß ist. Aber falsch macht nur, wer nichts macht!“ Um an dieser Situation etwas zu ändern, haben Rettungszentrum und Universitätsklinikum Regensburg 2017 in Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis Regensburg das Projekt „Schüler retten Leben“ gestartet. Ziel ist es, Reanimationstrainings im Schulalltag zu verankern, um bereits Kinder und Jugendliche als Laienhelfer auszubilden. Dadurch sollen Berührungsängste abgebaut und Wissenslücken gefüllt werden, um die Unsicherheit im Umgang mit der Herz-Kreislauf-Wiederbelebung zu nehmen. Dabei geht es vor allem darum, kostbare Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, bis der Rettungsdienst oder der Notarzt vor Ort ist.

„Schüler retten Leben“ fördert bereits in der Schule die Zivilcourage

Im Projekt „Schüler retten Leben“ werden Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe mindestens einmal jährlich in Theorie und Praxis zur Herz-Kreislauf-Wiederbelebung geschult. Hierfür werden die Lehrkräfte unentgeltlich durch Anästhesisten des UKR ausgebildet. Für das praktische Training der Schüler wurden Übungspuppen beschafft, die rein durch Spenden finanziert wurden. „Mittlerweile konnten wir mehr als 50 Schulen in Stadt und Landkreis Regensburg mit den Übungspuppen ausstatten. Das Feedback aus den teilnehmenden Schulen ist gut und wir wissen auch von einem Fall, in dem einer der Schüler bereits erfolgreich eine Reanimation durchgeführt hat“, berichtet Professor Dr. Bernhard Graf, Vorsitzender des Rettungszentrums Regensburg und Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKR. Die meisten Menschen werden zum Führerschein einmal in ihrem Leben mit einem Erste-Hilfe-Kurs konfrontiert und danach nicht mehr. „Dabei wäre es wichtig, dass man die Handgriffe von Kindesbeinen an erlernt, damit sie in Fleisch und Blut übergehen und so Hemmungen abgebaut werden, im Ernstfall aktiv zu werden“, so Professor Graf weiter.

Regensburger Projekt als Vorreiter für ganz Bayern

Was in Regensburg als Pilotprojekt in Bayern begann, gehört seit Beginn des Schuljahres 2019/2020 fest zum Lehrplan an allen weiterführenden Schulen im Freistaat. „Es freut mich sehr, dass unser Modell ‚Schüler retten Leben‘ vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung übernommen wurde und nun das Modul ‚Wiederbelebung‘ unabhängig von einem „Ersten-Hilfe-Modul“ an allen weiterführenden Schulen in Bayern eingeführt wurde“, kommentiert Professor Graf den Erfolg. Facharzt Leberle sieht aber noch weiteres Entwicklungspotential. „Schaut man nach Frankreich, dann erhalten Kinder im Alter zwischen fünf und 18 Jahren regelmäßige Ersthelferkurse. Gerade kleinen Kindern kann man schon sehr früh spielerisch beibringen, wie sie reagieren müssen.“ Zu diesen Maßnahmen gehört auch, den Kindern zu erklären, dass sie im Notfall die 112 wählen, einen Nachbarn aufsuchen müssen oder wie man einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage bringt.

Infostand zur Lebensrettung am 17. September

Professor Graf und Facharzt Leberle sind sich einig, dass, egal ob bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen, die regelmäßige Wiederholung von Erste-Hilfe-Maßnahmen gleichermaßen wichtig ist. „Jeder kann Erste Hilfe leisten. Aus diesem Grund gehen wir am 17. September auch mit einem Infostand im Donau-Einkaufszentrum in die Öffentlichkeit. Wir wollen sensibilisieren, die Angst nehmen und Aufklärung betreiben“, so Leberle. Hier können sich Interessierte unter anderem an einer Übungspuppe selbst ausprobieren, darüber informieren, wie ein Kleinkind reanimiert werden kann oder welche Erste-Hilfe-Kurse es derzeit gibt.


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