18.06.2019, 20:13 Uhr

Gesundheit Informationsveranstaltung rund um den Hirntumor für Patienten und Angehörige

Das Zentrum für Hirntumoren klärt Fragen zum Leben mit der Erkrankung. (Foto: UKR/Klaus Völcker)Das Zentrum für Hirntumoren klärt Fragen zum Leben mit der Erkrankung. (Foto: UKR/Klaus Völcker)

Nicht mehr richtig sehen, sprechen oder gehen können – typische Funktionsstörungen, die mit einem Hirntumor einhergehen. Doch wie kann man diese, für Betroffene oft sehr einschränkenden Beschwerden lindern? Dieser zentralen Frage geht das Zentrum für Hirntumoren des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) bei einer Informationsveranstaltung für Patienten und Angehörige auf den Grund.

REGENSBURG Jährlich erkranken etwa 7.000 Menschen in Deutschland an einem primären Hirntumor. Damit zählt diese Erkrankung zu den selteneren Tumorformen und rückt in der öffentlichen Wahrnehmung oft in den Hintergrund. Um dies zu ändern, hat die Deutsche Hirntumorhilfe im Jahr 2000 den Welthirnturmortag initiiert, der nun jährlich im Juni stattfindet. Anlässlich dieses Tages lädt das Zentrum für Hirntumoren des UKR Patienten, Angehörige, aber auch Ärzte und alle am Thema Interessierten am Mittwoch, 26. Juni, ab 17 Uhr in das Café im Hotel Goldenes Kreuz (Haidplatz 7, Regensburg) ein. In kurzen Vorträgen wird vorgestellt, wie durch verschiedene therapeutische Ansatzpunkte vom Tumor ausgehende Funktionsstörungen wie Sprach- oder Motorikbeschwerden gebessert werden können. Darüber hinaus stehen die anwesenden medizinischen Experten aus den Fachbereichen Neurochirurgie, Neurologie, Onkologie, Strahlentherapie, Neuropathologie und Neuroradiologie allen Gästen für persönliche Fragen und Gespräche zur Verfügung. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Therapie von Bildgebung und OP bis hin zu Physiotherapie

Zu den jährlich 7.000 neu diagnostizierten Hirntumoren kommt noch eine weitaus höhere Zahl an Patienten mit Hirnmetastasen, die sich infolge von Lungenkrebs, Brustkrebs oder anderen Krebsleiden entwickeln. Auch wenn die Therapiemöglichkeiten durch neurochirurgische Maßnahmen, Chemo- und Strahlentherapie, Immun- und Antikörpertherapie in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht haben, ist die Prognose aufgrund der Lage und Beschaffenheit von Hirntumoren schwierig. Umso wichtiger sind für Patienten Maßnahmen, die zu einer Erhöhung ihrer Lebensqualität während der Krankheitsphase beitragen.

Das Zentrum für Hirntumoren stellt in seiner Veranstaltung zum Welthirntumortag dieses Jahr daher die Funktionserhaltung in den Vordergrund. Ein Tumor fordert Raum im Gehirn. Das bedeutet, dass er auf andere Bereiche drückt oder diese sogar ganz verdrängt. In der Folge leiden etwa 75 Prozent der Patienten an Funktionsbeeinträchtigungen, zum Beispiel das Sehvermögen betreffend. „Diese Funktionsstörungen haben einen großen Einfluss auf die Lebensqualität und auch auf die Prognose unserer Patienten. Denn umso besser sie mit oder trotz der Erkrankung leben können, desto eher sind die Patienten motiviert, ihre medizinischen Therapieempfehlungen einzuhalten“, erläutert Professor Dr. Alexander Brawanski, Sprecher des Zentrums für Hirntumoren des UKR, die Relevanz der Thematik.

Der erste Vortrag des Abends beschreibt die Rolle moderner Bildgebung in der Therapie. So stehen mit Kernspintomographie, Traktographie und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, den Tumor zu lokalisieren und seine Aktivität sowie die des umliegenden Gewebes so genau wie möglich zu bestimmen. Dies ist vor allem deshalb wichtig, da durch den Tumor Funktionsbereiche verdrängt und völlig anders lokalisiert sein können, als im gesunden Gewebe. Durch eine genaue Bildgebung vor und auch während der Operation können chirurgische Schritte genau geplant und Funktionsverluste vermieden werden.

Der zweite Vortrag widmet sich dem Thema, wie durch die Entfernung des Tumors bereits bestehende Funktionsbeeinträchtigungen verbessert werden können. Nicht alle Tumoren können aufgrund ihrer Lage oder der Verwachsung mit umliegendem Gewebe vollständig entfernt werden. Es hat sich allerdings gezeigt, dass auch eine Teilresektion des erkrankten Gewebes Vorteile für den Patienten bringen kann, indem der durch den Tumor entstehende Druck vom Gehirn genommen und dadurch bedingte Störungen oder Beeinträchtigungen gelindert werden.

Den Schluss des offiziellen Programms bildet ein Vortrag der Physiotherapie des UKR. Hier werden Maßnahmen aufgezeigt, wie Funktionsstörungen durch physiotherapeutische Übungen gebessert und so das Leben der Patienten erleichtert werden kann.

Interdisziplinäre Expertise für personalisierte Medizin

Im Zentrum für Hirntumoren bieten Experten des UKR aus internistischer Onkologie, Neurologie, Neurochirurgie, Neuropathologie, Neuroradiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie eine umfassende Diagnostik und Therapie bei der Behandlung von Hirntumoren. In multiprofessioneller Zusammenarbeit wird ein auf den Betroffenen abgestimmtes Behandlungskonzept entwickelt. Zudem trägt das spezialisierte Zentrum mit seiner aktiven Forschung dazu bei, die Versorgung von Hirntumorpatienten weiter zu verbessern.


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