09.04.2019, 21:52 Uhr

Hohe Dunkelziffer Selbsthilfegruppe „Anonyme Messies“ – gemeinsam aus dem Chaos

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

In Deutschland leben nach Schätzungen 2,5 Millionen Messies. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher sein. Denn viele Menschen, so vermuten die Teilnehmer der anonymen Messie-Selbsthilfegruppe in Regensburg, wissen nicht, dass sie betroffen sind bzw. worunter sie leiden. Die Teilnehmer würden sich freuen, wenn weitere Hilfesuchende zu den wöchentlichen Treffen kämen. Dazu, so glauben sie, muss das Messie-Problem in der Öffentlichkeit besser bekannt werden.

REGENSBURG Messies sind Menschen, die im Alltag Probleme haben Ordnung zu halten. Sie neigen zu Unordnung, Chaos und Desorganisation. Messies haben oftmals ein hohes Verantwortungsgefühl, dem sie nur selten gerecht werden können. An dieser Stelle wollen die Gruppen-Teilnehmer auf ein Klischee hinweisen, das durch manche Bilder von „vermüllten“ Wohnungen durch die Medien vermittelt wird: Ein Messie ist nicht jemand, der sich in Dreck und Unordnung wohl fühlt!

Viele Messies leiden unter der Unfähigkeit, Ordnung zu schaffen und sie schämen sich dafür. Tätigkeiten, die andere Menschen normalerweise automatisiert haben, wie Spülen oder Aufräumen, können sie nur schwer bewältigen. Schamgefühl ist ein typisches Merkmal von Messies. Sie isolieren sich, laden kaum Besuche ein und trauen sich niemanden in die Wohnung zu lassen. Stattdessen flüchten sie aus dem Haus, um nicht dauernd mit dem heimlichen Chaos konfrontiert zu werden.

Zeit-Messies kämpfen mit Unpünktlichkeit. Sie leben unter permanentem Zeitdruck, weil sie zu vielen Menschen helfen und dabei die eigenen Bedürfnisse vernachlässigen, oder weil sie sich zu viele Aktivitäten aufladen, oder weil sie zu viele Hobbys pflegen und zu viele Interessen haben. Sie neigen zum Aufschieben und Hinauszögern von Arbeiten, was das Problem noch verstärkt.

Eine andere Eigenart ist das Sammeln, Horten und Aufbewahren. Man hebt Zeitungen (zum Teil ungelesen) auf. Vielen fällt es schwer, Gegenstände wegzuwerfen, „weil man sie ja irgendwann noch brauchen könnte“, oder weil man sentimental in Erinnerungen lebt. Hinzu kommt oftmals noch eine Kaufsucht, sei es um günstige Schnäppchen zu erjagen oder dem neuesten Modetrend gerecht zu werden, selbst wenn man das Gekaufte gar nicht braucht oder der Kleiderschrank überquillt.

Die „Anonymen Messies“ sind ein Zusammenschluss von Menschen, die miteinander ihren chaotischen Lebensstil überwinden wollen. Anonymität ist das Hauptgebot beim Messie-Meeting. Willkommen ist jeder, der den Wunsch nach Veränderung hat.

Die Treffen finden jeden Dienstag von 18 bis 19.30 Uhr im Haus der Parität in der Landshuter Straße 19 statt. Kontakte über die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) unter der Telefonnummer 0941/ 599388610.


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