20.02.2019, 08:49 Uhr

Informationsveranstaltung „Organspende macht man der Patienten wegen“

(Foto: UKR / Katja Rußwurm)(Foto: UKR / Katja Rußwurm)

Unter dem Titel „Organspende im Irrgarten der Lösungen“ wurde am Montagabend im Universitätsklinikum Regensburg (UKR) zu den Themen Organspende, Hirntod und Transplantation diskutiert.„Die Volksabstimmung zur Rettung der Bienen hat über eine Million Menschen dazu bewegt, sich bewusst für etwas zu entscheiden. Würde man diese Mobilisierung auf die Organspende übertragen, so könnten durch eine einfache Verhaltensänderung viele Menschen gerettet werden.“ Mit diesen Worten eröffnete Professor Dr. Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des UKR, am 18. Februar 2019 die Veranstaltung.

REGENSBURG Er führte damit schon auf eine der entscheidenden Fragen des Abends hin, der Frage nach einem geeigneten Organspendesystem. Mit knapp 300 Personen war der Hörsaal des UKR bis auf den letzten Platz gefüllt, als Experten aus Medizin, Politik und Wissenschaft sowie Patienten und Angehörige über Organspende, Hirntod und Transplantation sprachen. Die Veranstaltung wurde durch den Verein der Freunde und Förderer der Pflege am Universitätsklinikum Regensburg e. V. (VFFP) organisiert. „Das Thema Organspende bewegt nicht nur uns im Umfeld eines Krankenhauses, sondern auch die breite Öffentlichkeit. Wir merken, dass es noch viele ungeklärte Fragen gibt. Deswegen haben wir uns ganz bewusst für diese Veranstaltung entschieden, um Orientierung zu schaffen, zu informieren und für Klarheiten zu sorgen“, erläutert VFFP-Vorsitzender Thomas Bonkowski seine Ziele.

Nach Grußworten von Professor Kölbl und Thomas Bonkowski ergriff Professor Dr. Bernhard Banas, Leiter des Universitären Transplantationszentrums Regensburg und Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft, das Wort. Er stellte die aktuelle Situation in Deutschland dar: „Täglich versterben drei Patienten, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan gemeldet sind. Diese Zahl ist aber eine euphemistische Untertreibung.“ Tatsächlich versterben etwa 16 Prozent der Wartelisten-Patienten. Diese Zahl sei aber nicht abschließend, so Banas. Denn 21 Prozent der Patienten müssen wieder von der Warteliste abgemeldet werden, da ihr Gesundheitszustand sich so stark verschlechtert hat, dass sie nicht mehr transplantierbar sind. Nach diesem erschütternden Einblick stellte Dr. Thomas Breidenbach, Geschäftsführender Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation in der Region Bayern, mit Entscheidungs-, Widerspruchs- und Zustimmungslösung die derzeit praktizierten Organspendemodelle in Europa vor.

Anschließend klärte der Transplantationsbeauftragte und Ethikkomitee-Leiter am UKR, Professor Dr. Thomas Bein, Fragen zur Hirntoddiagnostik. Hierzu brachte er eindrucksvolle Bilder einer nuklearmedizinischen Untersuchung einer hirntoten Patientin mit. Wo eigentlich die Durchblutung des Gehirns zu sehen sein sollte, zeigten die Bilder eine komplett schwarze Fläche. Professor Bein erklärte am Beispiel dieser Patientin auch, wie schwer es für die Angehörigen sei, in der Stunde des Todes eine Entscheidung über die Organfreigabe zu treffen, da sie mit der Situation einfach schlichtweg überfordert seien. In bisher über 200 Hirntoddiagnostiken habe Professor Bein aber nur etwa fünf Mal einen Organspendeausweis präsentiert bekommen.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Medizin, Politik und Ethik sowie einem herztransplantierten Patienten und einer Angehörigen. Geoffrey Bonosevich, der seit 2012 mit einem transplantierten Herzen lebt, bezeichnete das Spenderorgan als ein Geschenk, das er gerne angenommen habe. Seinem Spender danke er jeden Tag, besonders aber, wenn er mit seiner Frau eine Radtour unternehme oder wenn er beim Viertelmarathon die Ziellinie überquere.

Aus einem anderen Blickwinkel berichtete Brigitte Herzog, deren Tochter bei einem Autounfall verstarb. Durch ihre Organspende konnte vier Menschen das Leben gerettet werden. Ihr sei die Entscheidung leichtgefallen, die Organe ihrer Tochter zur Transplantation frei zu geben, so Herzog. Die Mutter wusste über den Willen ihrer Tochter Bescheid, ihre Organe spenden zu wollen. Hätte Sie dies nicht gewusst, wäre ihr die Frage, ob sie sich richtig entschieden habe, bestimmt zur Last geworden. Eine solche Last sollte niemand tragen müssen, betont Herzog. Die an der Podiumsdiskussion beteiligten Ärzte formulierten einstimmig, dass man Organspende der kranken Patienten wegen mache, nicht der Organspende wegen.

Letzten Endes waren sich alle einig, dass es für Deutschland eine verbindliche Lösung zum Thema Organspende brauche und jeder Bürger zumindest einmal im Leben darüber nachdenken sollte, ob er sich für oder gegen die Organspende entscheide. So schloss auch Dr. Breidenbach: „Wenn jeder für sich selbst entscheiden würde, wäre jede Diskussion hinfällig.“


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